Durchbruch für die Fernbehandlung?

Prof. Dr. Dr. Christian Dierks

 

Baden-Württemberg hat als erster Kammerbezirk eine Erlaubnisklausel für die Telemedizin erlassen. Ist das der Durchbruch für die Fernbehandlung?

 

Der Beschluss der Kammer ist ein Schritt in die richtige Richtung. Fernbehandlung ist danach genehmigungsfähig. Noch ist der Vorstoß nicht ganz in trockenen Tüchern: Nach Prüfung durch die Aufsicht muss die Berufsregel auch veröffentlicht werden, um in Kraft zu treten. Dann ist in Baden-Württemberg, abweichend von der Musterberufsordnung, die Fernbehandlung auch dann zulässig, wenn Arzt und Patient einander nicht bekannt sind und die Grenze der Beratung zur Behandlung überschritten wird. Das geht über die Erläuterungen der Bundesärztekammer vom Dezember 2015 hinaus. Solche Verfahren sind von der Kammer zu genehmigen und müssen evaluiert werden.


Es geht also um Modellprojekte, die nun auf den Weg gebracht werden können. Die Anforderungen an die Evaluierung müssen sachgerecht gestellt werden, damit das Ganze eine Chance hat. Interessant ist, dass noch nicht gesehen wird, dass Patienten einen Anspruch auf Fernbehandlung haben und dieses auch gerichtlich durchsetzen könnten. Und dass die nicht angebotene Fernbehandlung eine unterlassene Hilfeleistung oder Unterschreitung des Standards darstellen könnte. Dies haben wir
vor vielen Jahren im Rahmen einer simulierten Gerichtsverhandlung in Tromsø bejaht. Vielleicht holt die Realität dieses Szenario bald ein.