eHealth-Strategie – aber wie?

Hans Peter Bröckerhoff

 

Das Thema eHealth-Strategie ist in Deutschland wieder auf der Tagesordnung. Die Basis dafür, die Erarbeitung eines eHealth-Zielbildes, ist sogar im Koalitionsvertrag festgehalten. Der Strategiebildungsprozess kann also beginnen. Aber wie soll er gestaltet sein und von wem wird er verantwortlich koordiniert?

 

Deutschland braucht eine nationale eHealth-Strategie“ – ein starker Titel für einen Workshop auf der conhIT. Als die Einladung dazu im Postfach landete, war mein Interesse sogleich geweckt. Beschäftigt mich das Thema eHealth-Strategie doch schon seit vielen Jahren – wie regelmäßige Leser dieser Kolumne schon des Öfteren feststellen konnten. Obwohl schon lange überfällig, haben sich die deutsche Gesundheitspolitik, die Selbstverwaltung und auch die Gesundheitswirtschaft damit bisher richtig schwer getan. Wie es leider in Sachen eHealth nicht selten der Fall ist, sind andere Länder da mittlerweile weiter und haben sehr wohl Strategien für die digitale Transformation ihrer Gesundheitswesen entwickelt und formuliert. Die sind sicherlich mehr oder weniger gut, aber sie sind vorhanden und geben den Akteuren im jeweiligen Gesundheitssystem die Möglichkeit, sich daran zu orientieren.  


Aktuell erlebt das Thema eHealth-Strategie in Deutschland eine Renaissance. Ausdruck und auch ein wenig Anstoßgeber dafür war im Januar dieses Jahres ein gemeinsamer Aufruf von acht Verbänden der industriellen Gesundheitswirtschaft, von BIO Deutschland, Bitkom, bvitg, BVMed, SPECTARIS, vfa, VDGH und ZVEI. Darin wurde „die Entwicklung eines nationalen eHealth-Zielbildes sowie die Implementierung einer daraus abgeleiteten eHealth-Strategie“ gefordert. Dass wenige Wochen später im Koalitionsvertrag die Erarbeitung eines eHealth-Zielbildes bis 2020 festgeschrieben wurde, dürfte die Verbände gefreut haben – ein wenig vielleicht auch, weil hier beispielhaft deutlich wurde, dass eine gemeinsam formulierte und zum rechten Zeitpunkt vorgetragene Forderung offensichtlich auf fruchtbaren Boden fallen kann.


Doch zurück zum Workshop auf der conhIT. Der war für mich und, wie ich in Gesprächen feststellen konnte, auch für andere Teilnehmer, eher ein wenig ernüchternd. Es gab zwar interessante Vorträge und auch die Diskussionsrunden im Tischlein-wechsel-dich-Verfahren nach Art der „World Cafés“ waren interessant. Aber das Gefühl, hier, wie intendiert, an einem echten Strategiebildungsprozess teilzunehmen, kam nicht so recht auf. Nur einer der Referenten ging auf das Thema Strategie überhaupt systematisch ein. Es war bezeichnenderweise der Vertreter eines Industrieverbandes, des ZVEI. Das sei hier nur deshalb erwähnt, weil es wahrscheinlich zeigt, dass in der Wirtschaft mehr Verständnis für die notwendigen Vorgaben, Strukturen und Prozesse bei einer Strategiebildung vorhanden ist als in Politik und Selbstverwaltung. Letztere haben auf diesem Feld nicht sehr viel Übung und Erfahrung.


Für mich war die zentrale Erkenntnis des Workshops die, dass es erst einmal nötig ist, sich auf die Verfahrensebene zu begeben, erst einmal das Vorgehen, die Strukturen und die Prozesse zu klären und die verantwortlichen Treiber, Koordinatoren und Moderatoren zu bestimmen. Im Forderungs-Papier der Industrieverbände steht dazu ein zentraler Satz: „Aus der Sicht der Verbände der industriellen Gesundheitswirtschaft sollte der politisch moderierte Prozess zur Erarbeitung eines eHealth-Zielbildes ressort- übergreifend von den zuständigen Ministerien angestoßen, zentral koordiniert und moderiert werden.“ Wie wahr.


Es muss erst einmal ein zentral gesteuerter Prozess definiert und in Gang gesetzt werden. Natürlich sollten in diesen Prozess dann auch möglichst viele Experten und Akteure einbezogen werden. Deshalb hoffe ich, dass es auf der nächsten conhIT gleich mehrere Workshops explizit zur Zielbild- und Strategieerarbeitung geben wird, die auf der Basis der definierten Vorgaben und Prozesse und
natürlich der bis dahin schon erarbeiteten Zwischenergebnisse an der Strategiebildung mitwirken. Darin könnte dann eine zielgerichtete und fruchtbare Arbeit stattfinden. Ich jedenfalls würde dabei gerne mitmachen.