E-HEALTH-COM ist das unabhängige Fachmagazin für Gesundheitstelematik, vernetzte Medizintechnik , Telemedizin und Health-IT für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Mehr

Für das ePaper anmelden

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden

Anmelden

Passwort vergessen?

Vernetzung |

Ersteinschätzung soll verbindlich werden

NRW prescht einmal mehr voran: Gesundheitsminister Laumann präsentiert ein 15-Punkte-Papier für die neue ambulante Versorgung.

Karl-Josef Laumann – Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen Foto: © Land NRW / Ralph Sondermann

 

Bei der Krankenhausreform gefiel sich Nordrhein-Westfalen als Schrittmacher für die Bundespolitik. Wird das bei der ambulanten Gesundheitsreform ähnlich? In einem 15-Punkte-Papier hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann jetzt zumindest vorgelegt. Das Papier greift eine Menge der Punkte auf, die im Zusammenhang mit der Etablierung eines Primärversorgungssystems auch in Berlin diskutiert werden, dort aber noch unkonkret.

 

Steuern mit 116117 und Versorgen mit Teamstrukturen

Entscheidend, so Lauman, seien eine gezielte Steuerung, klare Zuständigkeiten und eine verbindliche Anlaufstelle für Patient:innen im Gesundheitswesen durch Primärversorgungspraxen. Konkret soll der Weg in die ambulante medizinische Versorgung über eine verbindliche Ersteinschätzung erfolgen, die dann Grundlage der weiteren Steuerung ist. Stattfinden soll dies auf der 116117 Plattform. Nordrhein-Westfalen geht damit den Weg, den unter anderem die KV Niedersachsen mit der 116117 vorgezeichnet hat, dort allerdings bisher nur im Rahmen des Notdienstes.

 

Jenseits der Ersteinschätzung will Laumann Primärversorgungspraxen – „PVP“ – mit einem klar definierten Auftrag für eine koordinierte Versorgung etablieren, inklusive Überweisungssystem für die fachärztliche Behandlung. Hier fällt, wie auch bei der Kommunikation von Nina Warken, auf, dass konsequent nicht von „hausärztlicher Versorgung“, sondern von Primärversorgung gesprochen wird. Das ebnet den Weg für neuartige Strukturen, die die klassische hausärztliche Einzelpraxis insbesondere in strukturschwachen Regionen ergänzen sollen. „Teamstrukturen“ ist der Begriff, den die Landesregierung von NRW in diesem Zusammenhang nutzt.

 

Laumanns 15-Punkte-Plan: Die Highlights

  •         Das strukturierte Ersteinschätzungsverfahren soll verpflichtend sein, und die Ergebnisse des Verfahrens für alle Beteiligten verbindlich. Die 116117 wird als „Ideallösung“ bezeichnet, das Papier schreibt allerdings nicht, dass es zwingend die einzige Plattform bleiben muss. Um das Ersteinschätzungsverfahren fit für ein Primärversorgungssystem zu machen, soll das für die Notdienstversorgung genutzte SmED („Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland“) entsprechend weiterentwickelt werden. Angedockt werden an die 116117-Plattform soll eine nachgelagerte Plattform für weiterführende regionale Versorgungsangebote.

  •         Perspektivisch soll über die 116117 auch ein ePA-Zugriff möglich werden.

  • Primärversorgungspraxen sollen gesetzlich verankert werden. Die Entscheidung für eine PVP soll auf Seiten der Patient:innen kein aufwändiges Einschreibungsverfahren erfordern, anders als bei Hausarztverträgen.

  • Der G-BA soll einen Leistungskatalog für die PVP erstellen, mit definierten Aufgaben wie Terminkoordination, Case Management sowie Mindestanforderungen.

  • Die fachärztliche Versorgung ist im GKV-Kontext zwingen an die PVP gekoppelt. Ausnahmen: Gynäkologie, Pädiatrie, Psychotherapie und Vorsorgen.

  • Teamstrukturen in PVP sollen mit klaren Delegationsregeln rechtssicher hinterlegt werden. Die Rolle von VERAH, NäPA und anderen flankierenden Berufen soll gestärkt werden.

  • Chroniker-Überweisungen sollen vier Quartale gelten, nicht nur eines, um die Versorgungsbürokratie zu reduzieren.

  • Standardisierte Versorgungspfade sollen mit Hilfe von Fachgesellschaften formuliert und dann im Versorgungssystem transparent implementiert werden.

 

 

Breite Unterstützung im NRW-Versorgungssystem

Das Eckpunktepapier hat Laumann im NRW-Versorgungssystem politisch tief verankert. Anders als bei typischen Eckpunktepapieren auf Bundesebene wird die offizielle Pressemitteilung des Ministeriums wird explizit mitgetragen von beiden NRW-KVen, von einer breiten Koalition an Krankenkassen und auch vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband in beiden KV-Bezirken. Mit anderen Worten: Das ist deutlich mehr als nur eine ministerielle Absichtserklärung.

 

Weitere Informationen:

Themenseite Ambulante Versorgung zukunftsfest gestalten der Landesregierung NRW:

Ambulante Versorgung zukunftsfest gestalten | Mit Menschen für Menschen.



15-Punkte-Papier der Landesregierung NRW zur Zukunft der ambulanten Versorgung:

Ambulante Versorgung zukunftsfest gestalten. Eckpunkte für das Gelingen eines Primärversorgungssystems



E-HEALTH-COM Podcast mit Thorsten Schmidt, KV Niedersachsen, zur 116117 als Steuerungsplattform im Notdienst:

https://e-health-com.de/e-health-com-podcast/