Veranstaltungsberichte

DVMD-Fachtagung 2017
22. – 25. März 2017

Auf dem Weg zur Medizin 4.0

 

Zur 14. Tagung des Fachverbandes für Dokumentation und Informationsmanagement in der Medizin (DVMD) kamen Ende März rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Dresden zusammen. Das Motto „Kernkompetenz Medizinisches Informationsmanagement“ bündelte Vorträge und Workshops aus allen Tätigkeitsbereichen – der klinischen Dokumentation, der Qualitätssicherung, der Tumordokumentation, der klinischen Studien und allgemein des Informationsmanagements in der Medizin. Daneben standen Experten- und Erfahrungsberichte, Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie spannende aktuelle Themen in Richtung Digitalisierung und E-Health auf dem Programm – navigierbar erstmalig auch auf einer Tagungs-App.

 

Katharina Thorn, langjährige DVMD-Vorstandsvorsitzende, begrüßte die Teilnehmer im Großen Saal des Quality Hotels mit den Worten „Was nicht dokumentiert ist, hat nicht stattgefunden“. Sie appellierte, dass trotz allen Wandels in der Leistungserbringung der letzten Jahre die Dokumentation extrem wichtig sei – im Vordergrund solle jedoch die Medizin stehen, nicht die Bürokratie.

 

In seiner Keynote „Dokumentieren wir uns zu Tode?“ erklärte Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Schaser, wie sich das Bild des Arztberufes durch Dokumentationsaufwand und Ökonomisierung gewandelt habe. Neben den ursprünglichen Aufgaben z.B. eines Arztes an einem Universitätsklinikum – Patientenversorgung, Forschung und Lehre – kommen mehr, auch fachfremde, bürokratisch-administrative Aufgaben hinzu. Beispielsweise sind seit der Einführung des DRG-Systems, das eine exakte Verschlüsselung von Diagnosen und Eingriffen erfordert, Ärzte vielerorts für die Kodierung verantwortlich. Häufig sind sie mit den  Kodierungsrichtlinien nicht ausreichend genug vertraut. Eine mögliche Lösung sieht Prof. Dr. Schaser in der interprofessionellen Zusammenarbeit, beispielsweise über gemeinsame Visiten, an denen Ärzte und Medizinische Dokumentare teilnehmen.

 

Treffend fasste Prof. Dr. Paul Schmücker in seiner Session „Gegenwart und Zukunft der Informationsverarbeitung im Gesundheitswesen“ zusammen, dass sich durch Apps, e-Health und Big Data alles Althergebrachte grundlegend ändere. So blieben lebenslanges Lernen und Weiterbildung zentrale Herausforderung aller im Gesundheitswesen Tätigen.

 

Einen Überblick über die historische Entwicklung von Good Clinical Practice (GCP) und den aktuellen Zustand mit Fokus auf die Europäische Union vermittelte Dr. Dagmar Chase in der Keynote des zweiten Tages. GCP dient dem Schutz der Teilnehmer an Studien und soll alle Schritte nachvollziehbar machen. Eine neue und einheitliche EU-Verordnung (EU Clinical Trials Regulation 536/2014) soll zu verbesserter Qualität in der Arzneimittelforschung bei gleichzeitig vereinfachter Administration führen. Dabei geht es zum einen um den risikobasierten Ansatz zur Minimierung von Fehlern; zum anderen soll die „GCP Renovation“ andere Studiendesigns ins Auge fassen und diese mit weiteren Daten aus Patientenakten, Registern und der „Real World“ anreichern.

 

 

 

Vier junge Dokumentare und Nachwuchswissenschaftler wurden für ihre innovativen und zugleich fundierten Poster bzw. wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet: Michel Reinhard (Schule für Medizinische Dokumentation Gießen), Verena Schöning (Hochschule Ulm), Annika Eschen (Hochschule Hannover) und Pablo Plöchl.

 

Im Frühjahr 2018 bringt das 2. DVMD-Frühjahrssymposium in Köln ein Update zum Thema „Klassifikationen und Gesundheitsstatistik“. Die nächste Fachtagung ist für 2019 geplant.

 

Quelle: Fachverband für Dokumentation und Informationsmanagement in der Medizin (DVMD)