Der Minister kommt – die deutsche Gesundheitspolitik & eHealth

Hans Peter Bröckerhoff

Die conhIT 2016 hatte nicht nur wieder mehr Aussteller und Besucher. Ein weiteres Zeichen der erfolgreichen Entwicklung war auch, dass erstmals der Bundesgesundheitsminister die Eröffnungsrede hielt. Das war angemessen und spiegelt die Aufmerksamkeit wider, die die deutsche Gesundheitspolitik dem Thema eHealth (endlich) zukommen lässt.

 

Es war überfällig. Dass der deutsche Gesundheitsminister die größte deutsche (und auch europäische) Veranstaltung zum Thema eHealth eröffnet, erscheint logisch und angemessen. Dennoch geschah das in diesem Jahr zum ersten Mal. Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat zur conhIT 2016 keine Vertreterin, keinen Vertreter geschickt, sondern ist persönlich gekommen und hat die Eröffnungsrede gehalten. Das ist sehr erfreulich und zeigt, dass das Thema Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens in der Gesundheitspolitik auch an höchster Stelle wahr- und ernst genommen wird.

 

Dabei hieß es noch wenige Wochen vor der conhIT in den „gewöhnlich gut informierten Kreisen“, der Minister werde nicht kommen, weil er über die Indust­rie wegen der Verzögerungen bei der Fertigstellung der Konnektoren für die Telematikinfrastruktur verärgert sei.  Aber das war offensichtlich nur ein falsches Gerücht. Zum Glück. Denn eine solche „Bestrafung“ durch Missachtung wäre nicht nur unangemessen gewesen angesichts der Bedeutung des gesamten Themas. Sie hätte auch weitgehend die Falschen getroffen, da die conhIT bei Weitem keine klassische „Industrie“-Veranstaltung ist. Hier trifft sich die stetig wachsende Community derer, die sich in Krankenhäusern, MVZs,  Arztpraxen und anderen Institutionen der Gesundheitsversorgung, bei den Kostenträgern, in der Wissenschaft, in einschlägigen Verbänden und eben auch in der Industrie mit dem Thema Gesundheits-IT und mit eHealth insgesamt beschäftigt.


 Ich war deshalb froh, als es hieß: Der Minister kommt.Und so auch die meisten conhIT-Besucher, mit denen ich über die Anwesenheit des Ministers sprach. Der Saal war dann auch sehr gut gefüllt bei der Eröffnungsveranstaltung. Hermann Gröhe machte in seiner Rede deutlich, dass ihm die Digitalisierung und damit die ganze eHealth-Thematik zunehmend wichtig ist. Einigen Zuhörern fehlten, wie ich nach der Rede hörte, die großen Neuigkeiten und konkrete Informationen zu bestimmten Fragen. Aber die waren eigentlich auch nicht zu erwarten.  Die konkreten und aktuellen Informationen gibt es eher (und das gilt für alle Ministerien) von den Abteilungsleitern und anderen Fachleuten aus den Ministerien und nicht von den politischen Repräsentanten. Diese reden meist politisch-taktisch ausgewogen. Die Bedeutung einer Ministerrede liegt in der Regel mehr in der Tatsache, dass sie zu einem bestimmten Anlass gehalten wird und nicht so sehr in den konkreten Inhalten.


Dass eHealth in der oberen Etage der deutschen Gesundheitspolitik angekommen ist, macht nicht nur das erstmalige Erscheinen des Bundesgesundheitsministers auf der conhIT deutlich. Einige Tage danach war zu lesen, dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Reichstag mit Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis über Chancen und Risiken neuer Anwendungsbereiche der digitalen Medizin diskutiert und dabei Minister Gröhe eine engagierte Rede gehalten hat. Und noch ein paar Tage später sprach der Minister in Frankfurt bei der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main. Auch hier, bei einem Routinetermin, bei dem die Digitalisierung gar nicht im Vordergrund stand, widmete Hermann Gröhe dem Thema eHealth einen großen und engagierten Teil seiner Rede.


Vor diesem Hintergrund darf man wohl davon ausgehen, dass der Minister auch im nächsten Jahr die conhIT wieder persönlich eröffnen wird. Das ist nicht nur gut für die Veranstaltung, die dadurch die Anerkennung bekommt, die ihr gebührt. Das ist auch für den Minister selbst gut. Denn bei seiner diesjährigen Rede hat er von dem vorhergegangenen Messerundgang berichtet und unterstrichen, dass er dabei viele interessante Eindrücke und wertvolle Informationen gesammelt habe.