Veranstaltungsberichte

MEDICA 2010
17.-20.11.2010 in Düsseldorf

MEDICA und COMPAMED 2010: kräftiger Rückenwind für Geschäfte

Die Hersteller von Medizintechnik und Medizinprodukten sind gut durch die Phase der Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen, verspüren kräftigen Rückenwind für ihre Geschäfte und erweisen sich mit ihrer Innovationskraft als Motor des Wachstums. Das ist die Kernbotschaft, die sich nach den vier Veranstaltungstagen aus der weltgrößten Medizinmesse MEDICA 2010 (17. – 20.11.2010) sowie der führenden Fachmesse für den Zulieferermarkt, der COMPAMED 2010 (17. – 19.11.2010) ziehen lässt.

Bei einem Messerundgang am 17.11. überzeugten sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler von der Leistungsfähigkeit der Medizintechnik-Industrie. "Die MEDICA ist ein eindrucksvolles Schaufenster der Gesundheitswirtschaft. An Autos, an Maschinenbau, an Chemie denkt jeder, aber dass wir aber auch einen so führenden Platz in der Gesundheitswirtschaft haben, ist noch nicht überall bekannt. Vor dem Hintergrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und der demografischen Entwicklung ist es wichtig, dass diese Branche in den Mittelpunkt gestellt wird", erklärte Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Rede.



Neben dem hochrangigen Besuch aus Reihen der Politik bestätigen auch die Zahlen den weltweit hervorgehobenen Stellenwert der MEDICA und der COMPAMED als führende Branchenmessen. Von den 137.200 Besuchern -  das entspricht dem sehr guten Vorjahresniveau - sind 72 Prozent ausschlaggebend oder maßgeblich an Einkaufsentscheidungen beteiligt, weitere knapp 10 Prozent mit beratender Entscheidungskompetenz. Für Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, sind diese Top-Werte eine logische Folge der Marktentwicklung: „Die Zahl der Träger von Kliniken geht zurück. In der Folge dieser Nachfragekonzentration dominieren den Markt immer größere Anbieter mit zentral organisiertem Einkauf. Wer also nach Düsseldorf reist, ist ein Entscheidungsträger von besonderer Qualität“. Rund die Hälfte der Besucher waren internationale Besucher, sie kamen aus insgesamt mehr als 100 Nationen.



Geboten wurde den Medizinexperten aus aller Welt von der Rekordbeteiligung der über 4.400 MEDICA-Aussteller aus 64 Nationen eine Fülle an Neuheiten für eine präzise Diagnose und effektive Therapie in der ambulanten und stationären Versorgung.   



Als ein wesentlicher Erfolgsfaktor der MEDICA erwies sich einmal mehr, dass die Veranstaltung dem zunehmendem Verlangen der medizinischen Akteure nach interdisziplinärer Zusammenarbeit mit ihrem umfangreichen Themenangebot mittels Fachmesse mit Themenparks und Foren (z. B. MEDICA MEDIA, MEDICA PHYSIO) sowie Kongress gerecht wird. „Exemplarisch dafür sind die gut besuchten interdisziplinären Kongress-Seminare, etwa zur Versorgung von Patienten mit mehreren parallelen Erkrankungen oder mit komplexen Krankheitsbildern wie Krebs, Rheuma oder Allergien“, erklärt Dr. Julia Rautenstrauch, Generalsekretärin der MEDICA – Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin e. V. (Organisation MEDICA Kongress). Weitere besonders stark nachgefragte Kongress-Angebote waren u. a. auch die „Pro & Contra“-Seminare wie „Stent vs. Bypass“ oder „Magenoperationen bei Adipösen“, die verschiedene Therapieansätze zur fachlichen Diskussion stellten.



Effizienz durch Innovationen
In Bezug auf die von Ausstellern präsentierten Neuheiten war eindeutig „Prozessoptimierung“ das am häufigsten in den Messehallen zu hörende Stichwort. Zahlreiche Anbieter widmeten sich etwa mit ihren Innovationen einer gesteigerten Effizienz und Flexibilität im OP-Saal. In so genannten „Hybrid“-OP-Sälen können Chirurgen gleichzeitig operieren und bildgebende Verfahren nutzen. Hier werden demnach diagnostische und chirurgische Möglichkeiten miteinander kombiniert, die im Normalfall räumlich voneinander getrennt sind. Im Gegensatz zum herkömmlichen OP verfügt der Hybrid-OP gleichzeitig über bildgebende Großgeräte, in den häufigsten Fällen für die Angiografie, aber auch für die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie. Im Zusammenspiel von Kardiologen und Herzchirurgen kann man auch von einem OP-Saal mit integriertem Herzkatheterlabor sprechen.



Gleichzeitig halten zur Effizienzsteigerung immer mehr computerbasierte Assistenzsysteme Einzug in die OP-Säle. Die Bandbreite reicht von Applikationen für die Planung und Simulation von Eingriffen, für die Navigation während der OP bis hin zur Visualisierung von Narkoseprozessen. Erstmals vorgestellt wurde bei der MEDICA 2010 zum Beispiel eine Soft- und Hardware-Anwendung zur zweidimensionalen Darstellung von Narkose-Verläufen. Sie ermöglicht dem Anästhesisten, den prognostizierten Narkose-Verlauf bei einem Patienten mit dem intraoperativ aktuellen Narkoselevel abzugleichen und den Effekt von der weiteren Verabreichung der Anästhesiemittel darzustellen. Wechselwirkungen von Wirkstoffgruppen und die daraus resultierende Narkosetiefe lassen sich so gut simulieren, Fehlerraten dadurch reduzieren. 



Verschiedene Optionen der computergestützten Chirurgie waren in passender Ergänzung zum Fachmesse-Angebot auch Thema der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Computer- und Roboter-assistierte Chirurgie e. V. (CURAC). Die CURAC-Tagung fand erstmals im Rahmen des MEDICA Kongresses statt.



Vieles ist möglich und auch praktikabel umsetzbar
Eine weitere Premiere erlebten die MEDICA-Besucher in Halle 11. Im Rahmen des MEDICA TECH FORUMS wurde ein deutsch- und englischsprachiges Seminarprogramm geboten. Hochkarätige Experten thematisierten medizinische Hintergründe zu wichtigen medizintechnischen Innovationen und Entwicklungen, z. B. Trends in der Endoskopie oder auch Fortschritte in der Behandlung von Herzerkrankungen durch Einsatz minimalinvasiver Katheterverfahren. Eines der zentralen Anliegen dieses in Zusammenarbeit mit den Industrieverbänden SPECTARIS und ZVEI sowie der MEDICA – Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin entwickelten Forums ist die Demonstration, wie komplexe Veränderungsprozesse gemeistert werden können durch schnelle praktische Anwendung moderner Verfahren.



Für mehr Effizienz im Versorgungsprozess stehen traditionell auch Neuheiten auf dem Gebiet der medizinischen IT und Telematik. Besonders nachgefragt bei der MEDICA 2010 waren Lösungen für einen reibungslosen Kommunikations- und Informationsfluss zwischen dem ambulanten und stationären Bereich. Hier knüpfte das MEDICA MEDIA FORUM (Themenpark für Telemedizin und medizinische IT) an und bot neben seinem umfangreichen Vortrags- und Diskussionsprogramm einen speziellen Wegweiser und Führungen zu den allein 60 Ausstellern mit Angeboten zu elektronischen Patienten-, Gesundheits- und Fallakten.


Weiter auf dem Vormarsch sind „mobile Health“-Anwendungen. Bei der MEDICA 2010 wurde eine Vielzahl von kompakten und leicht bedienbaren Geräten zur Erfassung und Fernübertragung verschiedenster Vitalparameter vorgestellt. Auch haben etliche Anbieter das Potenzial von „Apps“ erkannt. Ob Auswertung von Blutdruckdaten, Arztbrief-Diktat oder webbasierter Abruf von Patientendaten – die Liste der medizinischen Programme für „iPhone & Co.“ wird immer länger.


 
Ganz im Zeichen der Umstrukturierungsprozesse im deutschen Klinikwesen stand der 33. Deutsche Krankenhaustag unter dem Leitthema „Sicherstellung der Versorgung – Beitrag der Krankenhäuser“. Die zahlreichen Vorträge, Foren und Praxisseminare zu den strukturellen und finanziellen Herausforderungen für die Krankenhausversorgung vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Reform der GKV-Finanzierung erfreuten sich eines regen Publikumsinteresses. 2.400 Teilnehmer sorgten für einen neuen Besucherrekord beim Krankenhaustag.



Auch COMPAMED mit neuem Aussteller-Rekord
In Verbindung mit der MEDICA fand die COMPAMED statt, internationale Fachmesse für den Zuliefermarkt der medizinischen Fertigung. 575 Aussteller aus 37 Nationen bedeuteten einen neuen Top-Wert in der Veranstaltungshistorie. Sie präsentierten den mehr als 16.000 Besuchern ein breites Spektrum an Technologie- und Service-Lösungen für den Einsatz in der medizintechnischen Industrie – von neuen Materialien, Komponenten, Vorprodukten, Verpackungen und Dienstleistungen bis hin zu komplexer Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie. Besonders im Trend liegen  „Electronic Manufacturing Services“ (EMS), also die komplette Auftragsfertigung von Bauteilen und Geräten inklusive komplexer Prüfleistungen zur Qualitätssicherung. Auf Grund der gestiegenen Bedeutung war diesem Thema bei der COMPAMED 2010 wieder ein eigener Bereich gewidmet und zwar im Ausstellungsbereich des Produktmarktes des IVAM Fachverbandes für Mikrotechnik.



Termin der nächsten MEDICA in Düsseldorf: 16. - 19.11.2011
Termin der nächsten COMPAMED in Düsseldorf: 16. – 18.11.2011 

 

 

Quelle: Messe Düsseldorf GmbH, Pressereferat MEDICA und COMPAMED 2010