Telemedizin

Startschuss für das erste Telemedizinische deutsch-polnische Kinderkrebszentrum

Wollen künftig in der Kinderonkologie eng zusammenarbeiten (v.l.n.r.) - Dr. Konrad Jarosz, Direktor des Universitätsklinikums Nr. 1 der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin, Jerzy Piwowarczyk, Kanzler der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin, Prof. Holger Lode und Prof. Klaus Hahnenkamp (beide UMG) und Prof. Tomasz Urasinski, Leiter der Klinik für Kinderheilkunde, pädiatrische Hämato-Onkologie und Gastroenterologie am Universitätsklinikum Nr. 1 der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin. Foto: Manuela Janke/UMG

05.10.17 · 

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Gestern wurde in Greifswald mit dem Startschuss für das erste Telemedizinisch integrierte, deutsch-polnische Kinderkrebszentrum ein neues Kapitel in der medizinischen Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Polen aufgeschlagen.

 

Auf einer gemeinsamen Veranstaltung in der Universitäts- und Hansestadt stellten die Projektpartner das Vorhaben erstmals öffentlich vor und unterzeichneten eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Das grenzübergreifende Kinderkrebszentrum soll Mitte 2019 seine Arbeit aufnehmen. Dafür wurden EU-Fördergelder in Höhe von knapp über 2 Millionen Euro aus dem INTERREG-Programm 5a beantragt.


Der demografische Wandel stellt die Kinderheilkunde in der Euroregion Pomerania bereits seit einiger Zeit vor enorme Herausforderungen. Weniger Kinder und das altersbedingte Ausscheiden praktizierender Kinderärzte führen zu einer geringeren Versorgungsdichte. Für kleinere Kliniken wird es zunehmend schwieriger, Fachärzte in der Kinderheilkunde, so auch Kinderonkologen oder Kinderhämatologen zu gewinnen. „Durch Telemedizin können spezialisierte Fachärzte an größeren Kliniken Kinderärzte oder Allgemeinärzte bei der Diagnose und der Therapieentscheidung unterstützen. Solche Schwerpunkteinrichtungen finden sich in der Euroregion Pomerania unter anderem an der Universitätsmedizin Greifswald sowie der Pommerschen Medizinischen Universität in Stettin“, erläuterte Projektleiter Prof. Holger Lode, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald.


„Insbesondere für schwer an Krebs erkrankte Kinder bieten diese beiden Einrichtungen diagnostische und therapeutische Möglichkeiten an, die woanders nicht zu finden sind. Mit unserem geplanten gemeinsamen Zentrum möchten wir allen Kindern der Region einen noch schnelleren Zugang zu den modernsten Therapien und damit zu besseren Heilungschancen ermöglichen.“ Darüber hinaus ist die Entwicklung und Durchführung einer grenzüberschreitenden Aus- und Weiterbildung sowie Forschung auf dem Gebiet der Kinderonkologie und der Aufbau eines deutsch-polnischen Expertenforums Kinderonkologie Teil des ambitionierten Konzeptes.


15 Jahre Erfahrungen in der Telemedizin
In den vergangenen 15 Jahren konnte bereits ein wohl einzigartiges, grenzüberschreitendes telemedizinisches Netzwerk aufgebaut werden, welches die Einrichtungen im Norden beider Länder miteinander vernetzt und die medizinische Versorgung in der Euroregion Pomerania verbessert hat. Unter Federführung der Universitätsmedizin Greifswald wurde auf dieser Grundlage mit Partnern der Pommerschen Universität Stettin mit ihrem Uniklinikum, des Kinderkrankenhauses der Jagiellonischen Universität Krakau und der Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH, welche stationäre und ambulante Einrichtungen in der Uckermark und im Barnim betreibt, der Projektansatz für ein deutsch-polnisches Zentrum für Kinderonkologie und -hämatologie entwickelt.


„Ein Novum wird die Möglichkeit sein, dass Patienten bis 18 Jahre mit Hilfe von Telekonsultationen unmittelbar vorgestellt werden“, sagte Professor Holger Lode. „Dies geht weit über den bisher praktizierten, regelmäßigen Austausch von bildgebenden Informationen bzw. persönliche Konsultationen der Fachärzte hinaus und wird zu häufigeren und kurzfristigeren Fallabsprachen führen. Für krebskranke Kinder bedeutet dies eine Verringerung der Zeit zwischen Diagnose und Therapie und damit eine deutliche Steigerung der Heilungschancen“, so der erfahrene Kinderonkologe.


Eine weitere Besonderheit ist die angestrebte gemeinsame Ausbildung von Medizinern. Medizinstudenten als auch bereits ausgebildete Ärzten sollen über Fragen der Kinderheilkunde und der Anwendung der Telemedizin aus- und weitergebildet werden. Darüber hinaus ist eine Abstimmung zu verbindlichen hohen Qualitätsstandards in der Kinderonkologie beabsichtigt.


„Das langfristige Ziel ist es, an beiden Einrichtungen Patienten aus Deutschland und Polen behandeln zu können und somit die Stärken der jeweiligen Einrichtung nutzen zu können“, betonte Lode. „Da derzeit unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen die grenzüberschreitende Behandlung von Kindern erschweren, werden die Partner ein Rechtsgutachten in Auftrag geben. Die Ergebnisse sollen in dem deutsch-polnischem Forum Kinderonkologie mit Vertretern aus Politik und Krankenkassen diskutiert werden, um im Interesse der krebskranken Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien unnötige Hindernisse in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit abzubauen.“

Quelle: Universitätsmedizin Greifswald


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