Editorial

Made in Germany


Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Während die Donald Trumps und Theresa Mays dieser Welt ganze Volkswirtschaften renationalisieren, spielt sich der chinesische Staatspräsident Anfang 2017 in Davos als einer der letzten Anwälte des Freihandels auf. Und ein Land wie Deutschland gilt plötzlich in der angloamerikanischen Welt als liberaler Fels in der Brandung. So kanns kommen.

Deutschland profitiert von Globalisierung und Freihandel, daran kann es keinen Zweifel geben. Trump selbst hat das mit unfreiwilliger Komik deutlich gemacht, als er feststellte, dass vor seinem Palast in New York lauter deutsche Autos stehen, während kaum irgendwo in Berlin amerikanische Autos zu sehen seien. Sigmar Gabriels „Baut halt bessere Autos!“ war darauf die einzig sinnvolle Antwort. Nicht mit Protektionismus wird man Weltmarktführer, sondern mit Qualität.

Wer exportieren will, braucht einen starken Heimatmarkt
Anders als in der Automobilindustrie ist die globale Präsenz deutscher Firmen in der Gesundheits-IT-Branche noch ausbaufähig. Woran liegt das? „Baut halt bessere Produkte“? – Eher nicht. Die Qualität deutscher Gesundheits-IT-Lösungen ist hoch, aber die Hersteller konzentrieren sich oft stark auf die feingranularen Vorgaben im Inland. Das macht daheim zufriedene Nutzer, aber es erhöht nicht den Produkt-Appeal im Ausland.

Das prinzipielle Interesse an Gesundheits-IT „made in Germany“ ist vorhanden. Als in Umbrien die Erde bebte, kam ein Anruf bei MEYTEC mit der Bitte, doch eine Telemedizin-Ambulanz zu schicken, um die Versorgung in Cascia zu unterstützen. Der Chef selbst fuhr den Wagen runter (s. Foto oben). Oder SAP: Die Walldorfer kooperieren mit der größten Krebsgesellschaft der Welt, der ASCO in den USA, bei deren Big-Data-Projekt CancerLinQ. Eines der ehrgeizigsten Health-IT-Projekte weltweit läuft auf deutscher Software. Die Liste ließe sich fortsetzen. Aber: Wer im Ausland verkaufen will, braucht einen starken Heimatmarkt und internationale Standards. An beidem muss Deutschland arbeiten.

Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM
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