Videosprechstunde – Sind Ärzte bei einer Fernbefundung per Videosprechstunde eigentlich auf der rechtlich sicheren Seite?

Prof. Dr. Dr. Christian Dierks

 

Seit Erfindung des Fernsprechers telefonieren Patienten mit Ärzten. Wird diese Kommunikation um optische Echtzeit-Korrelate ergänzt, erhöht dies Informationsdichte und Sorgfalt. Dennoch: Telekommunikation, mit oder ohne Video, darf nicht zu einem diagnostischen Defizit führen. Ob diese Gefahr besteht, entscheidet der Arzt nach eigenem Ermessen. Er schuldet den Facharztstandard, der es gebieten kann, in bestimmten Fällen den persönlichen Kontakt vorzuziehen.

 

Genauso kann es aber auch ausreichend sein, aus der Ferne zu diagnostizieren und zu therapieren. Die KBV setzt die begonnene Behandlung für die Videosprechstunde ab April voraus, sie darf nicht für unbekannte Patienten eingesetzt werden. Auch muss eine schriftliche Einwilligung vorliegen. Ich vermute, damit ist Papier gemeint. Dies mag aus vertragsarztrechtlicher Sicht praktisch sein, um mit  Versichertenstammdaten systemkonform abzurechnen. Auch berufsrechtlich ist dies, nach meiner Auffassung verfassungswidrigerweise, immer noch geboten.

 

Aus haftungsrechtlicher Sicht ist es jedoch nicht zwingend. Auch jetzt dürfen unbekannte Patienten in der Praxis anrufen, ihre Symptome schildern und fragen, ob sie sofort oder am Montag in die Sprechstunde kommen sollen. Warum sollte das mit Video verboten sein? Angebote aus dem Ausland werden diese Lücke schlicht und ergreifend füllen.


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