Ist die Zeit erst jetzt wirklich reif? 10 Jahre E-HEALTH-COM und das Wachstum des eHealth-Bereichs

Hans Peter Bröckerhoff

Vor zehn Jahren, als E-HEALTH-COM gegründet wurde, gab es viel Zuversicht. Aber das erwartet schnelle Wachstum des eHealth-Bereichs blieb aus. Zunächst, denn mittlerweile verändert sich die Situation. Dafür gibt es eine Reihe von Zeichen und Hinweisen. Waren wir damals also zu früh dran mit unserem Fachmagazin?

 

Die Zeit ist reif – das war vor genau zehn Jahren die Überschrift der ersten Herausgeberkolumne hier an dieser Stelle. Ich schrieb das damals voller Zuversicht. Alles, was unter dem Dachbegriff eHealth  zu subsumierten war, schien vor einer rasanten Entwicklung zu stehen. Denn der Einsatz von IT und Kommunikationstechnik in Medizin und Gesundheitswesen (Digitalisierung sagte man damals noch nicht) versprach offensichtliche und überzeugende Vorteile für fast alle Beteiligten.


Die Zeit schien damals, als wir es wagten, E-HEALTH-COM an den Markt zu bringen, wirklich reif zu sein für ein Fachmagazin für die eHealth-Community, vor allem für eines, das sich als „Plattform für die inhaltlich fundierte und sektorenübergreifende Information und Kommunikation“ versteht. Aber die erwartete (oder vielleicht doch eher ein wenig blauäugig erhoffte?) rasante Entwicklung der eHealth-Bereiche kam nicht. Es ging nicht schnell voran. Im Gegenteil: Problemdiskussionen statt Chancendiskussionen, Widerstände, Interessenkämpfe, Investitionsmangel in den Kliniken, geringes Interesse bei Entscheidern und wenig Akzeptanz bei Anwendern – diese und andere Hürden machten die Digitalisierung im Gesundheitsbereich langsam und unbefriedigend.


Seit einiger Zeit ändert sich die Situation jedoch merklich. Es scheint so etwas wie ein Durchstarten in Sachen eHealth zu geben. Es fühlt sich so an, als ob der Gegenwind der Jahre zuvor sich dreht und nach und nach zum Rückenwind wird. Eine Reihe von Entwicklungen deuten darauf hin. Drei davon scheinen mir besonders beachtenswert.


Vonseiten der Politik entwickelt sich wachsender Druck. Hier ist das E-Health-Gesetz Ausdruck und Beschleuniger der Veränderung. Die Digitalisierung wird zunehmend auch für normale Gesundheitspolitiker, die IT vormals als wenig „sexy“ empfunden haben, zum Potenzialträger für mehr Effizienz, Effektivität und Qualität.


Das öffentliche Interesse wächst. Auch die Publikumsmedien nehmen sich zunehmend der Thematik an. Stärkster Ausdruck darfür dürfte sein, dass das eHealth-Thema es sogar schon auf den Titel des SPIEGEL gebracht hat.


Und auch die Bereitschaft in den Krankenhäusern, in IT zu investieren, scheint zuzunehmen. So haben das Deutsche Krankenhausinstitut und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in Umfragen vor Kurzem festgestellt, dass in Krankenhäusern durchweg die Absicht besteht, den Anteil der Investitionsmittel, die in die IT fließen, zu erhöhen. Auch das ein optimistisch stimmendes Zeichen, auch wenn diese Tendenz sicher sehr vorsichtig bewertet werden muss.


Insgesamt wird die Stimmung in der Community optimistischer. Der aufkommende Rückenwind ist regelrecht spürbar, wenn Akteure der eHealth-Welt zusammenkommen. Das war schon im letzten Jahr auf vielen Veranstaltungen so. Jüngst aber wurde es mir besonders deutlich. Auf der 11. Landestelematikkonferenz in Potsdam, die ich – wie in den acht Jahren zuvor – moderieren durfte, empfand ich den Optimismus und die Zukunftsgerichtetheit der Vorträge und Diskussionen im Unterschied zu den früheren Jahren so stark, dass ich nicht umhin kam, diese Empfindung dem Plenum mitzuteilen. Es gab große Zustimmung.


Ist die Zeit für ein eHealth-Fachmagazin also erst jetzt wirklich reif? Was die ökonomische Seite angeht, vielleicht ja. Denn jetzt dürfte der Markt sich tatsächlich schneller entwickeln und Anzeigenschaltungen und Abonnements dürften mitwachsen. Aus kommunikativer Sicht, nein. Für die Kommunikationsplattform, die wir mit E-HEALTH-COM anbieten, war die Zeit auch vor zehn Jahren schon reif, schließlich braucht man gerade in schwierigen Zeiten besonders viel Information und Kommunikation.