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Health-IT |

„Berlin hat strategische Vorteile“

Messe Berlin und bvitg gehen künftig in Sachen Gesundheits-IT getrennte Wege. Dr. Mario Tobias, CEO der Messe Berlin, gibt Einblick in die Pläne der Messe.

Dr. Mario Tobias, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin; Foto: © Messe Berlin GmbH

Die Messe Berlin und der bvitg haben die DMEA gemeinsam groß gemacht. Bei Trennungen gibt es immer zwei Versionen, das ist klar. Wie lautet Ihre? Warum keine DMEA mehr in Berlin?

Die DMEA ist für uns eine echte Erfolgsgeschichte. Diese Veranstaltung ist durch ein Team groß geworden, das seit vielen Jahren mit Herzblut dabei ist. Wir haben viele Monate daran gearbeitet, diese Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben, und wir es hätten als Messe Berlin auch wirklich gerne weiterhin gemacht. Im Herbst wurde dann aber klar, dass die Vorstellungen zwischen Messe und Verband über die weitere DMEA zu unterschiedlich waren und der bvitg sich anderweitig orientieren wollte. Nach der Absage des Verbands für die weitere Zusammenarbeit stellte sich für uns die Frage: Machen wir einfach gar nichts? Das wollten wir nicht, denn wir fühlen uns unseren Kundinnen und Kunden verpflichtet. Wir haben nicht nur ein exzellentes Team auf diesem Thema, wir hatten bei der letzten DMEA von rund 800 Aussteller auch über 700, die nicht Mitglieder des bvitg waren. Deswegen haben wir uns entschieden, mit der Smart Health Europe etwas Eigenes anzubieten. Ich halte das für eine Riesenchance, Dinge umzusetzen, die bisher – und das ist durchaus auch selbstkritisch gemeint – zu kurz kamen.

 

Wie will sich die Smart Health Europe positionieren? Was wollen Sie anders machen?

Wir glauben, dass Gesundheits-IT bzw. Digital Medicine kein Nischenthema mehr ist. Wir wollen das künftig deutlich breiter aufsetzen, ohne dass wir dabei die bisherigen Stärken der DMEA aus den Augen verlieren. Vielleicht zunächst zu den Inhalten: Das Thema Krankenhaus-IT und Arztpraxis-IT in Deutschland bleibt eine zentrale Säule. Aber es gibt viele andere Bereiche, die bisher bei der DMEA unterrepräsentiert waren und die wir bei der Smart Health Europe stärker in den Vordergrund rücken wollen. Denken Sie an Datenschutz und Datensouveränität auf europäischer Ebene, an das Thema Plattformökonomie im Gesundheitswesen, an die Frage, wie personalisierte Medizin durch IT-Lösungen aufgegriffen wird, die zum  Beispiel von Krankenkassen angeboten werden. Oder denken Sie an Pharma und Medizintechnik, für die eine interoperable Anbindung an die digitalisierte Versorgungsprozesse immer wichtiger wird. Das alles sind Dinge, die wir deutlich stärker thematisieren wollen.

 

Neben mehr inhaltlicher Breite wollen Sie mit der Smart Health Europe auch geographisch breiter werden, Stichwort Internationalisierung. Wie gehen Sie das an?

Um das nochmal deutlich zu machen: Die bisherigen Schwerpunkte der DMEA sollen bei der Smart Health Europe erhalten bleiben. Der IT-Verband bitkom hat Gesundheit seit vielen Jahren zu einem strategischen Thema gemacht hat – mit enger politischer Anbindung. Für den deutschsprachigen Teil des Programms haben wir damit den optimalen Partner. Darüber hinaus werden wir internationale Aspekte sehr viel stärker integrieren. Ich kann noch keine Details verraten, aber wir sprechen aktuell mit weiteren Partnern für den internationalen Teil des Kongressprogramms. Wir sind überzeugt, dass wir in der Europäischen Union bei diesem Thema enger zusammenwachsen werden. Die Welt verändert sich gerade. Wir müssen europäischer werden, das gilt auch für diese Branche. Gleichzeitig wissen wir von Kundenbefragungen, dass unsere Aussteller natürlich auch internationalen Kontakt suchen. An dieser Stelle konnten wir bisher leider nicht das liefern, was wir uns gewünscht hätten.

 

Die Messe Berlin launcht Anfang Juli 2026 noch ein weiteres Event, die Smart Health Asia in Singapur. Soll das irgendwann eine internationale Kongressmesse-Serie werden?

Das ist noch nicht entschieden, wir starten ja erst. Aber natürlich schauen wir sehr intensiv in unterschiedliche Märkte. Wir haben die ITB, die Internationale Tourismus-Börse, von Berlin nach Shanghai und Singapur gebracht, und wir starten damit dieses Jahr erstmals in Mexiko. Wir werden mit der Transportmesse InnoTrans 2027 erstmals nach Südostasien gehen. Wichtig ist uns dabei immer die lokale Verankerung: Eine ITB in Mexiko sieht anders aus als in Berlin, und eine Smart Health Asia wird anders aussehen als eine Smart Health Europe. Wir haben regionale Teams, regionale Content-Partner und natürlich auch einen Schwerpunkt bei regionalen Ausstellern. Aber natürlich eröffnen solche Formate auch Möglichkeiten für Unternehmen in anderen Regionen der Welt. Und wir als Messeveranstalter haben die Möglichkeiten, den Kundinnen und Kunden, die internationale Ambitionen haben, ob Konzern, Mittelständler oder Start-up, interessantere Angebote zu machen.

 

Zurück nach Deutschland: Die Smart Health Europe und die DMEA finden 2027 beide vom 13. bis 15. April statt, einmal in Berlin, einmal in München. Ideal ist das nicht.

Das ist alles andere als ideal, wir haben uns das aber nicht ausgesucht. Wir haben dem bvitg im Vorfeld unsere Pläne kommuniziert und unser Termin war seit Wochen online. Nach der Entscheidung aus München müssen damit jetzt alle leben. Werden wir in Berlin und in München jeweils 20.000 Besucherinnen und Besucher haben? Eher nicht. Wir werden Erfolg oder Misserfolg auch nicht daran festmachen, ob der eine oder andere mehr oder weniger Besucher hat. Wir planen langfristig, und wir glauben, dass Berlin als Standort für die Gesundheits- und IT-Wirtschaft so attraktiv ist, dass sich die Smart Health Europe etablieren wird.

 

Was macht die Attraktivität von Berlin aus?

Berlin bietet einen sehr guten Zugang zu sowohl deutscher als auch europäischer Politik, und wir haben mit dem bitkom einen Partner, der diese Zugänge besser hat, als jeder andere. Es ist eine Sache, Minister auf die Bühne zu holen, eine andere ist es, die operative politische Ebene eng einzubinden. Wir machen das mit dem bitkom und anderen Partnern bereits sehr erfolgreich im Bereich öffentliche Verwaltung bei der Smart Country Convention. Die hat sich relativ rasch als führendes Event für Verwaltungsdigitalisierung etabliert. Ich glaube schon, dass wir uns da für den Bereich Gesundheits-IT einiges abschauen können. Berlin hat, was die Nähe zur Politik angeht, strategische Vorteile. Und noch einmal: Das Team, das seit Jahren die DMEA zu dem gemacht hat, was sie heute ist, ist unser Team hier in Berlin. Diese Erfahrung, dieses Vertrauen und die Karte der politischen Vernetzung wollen wir spielen.

 

Das Interview führte Philipp Grätzel von Grätz