ePA (wieder) auf der Tagesordnung

Hans Peter Bröckerhoff

 

Die Diskussion um die notwendige und längst überfällige Einführung der elektronischen Patientenakte ist schon alt und war für längere Zeit eher leise geworden. Jetzt scheint diese Diskussion um die eAkte, deren Umsetzung auch im E-Health-Gesetz gefordert wird, wieder in Gang zu kommen. 

 

Auf einer Pressekonferenz am Vorabend der conhIT stellten bvitg und CompuGroup die von ihnen gemeinsam beauftragte Studie „Effizienzpotentiale durch eHealth“ vor (siehe: http://e-health-com.de/details-news/analysten-ehealth-vernetzung-spart-39-milliarden-euro-pro-jahr/af918c01b648933198704cd9e0b071a6/). Für mich waren an dem Abend zwei Aspekte besonders spannend. Der erste war die Nennung einer konkreten Zahl. Es wird erstmals ein Effizienzpotenzial (ca. 39 Milliarden) konkret in Euro pro Jahr beziffert. Auch wenn die genaue Höhe der Zahl und die Methoden, sie zu errechnen, sicherlich Diskussionen hervorrufen können und das auch in der Pressekonferenz schon getan haben, ist die Nennung einer konkreten Zahl doch ein deutlicher Fortschritt gegenüber der bisherigen, eher allgemeinen Nutzendiskussion. Die Dimension des Nutzens von eHealth kann damit besser erfasst und bewertet werden. Und sie kann – vor allem im politischen Raum – wirksamer diskutiert werden.


Der zweite Aspekt war die Betonung der Einführung der elektronischen Patientenakte als einer wesentlichen Bedingung zur Realisierung der errechneten Effizienzpotenziale. Dieser Aspekt weckte bei mir Erinnerungen an eine andere Pressekonferenz. Die fand vor bald sechs Jahren unter Anwesenheit der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens statt und hatte ebenfalls die Vorstellung einer Art Studie (der als Broschüre vorgelegten Ergebnissse eines Arbeitskreises) zum Anlass. Der Titel des Dokuments war: „Elektronische Akten im Gesundheitswesen – Nutzen, Ausprägungen und Datenschutz“.


Die Ministerin nannte „die einrichtungsübergreifenden elektronischen Aktensysteme“ das „Herzstück einer zukunftsorientierten Kooperation und Kommunikation im Gesundheitswesen“ und betonte, dass das vorgestellte „Dokument an sich bereits einen Meilenstein darstellt, denn es bietet die Chance, dass zukünftig alle maßgeblichen Akteure abgestimmt und koordiniert an praktikablen Lösungen arbeiten.“ Schon damals, vor mehr als einem halben Jahrzehnt, schien nicht mehr die weitere Diskussion der eAkte vorrangig zu sein, sondern die Arbeit an der flächendeckenden Einführung. Und heute? Da muss diese Einführung der elektronischen Gesundheitsakte wieder, oder besser, immer noch als Forderung formuliert werden. Eigentlich ein Armutszeugnis.


Wie überfällig die elektronische Patientenakte ist, macht ein Blick nach Österreich deutlich. Dort hat man von vornherein auf dieses zentrale, inhaltlich vernetzende Instrument gesetzt und dieses mit der, ELGA genannten, nationalen Akte auch umgesetzt. Dort ist die elektronische Patientenakte nicht mehr Forderung. Dort wird sie heute schon genutzt – zwar noch nicht ganz flächendeckend, aber der Rollout ist schon sehr weit vorangeschritten. Wir haben mit E-HEALTH-COM beide Diskussionen, die um die ePA in Deutschland und die um die ELGA in Österreich, über Jahre begleitet. Und immer, wenn ich in diesen Jahren in Österreich wieder eine Präsentation über den Fortschritt der ELGA-Entwicklung hören konnte, ging mir durch den Kopf, dass unser kleines Nachbarland die Sache wohl irgendwie cleverer und pragmatischer eingestielt hat.


Aber, was soll’s? Lamentieren bringt nichts. Zumal das  Thema eAkte ja offensichtlich auch in Deutschland wieder ganz oben auf der Tagesordnung steht. Nicht nur bei der Gesundheits-IT-Industrie, wie die Forderung in der eingangs erwähnten Studie zu den Effizienzpotenzialen zeigt, sondern auch in der Politik. Ein sehr schönes Zeichen dafür ist der Workshop „Die ePA kommt! Ist das deutsche Gesundheitswesen bereit?“ auf der conhIT, zu dem der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Heidenblut nicht etwa als Diskutant eingeladen worden ist, sondern zu dem er selbst eingeladen hat – weil ihm die Diskussion zum Thema persönlich und politisch so wichtig war, dass er sie gerne aktiv mit vorantreiben wollte.

 

Hans-Peter Bröckerhoff ist Herausgeber des Magazins E-HEALTH-COM.



Kommentare

Monika Schnittmeier, 28-06-17 10:58:
Sehr geehrter Herr Bröckerhoff, eine spannende Einsicht, die Sie in dem Artikel bieten.
Aber: Auch Sie differenzieren nicht sauber zwischen der elektronischen Patientenakte und der Gesundheitsakte. Ein grundlegender Fehler, handelt es sich doch um zwei völlig unterschiedliche Konzepte. Während die Elektronische Patientenakte (EPA) nur von Ärzten oder Kliniken verwaltet werden soll, entscheidet bei der EGA der Patient (!), welche Daten gespeichert werden und wer sie einsehen darf. S. dazu auch http://www.pharma-relations.de/personen/interviews/201eganz-simpler-datenaustausch201c-3422.html

Kommentare

Marius Greuèl, 09-07-17 11:22:
Sehr geehrte Frau Schnittmeier, gut dass Sie das so genau festgestellt haben, Sie haben recht und wird leider häufig verwechselt, bedauerlich, da die gesetzliche Grundlage zur freiwilligen Einführung im § 68 lange Jahre bestand und nun über das Patientenfach der ePA realisiert werden soll. Vermutlich ist das Missverständnis von Hr. Bröckerhoff im Bericht durch den Verweis von das Beispiel der ELGA aus Österreich passiert.
Viele Grüße M. Greuèl




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