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Medizin |

Agaplesion führt konzernweit Videosprechstunde ein

© Gstudio

Nach einer Testphase von knapp anderthalb Jahren wollen die Agaplesion-Kliniken allen Einrichtungen, die Interesse daran haben, eine Online-Sprechstunde zur Verfügung stellen.

 

Agaplesion hatte bereits im Januar 2016 mit der Pilotierung der Videosprechstunde begonnen, lange bevor im April 2017 eine EBM-Ziffer für den ambulanten Einsatz geschaffen wurde. Was die regulatorischen Rahmenbedingungen anging, hätten anfangs noch großer Unsicherheiten geherrscht, sagt Claudia Möller, Leiterin FuE & Innovationsmanagement bei der Agaplesion gAG.

 

Mit dem Inkrafttreten des E-Health-Gesetzes und den Erläuterungen zum Fernbehandlungsverbot der Bundesärztekammer hat sich hier jedoch Klarheit ergeben. Videosprechstunden sind im deutschen Gesundheitswesen prinzipiell erlaubt, wenn sie nicht das ausschließliche Mittel der Patientenbetreuung sind. „Die zum Projektbeginn vermuteten, formalen Hürden bestanden auf einmal nicht mehr“, so Möller.


Erfolgreiche Tests in der Gefäßchirurgie und der Gynäkologie

Dafür war die Umsetzung technisch anspruchsvoller als gedacht, und auch seitens der Ärzte gab es an manchen Stellen Skepsis. Die konnte jedoch überwunden werden. Zu den erfolgreich getesteten Einsatzszenarien gehört eine Telekonsil-Sprechstunde des Gefäßchirurgen Dr. Joachim Joester vom Agaplesion Krankenhaus Holzminden. Er vernetzte sich per Videosprechstunde mit einem ambulanten Pflegedienst aus dem lokalen Wundnetzwerk, um Patienten nach dem stationären Aufenthalt mitzubetreuen.

 

Auch im ambulanten Kontext, etwa in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), können Agaplesion-Ärzte die Videosprechstunde künftig einsetzen. Den Prototypen dafür lieferte in der Testphase die Frauenärztin Katharina Stockburger, ebenfalls Holzminden. Am dortigen MVZ besprach die Ärztin Befunde mit jüngeren Patientinnen, die zuvor in der Sprechstunde waren.

 

Dienstleister ist derzeit noch offen

Für die Tests hat Agaplesion mit dem Patientus zusammengearbeitet, einem von mehreren von der KBV gemäß §291g Absatz 4 SGB V zertifizierten Anbieter. Für den konzernweiten Rollout, der in Form einer einheitlichen technischen Plattform erfolgen soll, auf der einzelne Einrichtungen dann mögliche Einsatzszenarien testen bzw. umsetzen können, legt sich der Konzern noch nicht auf einen Partner fest.

 

Hier müsse ausgeschrieben werden, und aktuell würden gerade Angebote eingeholt, heißt es aus der Konzernzentrale in Frankfurt. Grundvoraussetzung sei die Zertifizierung nach §291g Absatz 4 SGB V, nicht zuletzt deswegen, weil zumindest die ambulant angebotenen Videosprechstunden künftig auch über die neuen EBM-Ziffern abgerechnet werden sollen.

 

Agaplesion-Vorstandschef Dr. Markus Horneber betont, dass die Regeln für die Videosprechstunde im deutschen Gesundheitswesen komplex seien. Wegen der erforderlichen persönlichen Kontakte sei diese Form der Telemedizin derzeit noch nicht für alle Einsatzszenarien, in denen sie denkbar wäre, umsetzbar. „Wenn aber gewährleistet ist, dass er Arzt seinen Patienten gut kennt und regelmäßige persönliche Begutachtungen stattfinden, können Patienten sich viele Arztbesuche ersparen und von den bisher vielfach nur theoretisch ausgelobten Vorteilen profitieren“ so Horneber.

 

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM