Telemedizin

Nützlich oder auch nicht

Foto: IQWIG

10.08.17 · 

Unsere Leser sind nach Lesen des Beitrags zu 0%

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht weder Vor- noch Nachteile des Telemonitorings durch kardiale Implantate und beklagt die schlechte Studienqualität.

 

Das IQWiG hat sich in einer vorläufigen, jetzt zur Kommentierung freigegebenen Nutzenbewertung des Telemonitorings mit kardialen Implantaten angenommen. Die Telemedizin ist damit endgültig im deutschen Gesundheitswesen angekommen – wenn auch vielleicht noch nicht so, wie sich deren Protagonisten das vorgestellt haben.

 

Mangelnde Sorgfalt wird man dem IQWiG nicht vorwerfen dürfen. Alle relevanten Studien wurden berücksichtigt, von TRUST und ECOST über IN-TIME bis OptiLink HF und CONNECT. Das Resultat der IQWiG-Nutzenbewertung ist genauso ernüchternd wie wenig überraschend: In der Gesamtschau fanden die Experten unter anderem hinsichtlich Mortalität, Schlaganfall, Herzinfarkt, kardialer Dekompensation, Hospitalisierungen sowie ICD-Schockabgabe keine relevanten Unterschiede, das Telemonitoring hatte also weder Vor- noch Nachteile.

 

Was schwere unerwünschte Ereignisse (SUE) und gesundheitsbezogene Lebensqualität angeht, seien die Daten so lückenhaft gewesen, dass überhaupt keine Aussage getroffen werden konnte. So fehlten zu SUE Daten von 40% der Patienten, zur Lebensqualität von 81% der Patienten. Zudem wird bei fast allen Studien ein erhebliches Verzerrungspotenzial diagnostiziert.

 

Kein Ruhmesblatt für die Studienleiter

Das IQWiG macht aus seinem Frust keinen großen Hehl. Obwohl mit vier von sieben Herstellern schriftliche Vereinbarungen zur Übermittlung von Studiendaten existierten, gab es für das Institut erhebliche Probleme, an Daten zu kommen. „Bedauerlicherweise sieht es bei Studien, die nicht von der Industrie, sondern von Wissenschaftlern selbst aufgelegt wurden, nicht besser aus“, betont der stellvertretende Leiter des IQWiG, Stefan Lange.

 

Häufig werde auch bei Investigator-initiierten Studien noch nicht einmal das geplante Vorgehen veröffentlicht. „Sogenannte Designpublikationen sucht man bei den sogenannten Investigator Initiated Trials (IITs) ebenso vergeblich wie Studienprotokolle – von den Ergebnissen erst gar nicht zu reden.“ In zwei von vier Fällen hätten die Studienautoren noch nicht einmal auf die Anfragen des IQWiG reagiert.

 

Unternehmen und Studienleiter haben jetzt die Gelegenheit, im Anhörungsverfahren zu dem IQWiQ-Vorbericht Stellung zu nehmen bzw. existierende Daten, die möglicherweise nicht veröffentlicht wurden, nachzureichen. Danach erstellt das IQWiG dann den Endbericht, übermittelt ihn an den Gemeinsamen Bundesausschuss und veröffentlicht ihn acht Wochen später.

 

Noch nicht berücksichtigt wurde für den jetzt vorliegenden Vorbericht die große REM-HF-Studie aus England. Die ist mittlerweile publiziert und wird in den Abschlussbericht einfließen. Da es sich um eine neutrale Studie handelte, dürfte sie das Gesamtergebnis nicht stark verändern.

 

IQWiG-Vorbericht N16-02 https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekte/nichtmedikamentoese-verfahren/n16-02-telemonitoring-mithilfe-von-aktiven-kardialen-implantierbaren-aggregaten-bei-ventrikularen-tachyarrhythmien-sowie-herzinsuffizienz.7436.html


Die etwas andere Befragung: Wie ist Ihr Gemütszustand, nachdem Sie diesen Beitrag gelesen haben?
Übermittlung Ihrer Stimme...

Leserkommentare

Keine Kommentare

Kommentar abgeben

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*




*