Telemedizin

Schleswig-Holstein: Projektstart für "Virtuelle Diabetesambulanz für Kinder und Jugendliche"

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04.07.17 · 

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Die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 in Schleswig-Holstein soll in Zukunft deutlich verbessert werden. Das ist das Ziel des bundesweit einmaligen Telemedizin-Projektes ‚Virtuelle Diabetesambulanz für Kinder und Jugendliche‘ (ViDiKi), das heute in Lübeck vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), dem Konsortialpartner AOK NORDWEST und dem Kieler Gesundheitsministerium vorgestellt wurde.

 

Danach erhalten die teilnehmenden jungen Patienten und deren Eltern künftig zusätzliche Beratungstermine. Diese werden einmal monatlich von zu Hause aus am Computer oder Laptop mit einer Webkamera und einem Telefon zwischen den Familien und den Experten in der Diabetesambulanz am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck und Kiel sowie am Städtischen Krankenhaus in Kiel durchgeführt. Dabei werden regelmäßig Glukosewerte ausgewertet und besprochen. Dazu erhalten die Eltern und Jugendlichen wichtige Hinweise, wie sie ihre Therapie optimieren und damit die Lebensqualität dauerhaft verbessern können. Die Beratung wird auf Deutsch, Englisch oder Türkisch angeboten.

 

„Das Modell ist beispielhaft für den sinnvollen Einsatz von Telemedizin. Es kann erheblich zur Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes beitragen und ganz konkret den Alltag von betroffenen Familien erleichtern. Hier legen Daten innerhalb kürzester Zeit große Strecken zurück und ersparen Patientinnen und Patienten weite Wege und lange Wartezeiten. Die Projektpartner aus Schleswig-Holstein zeigen mit dem Modell, welches innovative Potential im Interesse der Betroffenen durch Telemedizin genutzt werden kann. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, die gemeinsam mit hohem Engagement diese neue Versorgungsform auf den Weg bringen“, so Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg, der das Projekt offiziell startete und Betroffene ermutigt, an dem Modell teilzunehmen.

 

Etwa 1.200 Kinder und Jugendliche sind allein in Schleswig-Holstein an Diabetes Typ 1 erkrankt. Die Erkrankung greift stark in das Leben der Betroffenen und deren Familien ein. Trotzdem können Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes ein normales Leben führen. Dafür brauchen sie jedoch eine gute medizinische Versorgung mit einer individualisierten Insulintherapie, eine spezielle fachärztliche Betreuung und vor allem passende Hilfsmittel, die die Patienten ständig bei sich tragen müssen. „Diese hoch technisierten Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) geben den Betroffenen inzwischen weit mehr Sicherheit vor Über- und Unterzuckerung. Sie erfordern aber auch einen häufigeren Kontakt zwischen Patient und Behandelnden zur Insulinanpassung“, erklärte Projektleiterin Dr. Simone von Sengbusch, Diabetologin am UKSH.

 

Und gerade diese regelmäßigen Termine zur Besprechung in einer Diabetesambulanz, die oft viele Kilometer vom Wohnort entfernt ist, erfordern von den Familien viel Zeit und Energie, die für Schule, Freizeit und andere Aktivitäten verloren gehen. Hinzu kommt, dass die Verfügbarkeit von Terminen bei Diabetologen begrenzt ist und entsprechende Beratungen wegen des zunehmenden Mangels an Kinderdiabetologen nicht wohnortnah durchgeführt werden können. „Diese Situation lässt sich in Schleswig-Holstein mit unserer ‚Virtuellen Diabetesambulanz‘ künftig deutlich verbessern“, so von Sengbusch. So können die virtuellen Beratungsgespräche künftig viel flexibler als in den üblichen Sprechstunden einer Klinik oder einer Praxis durchgeführt werden. „Auch abends oder am Wochenende sind jetzt Gespräche möglich. Das wird die Familien deutlich entlasten“, so von Sengbusch. Das neue Angebot ersetzt aber nicht komplett den persönlichen Kontakt zum Arzt. „Die Kinder bleiben weiterhin in Betreuung bei ihrem Arzt oder Diabetologen, der auch nach wie vor einmal pro Quartal den wichtigen HbA1c-Wert bestimmt“, so von Sengbusch.

 

In einer vorgeschalteten Erprobungsphase zum jetzigen Projekt hatte Familie Abel aus Obernwohlde (Kreis Ostholstein) die digitale Sprechstunde bereits getestet und für praxistauglich befunden. „Telemedizin ist für uns einfach perfekt. Wir müssen nicht in die Ambulanz nach Lübeck fahren, um einmal in Ruhe die ausgewerteten Daten zu besprechen. Das spart uns viel Zeit“, sagt Vater Carsten Abel, dessen zwei von drei Kindern an Diabetes Typ 1 erkrankt sind. „Das ist ein tolles Angebot. Es gibt keinen nennenswerten Unterschied zur persönlichen Beratung in der Diabetesambulanz. Wir können uns jetzt sogar zu jeder gewünschten Zeit an unsere Ärztin wenden und die Therapie besprechen“, sagt Mutter Sandra Abel.

 

Für AOK-Landesdirektor Thomas Haeger ist die ViDiKi ein wegweisendes Projekt. „Unsere Vision ist, neue Wege in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu gehen. Dabei wollen wir als größte Krankenkasse in Schleswig-Holstein eine intelligente und qualitativ hochwertige telemedizinische Struktur mit aufbauen und mit Projekten wie diesem Versorgung aktiv mitgestalten. Die Akzeptanz dazu wird gerade bei den jüngeren Patienten hoch sein. Davon bin ich überzeugt. Denn die Nutzung solcher modernen Beratungsangebote über digitale Kanäle lassen sich hervorragend in den Lebensalltag junger Menschen integrieren“, so Haeger.

 

Prof. Dr. Jens Scholz, UKSH-Vorstandsvorsitzender, erklärte: „Aus dem Hormonzentrum der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKSH Lübeck unter der Leitung von Prof. Herting sind bereits einige innovative Diabetesversorgungskonzepte hervorgegangen, unter anderem die ‚Mobile Diabetesschulung Schleswig-Holstein‘ und der Kinderdiabeteslotse. Mit ‚ViDiKi‘ können wir das Angebot einer innovativen Diabetesversorgung für Kinder in Schleswig-Holstein noch weiter ausbauen und verbessern.“

 

Um das telemedizinische Beratungsangebot für ihre Patienten durchzuführen, verwenden das UKSH und das Städtische Krankenhaus moderne und sichere Kommunikationsmedien, die den hohen Datenschutzansprüchen gerecht werden. 240 Kinder und Jugendliche aus Schleswig-Holstein im Alter von einem Jahr bis zu 16 Jahren können an ViDiKi teilnehmen. Interessierte können sich ab sofort bei der Projektleiterin Dr. Simone von Sengbusch per E-Mail unter simone.vonsengbusch@uksh.de anmelden.


Vor dem Start des Projektes erhalten die Familien eine umfassende Einweisung in das Programm. Die Dauer der Teilnahme beträgt zunächst zwölf Monate. Danach können die Familien entscheiden, ob sie bis Ende 2019 weiter Telemedizin erhalten wollen. Wenn sie dies wünschen, können sie die Kontaktfrequenz frei wählen.

 

Die Evaluierung des Projekts schließt sich bis März 2020 an und wird durchgeführt vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universität zu Lübeck. Dabei soll bewertet werden, ob das telemedizinische Projekt die erhofften Vorteile in der Versorgung gebracht hat und gleichzeitig wirtschaftlich war. Die Gesamtkosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro werden aus dem Innovationsfonds beim gemeinsamen Bundesausschuss finanziert. Damit sollen neue Versorgungsformen und die qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland gefördert werden. Teilnehmen können bislang die Versicherten der AOK NORDWEST, BARMER, DAK-Gesundheit, IKK Nord, Techniker Krankenkasse und einiger Betriebskrankenkassen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Quelle: www.schleswig-holstein.de


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