Mit dem Gesundheitswesen hatte Dr. Daniel Kreter erst vor etwas mehr als einem Jahr erstmals beruflichen Kontakt. In vielen Gesprächen mit Krankenhäusern wurde deutlich, dass es im Bereich der ambulanten Chirurgie einen hohen Bedarf an Plattformlösungen gibt, der bisher nur punktuell adressiert wird. Angesichts von Krankenhausreform und Hybrid-DRG-Einführung fiel die Entscheidung, das Unternehmen Tokura zu gründen und genau hier mitzumischen.
Ein ambulantes OP-Zentrum sei kein Krankenhaus im Kleinen, so Kreter beim Meeting am Mountain der Digital Avantgarde. Oft werde einfach nur ein neues Gebäude angeflanscht, und mitunter werde sogar versucht, den ambulanten OP mit stationärem Personal zu betreiben. Dabei müsse „ambulantes Operieren“ als Kategorie eigenständig gedacht werden. Genau dabei will Tokura mit seiner Plattformlösung helfen.
Gemeinsam mit Anästhesie, OP-Pflege und Chirurgie aus mehreren ambulanten OP-Zentren bzw. Anästhesie-Gemeinschaften in der Hauptstadt und anderswo hat das Berliner Unternehmen in den letzten Monaten eine Infrastruktur für das ambulante Operieren neu konzipiert und eine Software mit entsprechender Prozesssteuerung entwickelt. Prinzipiell, so Kreter, könne eine solche Software vor der OP dafür sorgen, dass es weniger kurzfristige Ausfälle gibt und dass die Auslastung besser ist. Am OP-Tag trage sie zu schnelleren Wechselzeiten und weniger administrativem Aufwand bei. Und nach der OP könne die Zahl der Zahl der realen Patientenkontakte minimiert und die Zufriedenheit der Patient:innen dennoch verbessert werden.
„So wie FTB2 des KHZG eigentlich gedacht war“
Explizit nicht das Ziel von Tokura sei es, bestehende Informationssysteme zu ersetzen – kein PVS, kein KIS, kein Buchungssystem und keine Steri-Software. Stattdessen werden diese Systeme intelligent verknüpft, und es gibt als „Dreh- und Angel-Tool“ für die Versorgung eine Patienten-App, die Patient oder Patientin vom Onboarding bis Ende der Nachsorge begleitet. Die Funktionen der App reichen von digitaler Datenerfassung über Dokumentation und Unterstützung der Prämedikationsvisite, konkrete Erinnerungen an eventuelle OP-vorbreitende Maßnahmen wie Nahrungskarenz, Check-in am Operationstag bis hin zu bildgestützter Wundkontrolle postoperativ – inklusive Messenger-Kontakt wann immer gewünscht.
Für Hendrik Riedel von der ausrichtenden Digital Avantgarde ist das, was Tokura zusammen mit den ambulanten OP-Zentren konzipiert, ein Paradebeispiel für ganzheitliche Digitalisierung: „Das Projekt zeigt, wie der Fördertatbestand 2 des KHZG eigentlich mal gedacht war. Es gibt eine echte Ende-zu-Ende-Betreuung und nicht einfach nur ein Portal, das dazu dient, Daten hochzuladen und überzuleiten.“ Kreter rechnet damit, dass das erste ambulante OP-Zentrum in Berlin im vierten Quartal 2026, spätestens Anfang 2027, mit der Lösung live geht.
