Veranstaltungsberichte

Fachsymposium „Dunkelverarbeitung in der Krankenversicherung“
14. November 2016

Prozessautomatisierung dank Industrialisierung 4.0 - Und nun?

 

Das Potential zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung der Unternehmensprozesse ist besonders durch die neuen technischen Möglichkeiten exponentiell gewachsen. Die Sachbearbeitung durch den Menschen kann mittlerweile vollkommen oder zumindest teilweise durch maschinelle Bearbeitung ersetzt werden und im Hintergrund ablaufen. Die Vorteile dieser Dunkelverarbeitung sind offensichtlich: Reduktion menschlicher Fehler, mehr Transparenz und Vergleichbarkeit sowie eine erhöhte Servicequalität. Welche Chancen und Lösungsansätze bei der Prozessautomatisierung im Fokus stehen, erörterten die Teilnehmer des Fachsymposiums „Dunkelverarbeitung in der Krankenversicherung“, welches am 14. November 2016 bei den Gesundheitsforen Leipzig stattfand. Dabei kamen unterschiedlichste Akteure der Gesundheitsbranche zu Wort und zeigten auf, wie jeweils am Thema gearbeitet wird.

 

Systemische Prozesskomplexität reduzieren
Die vierte industrielle Revolution ist angesichts einer sich rasant entwickelnden Welt auch für die Akteure des Gesundheitswesens unumgänglich geworden. Schließlich generieren die neuen technischen Möglichkeiten eine solch immense Wissensmenge, die ohne Spezialisierung nicht mehr beherrschbar ist. Nicht nur hohe technische Komplexität sondern auch die Vielzahl neuer Kommunikationswege sind Fluch und Segen zugleich. Die Schwierigkeit sieht Dr. Holger Rommel vom Schweizer Softwareentwickler Adcubum in der systemischen Prozesskomplexität, die nicht integrierbar ist. Die Lösung besteht in der Prozessautomatisierung, die auch als Dunkelverarbeitung bezeichnet wird. Bestehendes Wissen kann so in maschinelle Verarbeitungsprozesse eingegeben und komplett und ohne menschliche Unterstützung weiterverarbeitet werden. Neben Komplexitätsreduktion besteht so ein erhebliches Kosteneinsparungspotential.


Damals und Heute
Die Techniker Krankenkasse legt auf das Konzept der Dunkelverarbeitung ein besonderes Augenmerkt, um die knapp zehn Millionen Versicherten effizient managen zu können. Thomas Kainer, Fachreferent im Fachbereich Organisation und Prozesse bei der TK, erinnerte sich an die Zeit vor zehn Jahren, in der man schlicht noch nicht auskunftsfähig war, wenn Kunden über den Bearbeitungsstand von eingereichten Dokumenten informiert werden wollten. Mit dem intelligenten Bearbeitungsprogramm von Kundenanfragen „TK iPost“ löste man dieses Problem und steigerte zudem die Servicequalität. Die Evaluation weiterer Dunkelverarbeitungspotentiale ist deshalb im Gange, um die Prozessautomatisierung auch auf anderen Kommunikationskanälen voranzutreiben.


Große Kosteneinsparungspotentiale in der Kundenkommunikation
Im Bereich der Kundenkommunikation besteht kassenübergreifend aber noch großer Optimierungsbedarf. Gerade im Vergleich zu den privaten Krankenversicherern sind die gesetzlichen Kassen stark in das „rechtliche Korsett“ eingebunden, was die Handlungsschnelle im Vergleich empfindlich verringert, so Kay-Michael Schülzke von der DAK-Gesundheit während einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Fachsymposiums. Hierin wurde auch deutlich, dass die Dokumentenlastigkeit in der Kundenkommunikation immer noch stark ausgeprägt ist. Zudem wies Schülzke auf die Besonderheit der Themen Gesundheit bzw. Krankheit hin, in denen die Menschen bei der Nutzung mobiler Devices vorsichtiger sind und noch immer den persönlichen Kontakt favorisieren. Das macht eine fortwährende Prozessautomatisierung aktuell schwierig. Die stärkere Verbindung von Dunkelverarbeitung und anderen Kanälen (Online, App) ist also eine der Baustellen, die es zu bearbeiten gilt und die der Gesetzgeber bisher auch mit dem umstrittenen E-Health-Gesetz nicht schließen konnte. Gerade im Ausbau der App-Nutzung oder mailbasierter Kommunikation bestehen angesichts von Portokosten im zweistelligen Millionenbetrag bei den gesetzlichen Krankenkassen große Möglichkeiten zur Kostenreduktion.


Maschinelle Leistungsabrechnung, Apps & Co.

Dabei schlummern derart große technische Potentiale am Markt, die eine ressourcensparende Kundenkommunikation ermöglichen. Dr. Tom Albert, Geschäftsführer der Meine-Gesundheit-Services GmbH stellte Lösungsansätze in den Bereichen digitales Rechnungs-, Leistungserbringungs- und Medikamentenmanagement vor, die es den Kunden im Rahmen einer App ermöglichen, Rechnungen direkt und komfortabel zu erfassen und an die PKV einzureichen sowie Leistungsabrechnungen der PKV einzusehen. Auch Susanne Vogt, Release- und Changemanagerin HA IT-Services bei der Barmenia Krankenversicherung a.G., zeigte Möglichkeiten auf und stellte unter anderem die maschinellen Leistungsabrechnung der Barmenia vor, die die Belegtypen Rezepte, Apothekenquittungen, Arztrechnungen und Heilpraktikerrechnungen automatisch abarbeitet und im Falle von ausschließlich bekannten Belegen komplett und sonst teilweise dunkelverarbeitet.


Es gibt also bereits vielversprechende Ansätze auf dem Markt. In Zukunft wird es insbesondere darauf ankommen, ein optimales Zusammenspiel zwischen klassischen Dokumenten und Dunkelverarbeitung in Fachsystemen zu finden. Auch kassenübergreifende Strategien dürften hierbei allen Beteiligten helfen und eine schnelle und bessere Kundenkommunikation ermöglichen.

 

Quelle: Gesundheitsforen Leipzig