MedTech

Open Source für den Rollstuhl

Foto: http://madeformywheelchair.de/

16.01.18 · 

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Rollstuhlfahrer und Kreative der sogenannten „Maker-Bewegung“ entwerfen und produzieren gemeinsam quelloffenes („Open Source“-)Zubehör für Rollstühle.

 

Erste Ergebnisse des Projekts „Made for my Wheelchair“ wurden von den Industriedesignern Isabelle Dechamps und Daniel Wessolek beim 34. Chaos Communication Congress in Leipzig vorgestellt. Zunächst wurden im Projekt Themencluster identifiziert, denen die gängigen Probleme im Rollstuhlfahreralltag zugeordnet werden können: Transport (beispielsweise von Einkäufen oder Postpaketen), menschliche Interaktion (Kontakt auf gleicher Blickhöhe, Mitfahren im Auto), Wetter (Regen-, Schnee-, Windschutz) und Beleuchtung. In einem Hackathon auf der Messe „Maker Faire“ 2016 entwickelten Rollstuhlfahrer dann gemeinsam mit Technikern und Designern erste Zubehör-Prototypen, die gemeinsam mit dem FabLab Berlin umgesetzt wurden.

 

Kein kommerzieller Vertrieb

Das erste einsatzfähige Produkt sind individuell anpassbare Lichtmodule für den Rollstuhl, etwa Schweinwerfer, Rücklichter und Unterbodenbeleuchtung, also Lichtquellen zu Sicherheits- wie auch zu dekorativen Zwecken. Nach Aussage von Dechamps und Wessolek sollen diese und zukünftige Rollstuhl-Add-ons vor allem intuitiv benutzbar sein und attraktiv aussehen, „nicht nach Sanitätshaus“, wie es Projektberater Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit, ausdrückte.

 

Die „Made for my Wheelchair“-Zubehörteile werden nicht-kommerziell vertrieben: Über die Webseite des Projekts sowie auf der Maker-Webseite Instructables sind die Baupläne für alle Interessierten kostenfrei unter einer Creative-Commons-Lizenz herunterzuladen. Die Materialien pro Lichtquelle kosten weniger als 20 EUR und lassen sich mit Hilfe eines 3D-Druckers sowie eines Lasercutters herstellen. Da die Baupläne quelloffen sind, kann die Nutzergemeinde sowohl die Gehäuse als auch die Lichteffekte eigenständig weiterentwickeln.


Nächster Schritt: Vernetzung

Die Maker-Community ist eine der Hacker-Szene verwandte Bewegung, die sich seit den späten 2000er Jahren auch in Deutschland mit sogenannten Fablabs (Fabrication Laboratories) oder Maker-Spaces etabliert hat. In diesen offenen Werkstätten stehen Mitgliedern oder allen Interessierten Produktionsmittel wie 3D-Drucker, Laser-Cutter, industrielle Nähmaschinen oder CNC-Maschinen zur Verfügung, die sonst nur in gewerblichem Zusammenhang und für große Stückzahlen eingesetzt werden. Ziel der Bewegung ist es unter anderem, durch die Verwendung von Open Source-Bauplänen Privatpersonen von den Vorgaben industriellen Massendesigns unabhängig zu machen, sowohl durch Produktion kleiner Stückzahlen für individuelle Bedürfnisse wie auch zur Herstellung nicht mehr lieferbarer Ersatzteile.

 

Nächster Schritt auf dem Weg zu einer barrierefreien Gesellschaft soll nach Ansicht der Projektverantwortlichen eine Plattform sein, auf der eine übergreifende Vernetzung von Maker-Projekten zum Thema Hilfsmittel stattfinden kann. Erste Gespräche mit dem parallel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Innovationsforum HelpCamps (http://helpcamps.de/) laufen bereits. „Made for my Wheelchair“ wird ebenfalls vom Bunderministerium für BMBF gefördert. Projektpartner sind Ottobock und Sozialhelden.

 

Weitere Informationen:

Projekt-Website http://www.madeformywheelchair.de

Website der Maker-Bewegung https://www.instructables.com

 

Text: Dr. med. Christina Czeschik
ist Ärztin für Medizinische Informatik und Fachautorin für eHealth und Informationssicherheit.


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