Telemedizin

Erste Ergebnisse des Projekts "Mobiles Tele-Augenkonsil" veröffentlicht

22.09.16 · 

Unsere Leser sind nach Lesen des Beitrags zu 50%

Das innovative Projekt zur Verbesserung der augenärztlichen Versorgung in Alten- und Pflegeheimen „Mobiles Tele-Augenkonsil (MTAU)“ neigt sich dem Ende zu. Dies hat das Projektkonsortium zum Anlass genommen, bereits die ersten Ergebnisse auszuwerten.

Mit dem Projekt „Mobiles Tele-Augenkonsil (MTAU)“ will das Konsortium, bestehend aus dem Augenarzt Dr. Manfred Westhoff, dem Tele-Ophthalmologischen Institut (TOI) und der Bayerischen TelemedAllianz (BTA), erforschen, ob eine mobile Netzhautuntersuchung mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) und dadurch eine Früherkennung einer behandlungsbedürftigen Makuladegeneration möglich ist. „Mit einer eingehenden mobilen Untersuchung der Augen vor Ort wollen wir ernsthafte Augenerkrankungen und schwerwiegende Sehminderungen verhindern“, erklärt Prof. Dr. Georg Michelson, Leiter des TOI. Durch die OCT können grundlegend neben der Sehschärfe der Augeninnendruck, der Augenvorderabschnitt und der Augenhinterabschnitt dokumentiert und von einem Augenarzt befundet werden. Neuer Ansatz im Rahmen des Projektes ist aber auch, dass die in den Alten- und Pflegeheimen erhobenen Untersuchungsdaten mittels telemedizinischer Standards zur anschließenden Befundung übertragen werden können. Darüber hinaus werden die Befundungsdaten in einer elektronischen Patientenakte gespeichert und so den jeweils behandelnden Augenärzten unkompliziert zugänglich gemacht.

Projektanlass sind vor allem die aufgrund der zukünftig sinkenden Ärztezahl entstehenden neuen Herausforderungen an das Gesundheitswesen. Dies macht sich speziell im ländlichen Raum im Bereich der fachärztlichen Versorgung von Alten- und Pflegeheimen schon heute bemerkbar. „Schätzungen zufolge soll es alleine in Bayern bis zum Jahr 2020 zu einer Versorgungsabnahme im Bereich der Augenärzte von ca. 11 % kommen. Darüber hinaus führt die veränderte Altersstruktur der Patienten zu einer Zunahme von pflegebedürftigen Personen. Die Folge ist eine regional unterschiedlich stark ausgeprägte Unterversorgung im augenärztlichen Bereich“, so der in Kösching ansässige niedergelassene Augenarzt und Projektträger Dr. Manfred Westhoff. Die 2005 veröffentlichte „Studie zur ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen“ zeigte, dass bereits zum damaligen Zeitpunkt eine defizitäre augenärztliche Versorgung von Alten- und Pflege vorlag. Aus der Studie ging hervor, dass 32% der Pflegeheime überhaupt nicht augenärztlich betreut werden. 62% der Personen mit einer Pflegestufe wünschten sich zum Zeitpunkt der Befragung eine häufigere augenärztliche Untersuchung. Die Zahlen konnten auch gut zehn Jahre später jüngst durch eine Studie der Universitäts-Augenklinik Würzburg und der Blindeninstitutsstiftung belegt werden. In dieser wurden insgesamt 203 Bewohner von Seniorenheimen (119 Frauen und 84 Männer im Alter zwischen 55 und 101) untersucht. Es zeigte sich, dass 21,7 % der Bewohner akut behandlungsbedürftige ophthalmologische Befunde aufwiesen. Darunter befanden sich unter anderem Glaukom (12,3 %), Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) trocken (22,2 %) und AMD feucht (3,4 %). Die Studienergebnisse lassen erneut die Schlussfolgerungen zu, dass Bewohner von Alten- und Pflegeheimen nicht ausreichend augenärztlich untersucht und daher mögliche reversible Augenerkrankungen nicht rechtzeitig behandelt werden.

Die Ergebnisse zum derzeitigen Stand des Projektes MTAU zeigen nach 126 Untersuchungen von Alten- und Pflegeheimbewohnern ähnliches. Von den untersuchten Bewohnern wiesen 20,5 % eine altersbedingte Makuladegeneration, 10,2 % eine glaukomatöse bzw. einfache Opticusatrophie und 11,8 % einen Drusen auf. Es konnte zum einen so bereits jetzt bewiesen werden, dass eine mobile Netzhautuntersuchung mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) sehr wohl eine Früherkennung einer behandlungsbedürftigen Makuladegeneration ermöglicht und dass diese frühzeitige Untersuchung in regelmäßigen Abständen dringend notwendig ist.

„Die ersten Ergebnisse des Projektes zeigen eindrücklich, dass wir mit unserem Ansatz genau auf dem richtigen Weg sind. Gemeinsam mit den Augenärzten wollen wir nun daran arbeiten, die bisherigen Behandlungsabläufe zu optimieren, um für alle am Prozess Beteiligten eine möglichst hohe Effizienz zu erzielen und den Bürgern eine optimale medizinische Versorgung gewährleisten zu können“, betont Prof. Dr. med. Siegfried Jedamzik, Geschäftsführer der Bayerischen TelemedAllianz.


Die etwas andere Befragung: Wie ist Ihr Gemütszustand, nachdem Sie diesen Beitrag gelesen haben?
Übermittlung Ihrer Stimme...