Telemedizin

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© Sashkin

17.06.16 · 

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Closed Shop war gestern, CDs sterben aus: Radiologieverbünde öffnen ihre digitalen Netzwerke zunehmend für Zuweiser und Patienten.


Radiologen verstehen sich immer mehr als zentrale Schalt- und Anlaufstelle in der Versorgungskette. Digitale Bilddaten einrichtungsübergreifend zur Verfügung zu stellen, ist dabei eine Kernaufgabe. Doch während Einrichtungen mit PACS-Zugriff vielerorts längst effizient Daten austauschen, erfolgt die Anbindung PACS-freier Zuweiser und Patienten noch immer oft per CD im Briefumschlag.


Zuweiseranbindung per DICOM-E-Mail und IHE
Dass es anders geht, zeigt unter anderem der mit DICOM-E-Mail arbeitende Westdeutsche Teleradiologieverbund, der sein bei der conhIT 2015 vorgestelltes DICOM-Upload-Portal mittlerweile im Echtbetrieb hat. Das Portal erlaubt Zuweisern ohne eigenes PACS mit Firefox- oder Chrome-Browser nicht nur den Upload einzelner Bilder, sondern auch ganzer Bildordner. „Dabei wird die Infrastruktur des DICOM-E-Mail-Standards genutzt, ohne in das lokale System einzugreifen“, erläuterte Armin de Greiff vom Universitätsklinikum Essen.


Wie eine Zuweiseranbindung bei Einsatz IHE-basierter Netzwerke aussehen kann, machte Veronika Daxner von ith icoserve am Beispiel des Austrian Radiology Archive (AURA) deutlich, das auf der IHE-basierten österreichischen Gesundheitsaktenplattform ELGA eingerichtet wurde. Es handelt sich in erster Linie um ein Langzeitarchiv niedergelassener Radiologen in Österreich.


Zusätzlich wurden weitere Applikationen und Workflows definiert, unter anderem solche, die zuweisende Ärzte an das IHE-basierte Netzwerk andocken. Daxner nannte hier vor allem die Applikation „Teleimage“, mit der der komplette radiologische Zuweisungs-Workflow auf der ELGA abgebildet wird, außerdem die „virtuelle Patienten-CD“, mit deren Hilfe der Patient die Bilder seiner Untersuchung auf per Mobiltelefon mitnehmen kann.


Cloud-Lösung für patientenzentrierte Datenhaltung
Dass Cloud-Architekturen sehr gut geeignet sind, um insbesondere patientenzentrierte radiologische Befundübermittlungsprozesse zu realisieren, verdeutlichte Andreas Dobler von Telepaxx. Das Unternehmen baut sein cloudbasiertes Langzeitarchiv, das derzeit von über 500 Radiologien in Europa genutzt wird, zu einer gemischten Archivierungs- und Datenaustauschplattform aus. Professor Alexander Cavallaro vom Universitätsklinikum Erlangen schilderte mehrere Use Cases für einen solchen Cloud-basierten Bild- und Befunddatenaustausch.


So wurde in Erlangen eine Community für das Mammographie-Screening aufgebaut, die den Ärzten per E-Mail-Einladung den Zugriff auf gemeinsame Patientinnen gestattet. Außerdem werden Patienten der Erlanger Radiologie angehalten, sich die Daten nicht auf eine CD brennen sondern in einem sicheren Bildkonto online ablegen zu lassen. Für die Patienten ist das noch oft fremd, wie Cavallaro betonte: „Ein Zettel an der Anmeldung reicht nicht, wir müssen schon Überzeugungsarbeit leisten.“ Die lohnen sich aber, denn: „Bei uns sind drei Arbeitskräfte nur damit beschäftigt, CDs einzulesen.“

 

Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


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