Deutschland kriegt sein eRezept

Foto: © TeleClinic

30.01.18 · 

Kein Witz: Ab Februar gibt es in Deutschland erstmals eRezepte zumindest für Privatpatienten. Im Laufe des Jahres soll es dann auch für die GKV so weit sein. Wo und wie verrät Katharina Jünger, CEO von TeleClinic, im Interview mit E-HEALTH-COM.

 

Sie haben seit Ende 2017 zwei Genehmigungen für Modellprojekte mit Tele-Erstkontakt. Wie ist der Stand?
PKV-Patienten von Debeka und Barmenia können seit Januar unsere telemedizinische Beratung inklusive Diagnose in Anspruch nehmen. Ab Februar können Rezepte ausgestellt werden – die ersten rechtsgültigen Online-Rezepte in Deutschland. Das Projekt der KVBW startet im April. Hier schulen wir derzeit die MTAs, die in dem Servicecenter der KV als erste Anlaufstelle fungieren werden. Wir rekrutieren außerdem die Allgemeinärzte, an die die MTAs die Patienten bei Bedarf weitervermitteln. Das läuft gut, es gibt schon annähernd 100 Interessenten. Im GKV-Projekt wird es anfangs noch kein Rezept geben; wir hoffen aber, dass wir das bis Mitte oder Ende des Jahres dann auch anbieten können.


Wie funktioniert das genau mit dem Rezept?
Der Arzt erstellt ein Online-Rezept mithilfe einer qualifizierten elektronischen Signatur und weist sich dabei gleichzeitig als Arzt aus. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, entweder chipkartenbasiert mithilfe des elektronischen Arztausweises der Ärztekammern oder über eine ebenfalls rechtsgültige Cloud-Variante ohne Chipkarte. Wurde das Rezept erstellt, kann der Patient, der sich über Browser oder über eine App an TeleClinic wendet, eine Apotheke auswählen, die in seiner Nähe ist und die onlinefähig ist. Hierzu kooperieren wir mit dem Portal Apotheken.de des Deutschen Apotheker Verlags, das eine sichere Online-Verbindung in derzeit 7 000 Apotheken umgesetzt hat. Wir nutzen also die Offizin-Apotheken, keine Versandapotheken. Das hilft auch bei der Akzeptanz.


Wie umgehen Sie die Lex DrEd im §48 AMG?

Grundsätzlich dürfen Apotheken in Deutschland weiterhin keine Rezepte von Online-Ärzten bedienen. Das Sozialministerium in Baden-Württemberg hat uns eine Ausnahmegenehmigung erteilt.


Telemedizinischer Erstkontakt war in Deutschland jahrzehntelang ein „No-Go“. Welche Reaktionen bekommen Sie?
Wir bieten ja die ärztliche Beratung ohne Diagnose und Rezept schon seit ein paar Jahren an, und in dieser Zeit hat sich viel verändert. Anfangs war der Tenor oft sehr negativ, das hat sich aber völlig gedreht, sodass ich mittlerweile sogar glaube, dass der Deutsche Ärztetag im Mai die Musterberufsordnung ändern könnte. Wir werden nie 100 Prozent Zustimmung bekommen, aber im Moment sind eindeutig mehr als 50 Prozent für solche Projekte. Leute, die „Weltuntergang“ rufen, wird es immer geben.

 

Das Interview führte Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM

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