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"Einzellizenzen sind ein Irrsinn"

Prof. Dr. Gunter Haroske leitet die Kommission Digitale Pathologie im Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP). Der BDP ist einer der Berufsverbände, die den im Juni 2017 neu gegründeten Dachverband Ärztlicher Diagnostikafächer (DVÄD) tragen.

30.08.17 · 

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In einem offenen Brief hat der Dachverband Ärztlicher Diagnostikafächer (DVÄD) drei Ministerien der deutschen Bundesregierung aufgerufen, eine nationale Lizenz für SNOMED-CT zu erwerben, um die semantische Interoperabilität zu fördern. Was sind die Hintergründe?

 

Was war der konkrete Anlass für den neuerlichen Versuch, SNOMED-CT in Deutschland zu etablieren?
Das Thema gärt schon länger. SNOMED-CT ist international bei vielen Anwendungen Terminologie der Wahl. Wir haben das in dem offenen Brief zusammengestellt. SNOMED-CT wird für europäische Projekte verwendet. Es ist auch Bestandteil vieler IHE-Profile. CDA-Dokumente zum Beispiel sind ohne SNOMED-CT nicht IHE-konform. Der konkrete Anlass war jetzt die Gründung der AG Semantik im Bundesverband Deutscher Pathologen. In diesem Rahmen mussten wir erneut feststellen, dass die umfangreichste und für Pathologen relevanteste Terminologie weltweit in Deutschland nur für die Forschung, und auch das nur eingeschränkt, zur Verfügung steht. Es stellte sich dann heraus, dass andere diagnostische Berufsverbände das auch zunehmend als Lücke empfinden. So kam es zu dem gemeinsamen Brief.

Was ist in der Pathologie konkret die Anwendung, für die SNOMED-CT aktuell am dringendsten gebraucht wird?

In der Pathologie sind es besonders die strukturierten Befunde. Die gibt es selbstgemacht und als Herstellerlösungen, aber sie sind absolut nicht interoperabel. Was wir uns wünschen, sind mehrere Referenzterminologien, die Hersteller für die strukturierte Befundung nutzen können oder müssen. Das im Laborbereich sehr verbreitete LOINC gibt es schon, aber das ist in der Pathologie eher rudimentär. Keine andere Terminologie deckt die Codierungsbedürfnisse der Pathologie so universell ab wie SNOMED-CT.

Warum braucht es eine nationale Lizenz?
Im Moment kann SNOMED-CT für Forschungsprojekte genutzt werden, und das wird, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, auch intensiv gemacht. Wenn es aber in die Versorgung geht, müssten Einzellizenzen für jeden Anwender erworben werden, je nach Nutzerkreis auch Mehrfachlizenzen für einen Anwendungsfall. Das ist Irrsinn. Die nationalen Lizenzen sind dagegen vergleichsweise günstig. Alles andere macht keinen Sinn.

Die Lizenz ist ja nur das eine. Kommt nicht auch noch die Übersetzung dazu?
Das steht nicht im Vordergrund. Wenn wir mit der englischen Version arbeiten könnten, wäre das schon ein Riesenschritt nach vorn. Es gibt Länder, die SNOMED CT in Teilen übersetzen. Es gibt aber auch Länder wie die Niederlande, die das nicht machen, sondern gleich die englische Version nehmen. Das kann man dann immer noch entscheiden.


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Leserkommentare

Anoynm, 30-08-17 15:31:
Angeblich gibt es Rahmen der Förderinitiative Medizininformatik die Übereinkunft zwischen den Projekten und dem BMG, dass eine zentrale Auflage die Einführung einer nationalen SNOMED-CT Lizenz ist und dieses wohl inoffiziell vom BMG auch zugesagt wurde.

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