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Interoperabilität: Geht das in einem föderalen System?

Auch wenn ich mit einer direkten Antwort vielleicht dem ein oder anderen die Spannung wegnehme: Ja klar! Die Frage ist nur wie?

Nehmen wir ein fiktives Beispiel aus dem Infektionsschutz: Es soll in allen Bundesländern eine Reihe Diagnosen gemeldet werden, die für alle gleich ist. Jetzt ist aber Hamburg an der Meldung von Vogelspinnenbissen interessiert, während Bayern Zeckenbisse gemeldet haben möchte. In einem föderalen System wäre das zulässig.

Aber wieso darf jetzt jedes Gesundheitsamt komplett selbst festlegen, wie es eine solche Meldung haben möchte, welche Inhalte, welche Datenformate, welchen Transport? Muss das sein? Lassen sich die genannten Forderungen nicht verwirklichen, ohne dass jeder alles darf? Ja, das geht! Das Zauberwort lautet „Profile“: Alle Bundesländer benutzen dasselbe Transportverfahren, das gleiche Informationsmodell und die dieselbe Formatvorgabe. Der einzige Unterschied in unserem Beispiel wäre die Wertemenge, also die Liste an Codes, die die Diagnosemeldungen repräsentieren. Diese Wertemenge oder „Value Set“ würden wir in der gemeinsamen Vorlage als „offen“ deklarieren und gleichzeitig alle Werte aus der Basisliste als verpflichtend markieren. Damit hat jedes Bundesland die Chance, die Liste gemäß eigener Erfordernisse zu erweitern, ohne dass jeweils mit erheblichem Aufwand eine eigene Spezifikation erarbeitet werden muss. Das spart dem Bundesland Kosten und den Herstellern Aufwand. Das gleiche Verfahren lässt sich auch bei Zusatzdaten anderer Art anwenden.

Datenaustauschspezifikationen sind komplex und bestehen aus mehreren Dimensionen und Ebenen. Auf diese Weise erhält man am Ende eine Hierarchie von Profilen und Profilkomponenten, die für bestimmte Szenarien eingesetzt und wiederverwendet werden können. Idealerweise definiert man einen Sachverhalt nur einmal. Was kann es im Gesundheitswesen für einen Grund geben, bundeslandspezifische Spezifikationen zu entwickeln? Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken.

Zurück zu unserem Beispiel. Wenn ein Bundesland an einem bestimmten Sachverhalt ein Interesse hat, dann könnte das auch auf ein anderes zutreffen. Dann wiederum würde es durchaus Sinn machen, sich gemeinsam an die Arbeit zu machen.

Aber vielleicht kommt das ja noch irgendwann. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Dr. Frank Oemig, FHL7
HL7 International Affiliate Director, IHE-D ITI Caretaker, Leiter bvitg AG Interop