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Next Exit Telematik: Per KOM-LE ins Patientenfach?

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03.07.17 · 

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Wie kann der Patient am besten in die sichere digitale Kommunikation im deutschen Gesundheitswesen eingebunden werden? Ein Einstiegsszenario für das Patientenfach.

 

So ganz klar ist die Vision der digitalen, patientengesteuerten Akten im deutschen Gesundheitswesen bisher nicht. Die Österreicher haben mit ihrer ELGA eine dezentrale, IHE-basierte Infrastruktur aufgebaut, die sie „Gesundheitsakte“ nennen und auf die Patienten per Web und mobil Zugriff bekommen. In Deutschland ist die Landschaft etwas heterogener: Krankenkassen basteln an cloudbasierten Gesundheitsakten, Leistungserbringer und Krankenhäuser dagegen eher an IHE-Plattformen und professionellen „Leistungserbringer-Akten“.

 

Mobiltelefon und eGK werden ein Paar

Die Gematik bewegt sich mit ihrer Telematikinfrastruktur irgendwo dazwischen. Sie hat aber noch nicht entschieden, wie genau sie sich „ihre“ elektronische Patientenakte nach §291a vorstellt und verweist gerne auf das ebenfalls im §291a angelegte Patientenfach. Wie dieses Fach zumindest anfangs aussehen könnte, wurde beim 4. Visus-Symposium in Essen etwas klarer. Frederic Naujokat von ehealth Experts skizzierte einen von dem Unternehmen entwickelten Prototypen.

 

Ausgangspunkt ist das mobile Zugriffsszenario, das die Politik für den Patientenzugriff einfordert. Dazu könnte das Mobiltelefon einmalig oder in gewissen Abständen an einem Patientenkiosk oder in der Arztpraxis mit der elektronischen Gesundheitskarte „gepaart“ werden. Dadurch werde ein Zugriff auf das Patientenfach möglich, ohne dass jedes Mal die eGK gesteckt werden müsse, so Naujokat. Die zweite Karte, die „Professional“-Karte, wäre bei diesem Szenario nicht der elektronische Arztausweis, sondern die AdV („Anwendungen des Versicherten“)-Karte, die die Gematik kürzlich in ihrem Konzeptpapier zu den AdV näher erläutert hat.

 

„Kurzfristig umsetzbar“

Wie aber kommen die Daten ins Patientenfach? Hier biete sich für den Anfang die E-Mail-Schnittstelle der Telematikinfrastruktur an, die „Kommunikation Leistungserbringer“ (KOM-LE), so Naujokat. Das Szenario wäre demnach, dass ein Arzt oder Krankenhaus auf Wunsch des Patienten (oder automatisch) Dokumente per KOM-LE ins Patientenfach mailt, wo der Patient dann – auch zuhause – mobil oder per Browser zugreifen und die Daten ggf. herunterladen kann.

 

Naujokat betonte, dass dieses Szenario als ein erstes Anwendungsszenario gedacht sei, das relativ schnell mit den zur Verfügung stehenden Komponenten der TI umgesetzt werden könne. Wie sich Patientenfach und Patientenakte langfristig zueinander verhalten, ob ein ELGA-Szenario à la Österreich entsteht, ob cloudbasierte Datensammlungen in externen Gesundheitsakten die primäre Patientenschnittstelle werden oder ob die unterschiedlichen Aktentypen am Ende doch miteinander und mit dem Patientenfach verwachsen, das sei noch in keiner Weise präjudiziert.

 

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


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