Health-IT

KIS-Hersteller beteiligt sich an Samedi

Bild: © 3dddcharacter

20.04.17 · 

Unsere Leser sind nach Lesen des Beitrags zu 63.89%

Überraschung im Vorfeld der conhIT: MEIERHOFER steigt bei dem Berliner Unternehmen samedi ein, seit zehn Jahren ein Vordenker des digital vernetzten Gesundheitswesens in Deutschland.

 

Die Beteiligung wurde bekannt gegeben nur wenige Tage nachdem die Asklepios-Kliniken darüber informiert hatten, dass sie ihre 150 Kliniken und Gesundheitseinrichtungen mit samedi-Software ausstatten werden, um die intersektorale, fachübergreifende Zusammenarbeit zu stärken und die Patientenkommunikation zu optimieren. Asklepios hält 40 Prozent der Unternehmensanteile an MEIERHOFER. Wie hoch die Beteiligung des Münchener KIS-Herstellers an dem Berliner eHealth-Unternehmen künftig ist, wurde nicht bekannt gegeben. Auch darüber, ob es sich um eine Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung handelt, wurde Stillschweigen vereinbart.

 

Fokus Prozessorientierung

Laut Geschäftsführer Matthias Meierhofer wurde eine Beteiligung an samedi erstmals Ende 2016 erwogen und dann relativ zügig in die Tat umgesetzt: „Unsere Kunden kommen immer häufiger mit der Frage zu uns, wie sie die Kommunikation nach außen verbessern können. In Österreich und der Schweiz ist das heute schon ein großes Thema, und in Deutschland kommt das jetzt auch immer stärker. Deswegen macht diese Beteiligung aus Sicht eines klassischen Gesundheits-IT-Anbieters sehr viel Sinn.“

 

Das A und O der Beteiligung ist Meierhofer zufolge nicht so sehr das Terminmanagement, mit dem samedi einst groß geworden ist, sondern die intersektoralen bzw. einrichtungsübergreifenden Prozesse: „Dass wir mit Asklepios einen gemeinsamen Kunden haben, hilft dabei natürlich. So können wir Use Cases, die für die Krankenhäuser von Nutzen sind, sehr gut durchspielen.“ In den nächsten Monaten sollen neue, prozessorientierte Tools entwickelt werden, die die Brücke zwischen stationärer und ambulanter Versorgung schlagen und den Patienten einbinden.

 

Da stationäre Leistungserbringer vermehrt mit ambulanten Versorgungsmodellen um Patienten werben, ist die Anbindung von Zuweisern und vor allem Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ein wichtiger Aspekt des anstehenden Entwicklungsprogramms. Außerdem steht eine bessere digitale Einbindung von Belegärzten auf der Tagesordnung. In Österreich und der Schweiz soll es zusätzlich um die Anbindung der in diesen Ländern bereits existierenden bzw. im Aufbau befindlichen nationalen bzw. kantonalen elektronischen Patientenakten gehen. Auch die digitale Kommunikation in Richtung Rehabilitationssektor soll verbessert werden, wo MEIERHOFER mit MediClin ebenfalls einen größeren Kunden hat. Das Stichwort lautet hier Belegungsportale.

 

Kommt der digitale Draht zum Patienten?

Die Geschäftsführerin von samedi, Katrin Keller, betont, dass die eHealth-Lösungen des Berliner Unternehmens ohnehin stark prozessgetrieben seien und daher die Anforderungen eines Krankenhaus-IT-Herstellers gut ergänzten: „Wir erhalten durch diese Beteiligung die Chance, die Prozesse in Krankenhäusern noch besser einzubinden.“ Gleichzeitig erhielten die Krankenhäuser die Möglichkeit, besser mit Patienten direkt in Interaktion zu treten. Derzeit seien knapp eine halbe Million Patienten und 4500 medizinische Einrichtungen bei samedi registriert, die rund eine Million Transaktionen pro Monat generieren.

 

Die Patienten nutzen nicht nur die Terminbuchung, sondern auch Tagebuchfunktionen, sodass denkbar erscheint, dass sich die samedi-Plattform in Richtung einer übergreifenden „elektronischen Patientenakte“ weiterentwickeln könnte. Die Gefahr, dass die Zusammenarbeit mit anderen IT-Herstellern durch die Beteiligung von MEIERHOFER leiden könnte, sieht Keller nicht: „Wir haben viele Kunden, die andere KIS nutzen und die wir über HL7 anbinden. Das wird sich nicht ändern.“


Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


Die etwas andere Befragung: Wie ist Ihr Gemütszustand, nachdem Sie diesen Beitrag gelesen haben?
Übermittlung Ihrer Stimme...

Leserkommentare

Keine Kommentare

Kommentar abgeben

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*




*