Telemedizin

Herzfrequenz-Apps: Ruf nach Qualitätskriterien

29.05.17 · 

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Durchwachsen: So lässt sich das Ergebnis einer Studie zusammenfassen, bei der vier Apps untersucht wurden, die die Herzfrequenz messen.

 

Apps, die die Herzfrequenz messen, nutzen dazu meist die Photoplethysmographie. Wissenschaftler um Thomas Coppetti von der Universität Zürich haben die Genauigkeit der Frequenzmessung von vier Apps bei 108 zufällig ausgewählten Probanden mit jener eines professionellen EKG-Monitors und eines Pulsoxymeters verglichen (Eur J Prev Cardiol 2017; doi: 10.1177/2047487317702044). Zwei Apps, „Instant Heart Rate“ (IHR, Version 3.0.1) und „Heart Fitness“ (HF, Version 2.0.3), arbeiteten mit Hautkontakt, zwei andere, „Whats My Heart Rate“ (WMH, Version 2.0) und „Cardiio“ (CAR, Version 2.0), kontaktlos.

 

Immerhin: Eine App erreicht Qualität des Medizinprodukts

Als mindestens zufriedenstellend wurde die Qualität der Kurve bei 90% der HF-Messungen und bei 86% der IHR-Messungen bewertet. Die WMH-App und die CAR-App erreichten 80% bzw. 69%. Erwartungsgemäß korrelierten die Ergebnisse des professionellen, als Medizinprodukt zugelassenen Pulsoxymeters gut mit jenen des EKG-Monitors. Der Korrelationskoeffizient betrug 0,92. Auch bei einer der beiden Apps mit Kontakt-Photoplethysmographie (HF) war die Korrelationen zum EKG-Monitor mit 0,96 sehr gut. Bei den kontaktlosen Verfahren lagen die Korrelationskoeffizienten dagegen nur bei 0,62 (WMH) bzw. 0,60 (CAR), die IHR-App erreichte 0,83.

 

Die Autoren betrachten ihre Ergebnisse als weiteren Beleg dafür, dass bessere Validierungen von medizinischen Apps nötig sind. Sie fordern außerdem, dass es dem Nutzer besser transparent gemacht werden müsse, ob und wie eine App validiert ist. Bisher könne der Nutzer von Herzfrequenz-Apps kaum einschätzen, wie gut die App, die er herunterlädt, wirklich ist. Ein Problem dabei ist allerdings, dass sich die Technik weiterentwickelt. Apps auf neueren Smartphones schnitten besser ab als auf älteren Geräten.

 

Dass die kontaktlosen Messungen schlechter abschnitten als die Messungen mit Kontakt wollen die Autoren nicht überbewertet wissen. Es könnte schlicht ein Kameraeffekt sein, denn die kontaktlosen Messungen, die ähnlich funktionieren wie ein Selfie, nutzen die (schlechtere) Sekundärkamera der Smartphones.

 

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


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