Health-IT

Veranstaltungen bleiben oft unkonkret

07.03.17 · 

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Beim Thema Gesundheits-IT jagt derzeit ein Event das nächste. Die Bertelsmann-Stiftung hat sich die Inhalte von 120 Veranstaltungen etwas genauer angesehen. Sie findet häufig ähnliche Referenten und vermisst konkrete Konzepte.

 

Insgesamt haben die „Bertelsmänner“ über 120 Digital Health-Veranstaltungen des Jahres 2016 ausgewertet. Das Vorurteil, wonach zwar ständig über Datenschutz, viel seltener dagegen über die Chancen der Datennutzung im Gesundheitswesen gesprochen werde, kann die Auswertung nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Die analysierten Vortragstitel sprechen im Gros für eine chancenorientierte Grundhaltung, seltener werden Risiken betont.“

 

Konkret sprachen 510 von 1128 Vortragstiteln für eine bevorzugte Betonung der Chancen. 572 Vortragstitel wurden als neutral eingestuft. Und nur 46 thematisierten schon im Titel primär die Risiken. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die quantitative Analyse der Schlagworte in den Vortragstiteln. Neben generischen Begriffen wie Digitalisierung stehen inhaltlich die Begriffe Patient und Daten klar im Vordergrund. Der Datenschutz ist in den Vortragstiteln ein Randthema.


Show-Business mit Lücken: Praktiker kommen selten zu Wort

Inhaltlich wurde von den Vorträgen naturgemäß eine breite Palette an Themen abgedeckt. Mit 242 von 1128 Vorträgen am häufigsten vertreten war der Informationstransfer zwischen Leistungserbringen, also die Telematik im engeren Sinne vom elektronischen Arztbrief bis zur ePatientenakte. Nur etwa jeder dritte dieser Vorträge handelte von konkreten Konzepten zur Umsetzung. Die Mehrheit bewegte sich zumindest was die Vortragstitel angeht auf der Metaebene.

 

Ähnlich bei anderen Themen. Vorträge zum Informationszugang und zum Selbstmanagement von Patienten diskutieren nur in etwa einem Viertel der Fälle konkrete Umsetzungsszenarien. Beim Thema Forschung, Diagnostik und Therapie mit aggregierten Gesundheitsdaten ist es ganz ähnlich. Günstiger sieht es dagegen im Themenfeld Onlinekonsultationen und Tele-Monitoring aus. Hier sind Praxisbeispiele und Implementierungsszenarien in etwa der Hälfte der Vortragstitel erkennbar.

 

And the winner ist: Markus Müschenich

Dass die Anwendung von Health-IT-Lösungen in der täglichen Praxis im Show-Business der Digital Health-Veranstaltungen eher untergeht, zeigt auch die Referentenanalyse. Akteure aus der Praxis kommen vergleichsweise selten zu Wort. Viel häufiger sind Akteure aus der Selbstverwaltung, Berater und Wissenschaftler.

 

Tatsächlich haben die Analysten der Bertelsmann-Stiftung sogar eine kleine Rangliste der beliebtesten Referenten erstellt. Ganz oben auf dem Treppchen landet Markus Müschenich von Flying Health bzw. Bundesverband Internetmedizin, dicht gefolgt von Franz-Joseph Bartmann, Bundesärztekammer und auf Rang drei Alexander Beyer, gematik. Danach kommt mit Britta Böckmann die erste Wissenschaftlerin. Arno Elmer, Alexander Schachinger und Oliver Schenk folgen auf den Rängen fünf bis sieben.

 

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


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