Health-IT

Gipfelstürmer

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13.06.17 · 

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Beim Digital Gipfel ist eHealth ein Topthema. Der Politik werden dort auch IHE-Plattformen „schmackhaft“ gemacht.

 

Die Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung hatten die Medizin in der Vergangenheit nur punktuell auf der Agenda. Nach dem Rebranding zum „Digital Gipfel“ ist das in diesem Jahr ganz anders. Eines der Gipfel-Events ist der Launch der neuen IHE-Plattform der Universitätsmedizin Mannheim. „Jeder Player im Gesundheitswesen wird irgendwann IHE sprechen müssen. Die reine HL7 V2-Kommunikation stößt in einem integrierten Gesundheitswesen rasch an Grenzen“, betont Dr. Lennart Jahnke, CIO der Universitätsmedizin Mannheim.

 

Mannheimer IHE-Plattform startet mit der Leber

In ihrem ersten Use Case fokussiert sich die Mannheimer Plattform auf Leberpatienten. „Diese Patienten wechseln häufig zwischen Arztpraxen und teilstationärer Betreuung. Es gibt also großen Bedarf an intersektoralem Datenaustausch“, so Jahnke. Dass man sich für eine IHE-Plattform – zum Einsatz kommt sense von Siemens – und nicht für eine elektronische Fallakte entschieden hat, begründet Jahnke damit, dass mittelfristig eine patientenzentrierte Architektur angestrebt werde: Der Patient soll per Webportal bei der Verwendung der Daten mitreden.

 

Außerdem soll mit der neuen Plattform nicht nur nach außen hin kommuniziert, sondern es sollen auch klinikumsintern diverse Systeme vernetzt werden. Im „Dreiländereck“ von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen ist der Aufbau einer solchen Integrationsplattform kein kleines Projekt. Denn wenn es müssen drei Datenschützer einbezogen werden. „Das sind große Räder, die wir da drehen, aber wir wollen das tun, denn wir sehen einen echten Nutzen“, so Jahnke.

 

Wolke will Daten spenden

IHE-Plattformen nach dem Modell der österreichischen ELGA-Cluster entstehen derzeit an vielen Orten in Deutschland. Ihr Vorteil ist die dezentrale Datenspeicherung, die impliziert, dass auf Originaldokumente zugegriffen wird, nicht auf Kopien in zentralen Datensilos. Das Gegenmodell oder, je nach Sichtweise, die Ergänzung dazu sind webbasierte Gesundheitsakten, mittlerweile auch gerne Cloud-Akten genannt.

 

Auch in dieser Beziehung konnte sich Angela Merkel in Ludwigshafen informieren. Das Hasso-Plattner-Institut hat dort sein Konzept von einer „Gesundheitscloud“ vorgestellt, eine Art Mischmodell aus klassischer, Cloud-basierter Gesundheitsakte in Patientenhoheit und Software-Tools, die es erlauben, mit den dort abgelegten Daten zu arbeiten.  So könnten über die Gesundheits-Cloud Apps für das persönliche Gesundheitsmanagement angeboten werden, oder auch Analyse-Tools zur Auswertung radiologischer Bilddaten.

 

Das HPI will auch eine Funktion integrieren, die es Patienten erlaubt, ihre Daten für Forschungszwecke zu spenden. Ob sich auf diesem Weg auch Geschäftsmodelle generieren lassen, ist eine der interessanten Fragen. Denn bekanntlich sind Gesundheitsakten ja schon einmal an mangelndem Interesse, mangelndem Funktionsumfang und mangelnden Geschäftsmodellen gescheitert.

 

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


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