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Großes Digitalisierungsprojekt für Leitlinien

Bild: © everythingpossible

Die deutschen medizinischen Fachgesellschaften wollen bis 2022 ihre Leitlinien digitalisieren – unter Einsatz internationaler Standards und Terminologien.

 

Wenn es um hohe inhaltliche Qualität digitaler Gesundheitsanwendungen geht, führt an den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften kein Weg vorbei. In Deutschland werden qualitativ hochwertige Leitlinien unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erstellt, publik gemacht und aktualisiert.

 

Bisher handelt es sich dabei um Pdf-Dokumente. Doch jetzt will die AMWF ein großes Digitalisierungsprojekt starten, um ihre Leitlinien in einer Form verfügbar zu machen, die für digitale Anwendungen nutzbar ist. Um den Zugriff auf Leitlinien und ihre Nutzung, aber auch die Transparenz über ihre Entstehung, Aktualisierung und Bewertung zu verbessern, sollen die AWMF-Leitlinien künftig digital erstellt, verwaltet, implementiert und evaluiert werden.

 

Dafür bedarf es einer klaren Struktur für alle Leitlinien. Dazu muss ein Datenmodell entwickelt, und Terminologien und Schnittstellen müssen definiert werden. „Dies wird Leitlinienautoren spürbare Arbeitserleichterungen schaffen, indem sie bereits existierende digitale Anwendungen nutzen können – beispielsweise für die Bewertung der Evidenz und die Konsensfindung über alle beteiligten Fachdisziplinen“, betont Professor Dr. med. Ina B. Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi). Es helfe aber auch dabei, einzelne Aspekte in Leitlinien schneller zu aktualisieren oder Aussagen über mehrere Leitlinien hinweg durchsuchbar zu machen.

 

Ein besonders großer Nutzen ergibt sich bei der Implementierung des Leitlinienwissens. Ziel des Digitalisierungsprojektes der AWMF ist es auch, Leitlinien oder Leitlinienkomponenten über Systemgrenzen hinweg nutzbar zu machen. Leitlinienwissen ließe sich dann unmittelbar in digitalen Informationsangeboten wie Arztinformationssystemen oder einrichtungsinternen Behandlungspfaden oder Lernplattformen einbinden.

 

Das Leitlinienwissen wäre außerdem optimal für Apps zu nutzen. „So könnten wir ermöglichen, dass in den vielen auf dem Markt befindlichen Gesundheits-Apps verlässliches medizinisches Wissen enthalten ist“, prognostiziert Professor Dr. med. Claudia Spies, Vorsitzende der Ständigen Kommission Leitlinien der AWMF. Bis zum Jahr 2022 soll laut AWMF-Plan die Digitalisierung von Leitlinien umgesetzt sein.

 

Quelle: Pressemeldung AWMF