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Medizin |

ePA-Ausbau soll schneller gehen

Die elektronische Patientenakte (ePA) muss den Kinderschuhen entwachsen. Unter anderem ein eImpfpass wird schmerzhaft vermisst.

Das Panel „ePA im Praxistest: Chancen, Hürden und nächste Schritte“, moderiert von Verena Holtz (BITMARCK) auf der Digital Health Conference 2025. Unter dem Motto „Rückenwind für die ePA“ sprachen Helmut Gerhards (DAK-Gesundheit), Dr. Ahmed Khalifa (MSD Deutschland), Dr. Thomas Pauls (Deutscher Bundestag) und Dr. med. Kristina Spöhrer (Hausärztinnen- und Hausärzteverband) darüber, wie verschiedene Akteure die Transformation der Versorgung durch die ePA beschleunigen können.; Foto: BITMARCK

 

Seit rund sieben Wochen müssen ambulante Ärzt:innen die ePA in ihrem Versorgungsalltag nutzen. Macht sich das schon bemerkbar? Bei der Digital Health Conference des bitkom hatte Verena Holtz von der Bitmarck Holding einige Anwenderzitate im Gepäck, die illustrieren sollten, dass die ePA in der Versorgung bereits ankommt. Vor allem die Medikationsliste erhält demnach gute Noten. Sie helfe bei der Schlaganfallversorgung zu erkennen, ob ein Blutverdünner im Spiel sei, so ein Krankenhausarzt. Und ein ambulanter Kollege berichtete von einer hypertensiven Entgleisung, bei der anhand der Medikationsliste erkannt wurde, dass die blutdrucksenkenden Medikamente nicht eingenommen worden waren.

 

Ärzt:innen wollen strukturierte Daten und Volltextsuche

Die ePA auf der Überholspur also? Für den niedergelassenen Arzt Dr. Klaus Reinhardt ist diese Darstellung ein bisschen zu rosarot: „Wir sind Lichtjahre davon entfernt, mit der ePA schon qualifiziert arbeiten zu können“, so der Präsidenten der Bundesärztekammer. „Wir befinden uns bestenfalls am Beginn eines Transformationsprozesses.“ Dr. Kristina Spöhrer, Sprecherin Digitales im Bundesvorstand des Hausärzteverbands, sieht das ähnlich. Die ePA biete eine Riesenchance, die Zersplitterung des deutschen Gesundheitswesens „wieder einzufangen“. Genutzt werde diese Chance bisher aber nicht.

 

Die Ärzteschaft wünsche sich vor allem strukturierte Daten, so Spöhrer. Dass es so lange dauere, bis Labordaten strukturiert zur Verfügung gestellt würden, sei nicht nachvollziehbar. Dass Politik und gematik bei der ePA offenbar in großem Umfang auf PDF-Dokumente setzen wollen, ohne eine funktionierende Volltextsuche anzubieten, hält sie für schwer kommunizierbar: „Wir haben schon 2022 formuliert, was unsere Anforderungen an eine ePA sind, die in der Versorgung hilft. Vieles, was wir damals aufgeschrieben haben, ist leider immer noch aktuell.“

 

Der eImpfpass für die ePA ist derzeit auf dem Abstellgleis

Lichtblicke gibt es, doch die sind (noch?) außerhalb der ePA zu finden. Frank-Helmut Gerhards, CDO der DAK Gesundheit, berichtete von einem digitalen Versorgungsprojekt, das die Krankenkasse gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und dem Pharmaunternehmen MSD umsetzt und das darauf abzielt, die Impfquoten bei der HPV-Impfung im Teenager-Alter auf das WHO-Ziel von 90 % zu heben.

 

Die Adressierung der Eltern erfolgt dabei nicht über die ePA, sondern über eine vom BVKJ unterstützte App, die viele Kinderarztpraxen zur Kommunikation mit ihren Patient:innen nutzen. Die ePA käme für so etwas schon deswegen nicht in Frage, weil die ePA-Apps noch viel zu wenig verbreitet sind. Perspektivisch könnten solche Ansprachen über einen elektronischen Impfpass in der ePA erfolgen, doch den gibt es noch nicht.

 

Echte Priorität habe der digitale ePA-Impfpass derzeit nicht, so Verena Holtz. In der Roadmap der gematik stehe das Thema ohne konkrete Einführungszeitschiene im Backlog. Dass der digitaler Impfpass in der ePA-Impfpass politisch nach hinten gerückt ist, bedauerte auch Thomas Pauls, Mitglied im Deutschen Bundestag für die CDU/CSU-Fraktion: „Das wäre schon ein Feature, das schnell für jeden Patienten einen Nutzen stiften könnte.“ Dabei gehe es nicht nur um Erinnerungen an Impfungen, sondern auch um Möglichkeiten der direkten Terminbuchung. Auch eine Verknüpfung mit den Reiseimpfempfehlungen des Auswärtigen Amts könne hilfreich sein.