Telemedizin

Hessen fördert fünf eHealth-Innovationsprojekte

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10.12.18 · 

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Der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner stellte heute (10.12.) die ersten fünf vom Land geförderten Innovationsprojekte im Rahmen der E-Health-Initiative Hessen vor.

 

„Eine zukunftsfeste und weiterhin wohnortnahe, qualitativ hochwertige Versorgung ist eine der großen Zukunftsaufgaben. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bietet eine große Chance, da sie bestehende Versorgungsangebote unterstützt, sehr schnell medizinisches Fachwissen zu den Menschen bringt und Distanzen überbrücken kann. Damit ist sie ein Schlüssel zu einer weiterhin wohnortnahen Versorgung. Mit dem Landesprogramm zur Förderung von Innovationsprojekten in Telemedizin und E-Health stellt die Hessische Landesregierung seit diesem Jahr mit rund 6 Millionen Euro so viel Geld wie noch nie für die Digitalisierung des Gesundheitswesens zur Verfügung“, betonte Grüttner. „Wichtig ist zu vermitteln, dass Telemedizin den Menschen nicht ersetzen kann oder soll. Sie ist immer nur eine sinnvolle Brücke und Unterstützung“, ergänzte Grüttner. „Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Im Mittelpunkt der E-Health-Initiative steht der Mensch, die Technologie ist das Mittel zum Zweck. Daher stehen Patientennutzen und der Datenschutz immer im Mittelpunkt“, hob der Gesundheitsminister hervor.

 

Bei der Förderung wird das Hauptaugenmerk darauf gelegt, ob die Projekte unmittelbar die Qualität der Patientenversorgung erhöhen, die Versorgungsketten nachhaltig optimieren und in welchem Maße die neue Technik direkt dem Patienten zu Gute kommt.

 

Folgende fünf Projekte wurden bislang ausgewählt:


1. Etablierung und gesundheitsökonomische Evaluation einer telemedizinischen Epilepsieversorgung in Hessen (Epilepsie-Netz Hessen Evaluation)

Seit 2017 fördert das Land das Projekt „Etablierung und gesundheitsökonomische Evaluation einer telemedizinischen Epilepsieversorgung in Hessen“ der Goethe-Universität Frankfurt. Mit dem Projekt wird die Expertise, die im Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main vorhanden ist, durch die Bereitstellung telemedizinischer Konsile in die Fläche gebracht. Verspätete Diagnosestellungen und Therapieeinleitungen, Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen werden minimiert. Das Land wird dieses Projekt in den Jahren 2017 bis 2020 mit insgesamt rund 380.000 Euro fördern. Ab 2019 wird das Projekt durch den Einschluss der Neuropädiatrie sowie dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg ausgeweitet und die Mittel auf etwa 730.000 Euro aufgestockt. Durch die Anbindung der beiden neuen Projektpartner gelingt in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Neurologen eine flächendeckende Epilepsieversorgung in Hessen.

 

2. Telemedizin im Rettungsdienst Mittelhessen, (Telenotärztliche Unterstützung im Rettungsdienst per Videokonsultation)

Mit der Förderung dieses Rettungsdienst-Piloten unterstützt die Landesregierung aktiv die Einführung von Telemedizin im hessischen Rettungsdienst. Mit dem Projekt der Landkreise Marburg-Biedenkopf und Gießen sollen die Abläufe in den Landkreisen mittels Informations- und Kommunikationstechnologie modernisiert und somit eine qualitativ bessere, zeitnahe Notfallversorgung gewährleistet werden. Somit kann bei nicht lebensbedrohlich erkrankten oder verletzten Notfallpatienten der Umfang der medizinischen Maßnahmen auch ohne persönliche Anwesenheit eines Notarztes erweitert werden. In den zwei Landkreisen werden die Rettungswagen mit neuen EKG-Geräten ausgestattet, die alle aufgezeichneten Werte und Kurven in Echtzeit übertragen können. Die Notfallsanitäter werden via Datenübertragung, elektronischer Kommunikation und Videotelefonie durch Hintergrundärzte in ihren Entscheidungen ohne Zeitverzögerung unterstützt. Das Land wird dieses Projekt in den Jahren 2018 bis 2021 mit insgesamt rund 580.000 Euro fördern.

 

3. Projekt Frankini der Kasseler Stottertherapie

Das Institut der Kasseler Stottertherapie begleitet seit 1996 stotternde Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Weg zu einem flüssigeren Sprechen. Über 2.500 Patientinnen und Patienten haben die krankenkassenfinanzierten Intensivkurse mit systematischer Nachsorge bereits durchlaufen. Die Erfolge und die Wirksamkeit der Therapie werden seit Beginn durch unabhängige Wissenschaftler begleitet und belegt. Die bereits international anerkannte Online-Therapie für stotternde Kinder der Altersgruppe ab 13 Jahren soll nunmehr mit Hilfe des Landes für die bisher qualitativ schlecht versorgte Altersgruppe der Kinder im Alter von 3 - 6 Jahren ausgeweitet werden. Ziel ist es, durch eine evidenzbasierte standardisierte Therapie zum frühestmöglichen Zeitpunkt den Patientinnen und Patienten einen lebenslangen Therapiemarathon zu ersparen. Das Land wird dieses Projekt in den Jahren 2018 bis 2020 mit insgesamt rund 490.000 Euro fördern. Die Techniker Krankenkasse unterstützt ebenfalls dieses Projekt.

 

4. Tele-Intensiv-Medizin Hessen

Ziel des Projektes des Universitätsklinikums Frankfurt und des Klinikums Kassel ist die Verbesserung der Versorgung von Intensivpatienten. Damit zukünftig Informationen und Daten zwischen den intensivmedizinischen Einrichtungen schnell und problemlos fließen können, entwickeln die Forscher definierte Schnittstellen für ein mobiles Telemedizinsystem. Geplant ist, Patientendaten, Bilddaten und Laborergebnisse in Echtzeit unter Berücksichtigung des Datenschutzes auszutauschen. Über Telemedizin wollen die beiden Hauptversorger ihre Expertise in der Behandlung von schwerkranken Patienten künftig mit zuweisenden Krankenhäusern und Rehakliniken teilen. Das Land Hessen wird dieses Projekt in den Jahren 2018 bis 2020 mit insgesamt rund 900.000 Euro fördern.

 

5. Projekt Warts-Ab

Für 2019 plant das Land gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse eine Förderung der Technischen Hochschule Mittelhessen zur Entwicklung der Smartphone App „Warts-Ab“. Das Land wird dieses Projekt in den Jahren 2019 und 2020 mit insgesamt rund 319.000 Euro fördern. Eine Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aus 2013 zeigt, dass etwa 9 Prozent der Patientinnen und Patienten zwei oder mehr Stunden in einer Arztpraxis auf das „Aufrufen“ warten, 16 Prozent warteten wenigstens eine Stunde. Mit Warts-Ab gehören künftig lange Wartezeiten in Gesundheitseinrichtungen der Vergangenheit an. Mit dem von der Technischen Hochschule Mittelhessen angedachten Lösungsansatz können mittels eines von der Arztpraxis vergebenen Barcodes die Patientinnen und Patienten ihren Wartestatus abrufen. Die App informiert wann der Arzttermin wirklich stattfindet und sie in der Praxis sein sollen. Ziel ist, Wartezeiten zu minimieren, bzw. die Zeiten intelligenter oder besser zu nutzen.

 

„Wir bringen die Digitalisierung des Gesundheitswesens intensiv voranbringen, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern und auch in ländlichen Regionen die medizinische Versorgung sicherzustellen“, schloss Gesundheitsminister Grüttner.

 

Quelle: Hessisches Ministerium für Soziales und Integration


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