Telemedizin

KV Thüringen unterstützt drei Telemedizin-Projekte

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07.06.17 · 

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Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen will die ambulant tätigen Ärzte im Land bei der Nutzung telemedizinischer Anwendungen unterstützen. Die 1. Vorsitzende des Vorstandes, Dr. med. Annette Rommel, kündigte dazu am Rande der Medizinischen Fortbildungstage Thüringen drei konkrete Projekte an. So können Nichtärztliche Praxisassistentinnen die Möglichkeit erhalten, bei Hausbesuchen Diagnosedaten digital direkt in die Arztpraxis zu übertragen.


Zur Versorgung von Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen soll ein telemedizinisches Expertenkonsil aufgebaut werden, über das spezialisierte Fachärzte von Ärzten der Grundversorgung in Fachfragen konsultiert werden können. Schließlich will die KV Thüringen für Notärzte ein System der elektronischen Erfassung und Übertragung von Einsatzdaten aufbauen. Alle drei Projekte hat die KV Thüringen im Rahmen der Thüringer Strategie für die digitale Gesellschaft zur Förderung eingereicht.

 

 

Sinnvolle Anwendung zum Nutzen von Ärzten und Patienten „Telemedizin und Digitalisierung sind mehr als Schlagworte“, sagte Frau Dr. Rommel: „Uns kommt es auf Anwendungen an, die den Patienten nutzen und die Arbeit der Ärzte erleichtern. Das trifft auch auf die drei Projekte zu. Die KV arbeitet dabei eng mit den jeweiligen ärztlichen Fachverbänden zusammen und sucht Partner bei den Kassen.“ Die KV-Vorsitzende betonte, dass Telemedizin kein Selbstzweck sein darf und auch kein Ersatz für die wohnortnahe Versorgung der Patienten: „Die Technik muss im Dienste der Patienten und Ärzte stehen, nicht umgekehrt. Die Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass Ihre Daten nur von befugten Personen auf sicheren Datenwegen übertragen werden. Technische Spielereien, wie sie viele Hersteller anbieten, helfen bestimmt vielen Menschen dabei, auf ihre Gesundheit zu achten, taugen aber nur selten für die Anwendung in der Arztpraxis.“


Einen strengen Maßstab in Sachen Datensicherheit legt die KV Thüringen auch an die Telematik-Infrastruktur an, die in den nächsten Monaten bundesweit installiert werden und die neue Möglichkeiten beim Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte erschließen soll: „Für die Arztpraxen und Medizinischen Versorgungszentren bedeutet die Installation einen hohen organisatorischen Aufwand. Wir erwarten deshalb von den Kassen, dass sie ihre Mitglieder umfassend beraten, und von der Gesellschaft für Telematikanwendungen (Gematik), dass sie die Ärzte bei Installation und Nutzung umfassend betreut.“

 

Digitalisierung schon heute Alltag in vielen Praxen
Die KV-Vorsitzende verwies darauf, dass schon heute viele Praxen digitale Technik zum Datenaustausch und zur Kommunikation untereinander und mit Partnern und Patienten nutzen: „Das beginnt bei elektronischen Terminanfragen und Rezept-Formularen oder der elektronischen Befund-Dokumentation. Rund 20 Thüringer Kinderärzte beteiligen sich auch bereits am Fachkonsil 'Päd-Expert', bei dem Kinderärzte auf elektronischem Wege hochspezialisierte Fachkollegen konsultieren können. Rund 300 Thüringer Hausärzte haben in ihren Praxen auch bereits die Voraussetzungen dafür geschaffen, im Rahmen der Arzneimittelinitiative ARMIN gemeinsam mit Apothekern digitale Medikationspläne für Menschen zu erstellen, die fünf und mehr Medikamente einnehmen müssen.“

 

 

Kurzbeschreibung der drei telemedizinischen Projekte, die die KV Thüringen unterstützt



TeleArz t ® /Tele-VERAH:
Nichtärztliche Praxisassistentinnen (NäPA) können für ihre Hausbesuche einen „TeleRucksack“ mit einem tablet-Computer und daran gekoppelten Diagnosegeräten (z. B. Blutdruckmessgerät, 3-Kanal-EKG, Waage, Blutzuckermessgerät) erhalten. Über eine gesicherte Datenverbindung können sie Diagnosedaten direkt in die Praxissoftware übertragen. Möglich sind auch Sprach- und Videotelefonie. Das Modell wurde von der TeleArzt GmbH (TAG) entwickelt und wird bereits in vier Bundesländern in Kooperation mit den dortigen Hausärzteverbänden eingesetzt. In Thüringen will erstmals die KV als Projektpartner eintreten, um allen hausärztlich tätigen Ärzten die Nutzung zu ermöglichen.


Das ZNS-Konsil: (ZNS = Zentralnervensystem)
Hausärzte (oder andere erstbehandelnde Ärzte), die Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen behandeln, können über eine Kommunikations-Software und standardisierte Formulare Fachärzte für Neurologie oder Psychiatrie zu Diagnostik und Therapie konsultieren. Das Modell vermeidet Überweisungen und ermöglicht auch Patienten, die es weit zum Neurologen oder Psychiater haben, eine Überwachung durch den Fachspezialisten. Partner bei dem Projekt sind die nervenärztlichen Fachverbände. Die Daten-sichere Software kommt von der Firma Monks Vertriebsges.mbH und wird bereits in mehreren Bundesländern angewendet. Die BARMER hat Interesse an einem Selektivvertrag für Thüringen signalisiert.


Elektronische Einsatzdatenerfassung und -übertragung für Notärzte:
Notärzte erhalten für ihre Einsätze einen tablet-Computer, über den sie alle rettungstechnischen und notfallmedizinischen Daten der Patienten (Notarztprotokoll) erfassen. Noch während der Fahrt können die Daten an das Krankenhausinformationssystem bzw. die Informationsplattform des aufnehmenden Krankenhauses übertragen werden bzw. kann durch Informationsaustausch das am besten geeignete Krankenhaus ermittelt werden. Die Übertragung erfolgt auf Daten-sicherem Weg. Das aufnehmende Krankenhaus kann sich besser auf den Patienten vorbereiten. Es gehen keine Daten verloren. Projektpartner ist die Thieme DokuForm GmbH. Die KV Thüringen kann als überregionaler  Aufgabenträger im Rettungsdienst erstmalig einen einheitlichen Dokumentations- und Kommunikations-standard etablieren.

 

Quelle: KV Thüringen


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