Forschung

Neue Forschungs- und Therapieansätze durch Verschmelzung von Dateninseln

17.07.17 · 

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Daten aus Krankenversorgung und Forschung besser nutzbar machen: Das MIRACUM-Konsortium (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine) wird zu diesem Zweck im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MI-I) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ab 2018 mit 32,1 Millionen Euro gefördert. Die drei Mitgliedshochschulen des Forschungscampus Mittelhessen, die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Philipps-Universität Marburg und die Technische Hochschule Mittelhessen, erhalten im Rahmen der BMBF-Förderung insgesamt 7,1 Millionen Euro und stärken damit auch den gemeinsamen Campus-Schwerpunkt „Biomedizinische Informatik und E-Health“. Hinter MIRACUM stehen acht Universitäten mit Universitätsklinika, zwei Hochschulen und ein Industriepartner. Ziel ist es, die derzeit sehr unterschiedlichen Dateninseln aus Krankenversorgung und Forschung in Datenintegrationszentren zusammenzuführen, um die Daten mit Hilfe von innovativen IT-Lösungen für Forschungsprojekte und konkrete Therapieentscheidungen zentral nutzen zu können. Die Koordination erfolgt durch den Erlanger Lehrstuhl für Medizinische Informatik unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch. Prof. Dr. Till Acker, Direktor des Instituts für Neuropathologie der Justus-Liebig-Universität Gießen und Forschungsdekan des Fachbereichs Medizin, ist stellvertretender Sprecher.

 

Klinische Befunde, Bildgebende Diagnostik sowie genetische und molekulare Untersuchungen sind Beispiele von Informationen aus der Klinik, die MIRACUM vernetzt, um zukünftig beispielsweise Lun-generkrankungen oder auch Hirntumoren mit verbesserter Trennschärfe verschiedenen Untergruppen zuzuordnen und Patienten somit zielgerichteter und wirkungsvoller behandeln zu können. Die Behandlung von Krebserkrankungen erfordert die Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten unter-schiedlicher Fachrichtungen. Sie benötigen in ihrer täglichen Arbeit und insbesondere bei Therapie-entscheidungen im Rahmen interdisziplinärer Tumorkonferenzen alle verfügbaren Informationen ihrer Patienten vollständig und auf einen Blick. MIRACUM liefert den Nutzen vernetzte Daten aus der Klinik und aus molekularen bzw. genetischen Untersuchungen unter Berücksichtigung des Datenschutzes. Die Daten werden effizient zusammengeführt und übersichtlich dargestellt. Außerdem wird das Konsortium Datenabfragen für die Identifikation von Patientinnen und Patienten zur Rekrutierung für klinische Studien erleichtern. Erste Ergebnisse wurden bereits im Rahmen einer neunmonatigen Konzeptphase erzielt und können unter http://www.miracum.de nachgelesen werden. Nach dieser Konzeptphase wird MIRACUM nun ab 2018 für weitere vier Jahre gefördert.

 

Die Justus-Liebig-Universität Gießen erhält gemeinsam mit der Technischen Hochschule Mittelhessen eine Förderung von 3,8 Millionen Euro. Hiermit soll unter anderem ein universitätsübergreifender neuer Masterstudiengang „Biomedical Informatics and Medical Data Science“ aufgebaut werden. „Dies ist auch ein direktes Resultat der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit zwischen der JLU Gießen und ihrem Fachbereich Medizin und der THM mit ihrem Fachbereich Gesundheit im Rahmen des For-schungscampus Mittelhessen“, ergänzt Dekan Prof. Dr. Wolfgang Weidner. Die Philipps-Universität Marburg erhält eine Förderung in Höhe von 3,3 Millionen Euro. Im Rahmen der Förderung sollen an beiden universitären Standorten Datenintegrationszentren entstehen, in denen die auf viele spezialisierte Einzelsysteme verteilte Daten von Patienten sicher und in hoher Qualität zu-sammengeführt werden. Darauf aufsetzend werden die Entwicklung innovativer IT-Lösungen und die Standort-übergreifenden Datennutzung innerhalb des MIRACUM Konsortiums aber auch in Kooperation mit anderen Konsortien vorwärtsgebracht.

 

„Wir freuen uns sehr“, so Prof. Dr. Kurt Marquardt, IT-Bereichsleitung bei der Rhön Klinikum AG, „dass wir unsere bereits in Vorläuferprojekten erfolgreich praktizierte Zusammenarbeit mit den Freiburger und Erlanger Kollegen nun in einem noch größeren medizininformatischen Projekt fortsetzen können. Auch unsere in vernetzten Strukturen aufgebauten Architekturumgebungen sollten das Arbeiten in standortübergreifenden Datennutzungen wertvoll unterstützen.“ „Insbesondere bei der Realisierung eines Anwendungsszenarios zur Entwicklung von Prädiktionsmodellen für Lungenerkrankungen und Hirntumoren werden wir unsere exzellente und langjährige medizinische und wissenschaftliche Kompetenz zentral in das MIRACUM Konsortium einbringen“, stellt Prof. Dr. Till Acker als Standort-sprecher von MIRACUM fest. „Darüber hinaus“, so ergänzen Prof. Dr. Henning Schneider (Medizinin-formatik der Justus-Liebig-Universität Gießen) und Prof. Dr. Keywan Sohrabi (Technische Hochschule Mittelhessen), „werden wir unsere Vorerfahrungen aus dem Aufbau von Studiengängen im Umfeld der Medizinischen Informatik, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Hochschule Mannheim zur Stärkung der Biomedizinischen Informatik innerhalb des Konsortiums, aber auch für ganz Deutschland, einbringen. Das beinhaltet speziell für Gießen auch die ärztliche Weiterbildung in der Medizinischen Informatik. Auch in dem grundsätzlichen Themenumfeld der Anwendungsszenarien werden wir uns mit problemfokussierter, medizininformatischer Kompetenz engagieren.“

 

„Wir sind in Marburg besonders stolz darauf, ein Anwendungsfeld koordinieren zu können. Hier bringen wir unsere langjährigen und internationalen interdisziplinären Erfahrungen ein, um letztlich u.a. die Versorgung, aber auch die Beforschung von Asthma und COPD mit Hilfe dieses nationalen Konsortiums deutlich voranbringen zu können“, so Prof. Dr. Harald Renz, Standortsprecher von MIRACUM und Ärztlicher Geschäftsführer/Ärztlicher Direktor der Uniklinik Marburg. Der Dekan des Fachbereichs Medizin, Prof. Dr. Helmut Schäfer, ergänzt: „Unser Konzept baut auf der herausragenden Expertise unserer Kliniken in der translationalen und patientenorientierten klinischen Forschung auf, gerade auch in unseren klinisch-wissenschaftlichen Schwerpunktgebieten Onkologie, Immunologie, Neurowissenschaften und seltene Erkrankungen, und besonders auf der exzellenten, international weit sichtbaren Expertise des Koordinierungszentrum für klinische Studien (KKS) unter der Leitung von Carmen Schade-Brittinger. Das KKS wird gemeinsam mit dem Geschäftsbereich IT UKGM Marburg (Leitung Hans-Walter Fritsch) das Fundament für den Aufbau des Marburger Datenintegrationszentrums sein.“

 

• Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg & Universitätsklinikum Erlangen (Konsor-tialführer)• Goethe-Universität Frankfurt & Universitätsklinikum Frankfurt• Albert-Ludwigs-Universität Freiburg & Universitätsklinikum Freiburg• Justus-Liebig-Universität Gießen & Universitätsklinikum Gießen/Marburg• Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz• Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg / Universitätsklinikum Mannheim• Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg & Universitätsklinikum Magdeburg• Philipps-Universität Marburg & Universitätsklinikum Gießen/Marburg

 

Weitere Partner• Technische Hochschule Mittelhessen• Hochschule Mannheim• Averbis GmbH FreiburgHomepage: www.miracum.de

 

 


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