Health-IT

Rückenwind für mobile Standards

© jpgon

30.08.17 · 

Unsere Leser sind nach Lesen des Beitrags zu 75%

In einem mutigen Schritt hat die Regierung der spanischen Region Katalonien im Juli die Zulassung von Glukosemessgeräten für ihre Digital Health-Plattform an die Nutzung der Continua Design Guidelines gekoppelt. Wird die damit zum Trendsetter?

 

Die autonome Region Katalonien ist eine der Regionen Spaniens, die in Sachen digitaler Vernetzung des Gesundheitswesens europaweit eine Schrittmacherfunktion innehaben. Über die dem Gesundheitsministerium nachgeordnete Behörde TicSalut werden dort schon seit Längerem Krankenhäuser und Ärzte vernetzt und Patienten digital eingebunden. Auch unterschiedliche Apps werden in diesem Kontext bereits genutzt, wobei zur Qualitätskontrolle ein eigenes App-Assessment entwickelt wurde, das auch als Blaupause für EU-Aktivitäten in dieser Richtung diente.


Glukometer müssen Continua-Standards erfüllen

Jetzt geht TicSalut den nächsten Schritt. Patienten sollen systematischer als bisher die Möglichkeit bekommen, eigene Daten über mobile Sensorik einzustellen. Dazu wird ein eigenes Portal mit App-Store genutzt, wo Patienten sich geeignete, mit der Plattform kompatible Apps auswählen können. Ende Juli hat das Office of Standards and Interoperability (OFSTI) der TicSalut Foundation jetzt bekannt gegeben, dass es neue Regeln für die Zulassung von Glukosemessgeräten geben wird.

 

Künftig müssen diese Geräte die Anforderungen der Continua Design Guidelines erfüllen, die von der Personal Connected Health Alliance (PCHA) herausgegeben werden. Diese Leitlinien definieren einen Rahmen für die Interoperabilität zwischen mobiler Sensorik und anderen Mobilgeräten auf der einen Seite und digitalmedizinischen Softwarelösungen bzw. elektronischen Akten aller Art auf der anderen Seite. TicSalut hat die Anforderungen, die Glukosemessgeräte im katalonischen Gesundheitswesen künftig erfüllen müssen, in drei technischen Dokumenten detailliert beschrieben.

 

Auch Länder wie Österreich und Schweden denken im Kontext ihrer Patientenaktenprogramme darüber nach, die Anbindung mobiler Geräte über die Continua Design Guidelines zu verwirklichen. Bisher habe seines Wissens aber noch keine Regierung den entscheidenden Schritt gemacht und die Zulassung mobiler Geräte explizit an die Umsetzung der Continua Design Guidelines gekoppelt, betont der Europäische Programmdirektor der PCHA, Michael Strübin, in einem Linkedin-Post. Die Entscheidung in Katalonien könnte also ein Zeichen für ganz Europa setzen.

 

Wie reagiert die Industrie?

Für Strübin ist die katalonische Entscheidung auch ein Test, der zeigen könnte, wie der Markt auf solche Vorgaben reagiert: Es werde interessant zu sehen sein, ob diese Initiative dazu führt, dass mehr Hersteller Continua-kompatible Geräte anbieten. Bisher ist das nur sehr eingeschränkt der Fall, was die Hersteller damit begründen, dass die Nachfrage nicht hoch genug sei.

 

Katalonien ist kein extrem großer, mit 7,5 Millionen Einwohnern aber auch kein ganz kleiner Markt. Unklar ist Strübin zufolge noch, wie die Umsetzung der Continua-Guidelines von der TicSalut kontrolliert wird. Die PCHA bietet ein Zertifizierungsprogramm an, das die Katalanen aber nicht verpflichtend einfordern.

 

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


Die etwas andere Befragung: Wie ist Ihr Gemütszustand, nachdem Sie diesen Beitrag gelesen haben?
Übermittlung Ihrer Stimme...

Leserkommentare

Keine Kommentare

Kommentar abgeben

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*




*