Telemedizin

Kardiologen starten interaktive Leitlinien-Apps

Foto: © vectorfusionart

11.04.18 · 

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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat beim Kardiologenkongress in Mannheim ihr neues App-Programm vorgestellt. Die DGK-Task Force „Medical Apps in der Kardiologie“ soll sich vor allem um interaktive Leitlinien kümmern.

 

Die DGK-Apps sollen leitlinienbasierte digitale Behandlungspfade für die wichtigsten akuten kardiologischen Erkrankungen bieten. Gewählt wird eine symptomatische Herangehensweise, ausgehend von sechs typischen Notfallkonstellationen in der Kardiologie, nämlich akuter Brustschmerz, ST-Hebungsinfarkt, akutes Koronarsyndrom, infarktbedingter kardiogener Schock, akutes Aortensyndrom und Lungenembolie. Ärzte sollen durch die Anwendungen Schritt für Schritt durch die sensible Phase der Akutbehandlung geführt werden.

 

 „Wir sind sicher, dass unter anderem die intuitive Bedienbarkeit die Akzeptanz der Apps weiter erhöhen wird und wir damit zu mehr Sicherheit und besseren Behandlungsergebnissen von akut herzkranken Patienten beitragen können“, betonte Prof. Dr. Martin Möckel, Berlin. Im Medizinbetrieb sind digitale Orientierungshilfen nach wie vor eher die Ausnahme. Professor Dr. Peter Radke, Neustadt, betonte, dass heute deutschlandweit zwar Leitlinien von 177 medizinischen Fachgesellschaften existierten, davon aber gerade einmal 15 in interaktiver Form verfügbar seien: „Das ist der Grund, warum die DKG eine eigene Task Force ‚Medical Apps in der Kardiologie‘ etabliert hat.“

 

Entscheidungsprozess soll Teil der Dokumentation werden

Mit dem im Rahmen dieser Task Force entwickelten Clinical Decision Support Tool sei in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten worden, so Radke: „Es beruht auf klaren, allgemein akzeptierten und vor allem publizierten Regeln, arbeitet auf individueller Patientenbasis, berücksichtigt auch parallel ablaufende Prozesse und kann perspektiv den gesamten Entscheidungsprozess zur Patientendokumentation hinzufügen.“ 

Checklisten zeigen, ähnlich wie das im Flugverkehr praktiziert wird, mit wenigen Abfragen rasch und übersichtlich, welche Patienten akut besonders gefährdet sind und welche Prozesse wann eingeleitet werden müssen. So soll beispielsweise sichergestellt werden, dass bei akutem Thoraxschmerz innerhalb von zehn Minuten ein EKG abgeleitet wird oder ein Infarktpatient im Krankenhaus binnen 60 Minuten einer Katheteruntersuchung und -behandlung zugeführt wird. 

 

Zahlreiche Studien zeigen, dass die penible Einhaltung von Leitlinien entscheidenden Einfluss auf die Behandlungsqualität hat. In einer großen Studie unter Einschluss von fast 40.000 Patienten zeigt sich beispielsweise eine klare Korrelation zwischen einer hohen Leitlinientreue und einer niedrigen Sterblichkeitsrate, aber auch weniger Blutungskomplikationen bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie


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