Notizblog # 2

Mix-it, Baby.

Wer die Tage das Interview mit Sigrid E. Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), in der Süddeutschen Zeitung gelesen hat, war sicherlich ein wenig überrascht. Ähnlich überrascht sind Sie womöglich jetzt darüber, dass ein eHealth-Blog ausgerechnet mit Nahverkehr und Berlin startet. Vermutlich rechnen Sie mit Chaos, Gestrigkeit, Inkompetenz? So gesehen könnte es tatsächlich Parallelen zum Thema eHealth in Deutschland geben.

Doch ich möchte auf etwas ganz anderes hinaus: Frau Nikutta zeichnet das Bild eines mobilen Miteinanders für die Zukunft mobiler Kunden. Es geht ihr nicht um ein BVG-Monopol im Stadtverkehr. Auch seien die BVGler weder die besseren Bushersteller, noch betrieben sie eine Fahrrad-Manufaktur. Sigrid Nikutta sieht den Schlüssel zukunftsorientierter Mobilität in einem Kompetenz- und Technologie-Mix.

Wie im Gesundheitswesen steht auch im Nahverkehr der gemeinschaftliche, zielorientierte Prozess im Mittelpunkt: die Bündelung von Menschen mit einem gemeinsamen Weg. Hier ist es das Zusammenspiel von öffentlichem Nahverkehr, Mitfahr-Modellen und Anbietern von Bike- oder Carsharing bis hin zum autonomen Fahren. Dort sind es die gemeinsam in einer Behandlungskette Arbeitenden. Auf Augenhöhe – und mithilfe neuer Technologien/ Apps, die das Miteinander ein wenig reibungsloser fördern können.

Es hat etwas Verheißungsvolles, zu überlegen, dass sich ein zukünftiges Gesundheitswesen an der Lebenswelt der Patienten, ach, von mir aus nennen wir sie ruhig Kunden, orientiert und sich eine Art des gestaltenden Pragmatismus auf eine sektorübergreifende Versorgung übertragen ließe. Das wiederum hieße, Eitelkeiten der einzelnen Gewerke ablegen, Kompetenzen anerkennen, neue Wege ausprobieren – einzig und allein einem Ziel verpflichtet: patientenorientierte Gesundheitsversorgung.

Der Patient selbst hat sich schon auf seinen eigenen, digitalen Weg gemacht. Er ist informiert und informiert darüber, ob er sich an seinen Behandlungsplan hält und wie er seinen aktuellen Zustand bewertet. Er ist bereit zu teilen, nicht nur für die eigene, auch für die Gesundheit anderer.

Fehlen also nur noch Krankenhäuser, Ärzte, Krankenkassen und die Politik ...

Hoffen wir einfach, dass sich die Medizin ein bisschen in Richtung Nahverkehr verändert. Frau Nikutta sagt, dass die Menschen gewonnen werden müssen. Dann bekäme man auch die Technik in den Griff.

Claudia Dirks
Freie Journalistin, Berlin