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Forschung |

Studien finden leicht gemacht

Mit digitalen Infrastrukturen können klinische Studien zugänglicher werden. Die Krebszentren wollen sich der Sache jetzt annehmen.

Prof. Dominik Modest, Direktor des Comprehensive Cancer Centers der Charité Berlin und Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) am Standort Berlin; Foto: © Charité Mariia Streltsova

In Sachen Standort für klinische Studien hat Deutschland in den letzten Jahren an Boden verloren. In der politischen Diskussion wird das oft mit überbordender Bürokratie in Zusammenhang gebracht: Langwierige Ethikvoten, komplizierte regulatorische Vorgaben und absurd individuelle Verträge mit den Studienzentren – das sind wichtige Stichworte.

 

Prof. Dominik Modest, Direktor des Comprehensive Cancer Centers der Charité Berlin und Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) am Standort Berlin, würde dem wahrscheinlich nicht widersprechen. Er hatte aber beim Berlin Summit der Initiative Vision Zero Oncology noch eine weitere Erklärung parat. Er habe, so Modest, vor Kurzem mit einem spanischen Kollegen gesprochen über die Frage, warum klinische Studien dort so viel schneller rekrutierten.

 

Spanien gilt europaweit als der derzeit attraktivste Standort für klinische Studien. Die Antwort auf seine Frage sei ein Augenöffner gewesen, so Modest: Patient:innen mit Krebs suchten sich in Deutschland ihre onkologischen Versorger:innen, sagte der spanische Kollege. In Spanien dagegen suchten sie sich ihre klinische Studie: „Wenn man das mal verstanden hat, dann ist man drei Schritte weiter“, betonte Modest.

 

Nun gibt es natürlich auch in Deutschland Studiendatenbanken. Die funktionieren aber nicht sehr gut. Zum einen findet sie niemand, zum anderen sind die dort gelisteten Studien oft gar nicht mehr aktuell: „Wir brauchen letztlich in jeder Studienzentrale eine Struktur, die Studien an- und ausswitcht, damit wir zu belastbaren Datenbanken kommen, die darüber informieren, welche Studien aktuell verfügbar sind“, so Modest. Dies sei ein zentrales Anliegen, das eine Arbeitsgruppe der Comprehensive Cancer Centers derzeit vorantreibe.

 

Nur weil Studien aktuell sind, werden sie freilich noch nicht automatisch gefunden. Hier sieht Modest eine Rolle für KI-Sprachmodelle, die aktuelle Studiendatenbanken durchwühlen und mit individuellen Patientendaten abgleichen könnten. Den Einwand, dass die derzeitige digitale Dokumentation das noch nicht hergebe, ließ Modest nicht gelten. Es gehe nicht darum, Patient:innen abschließend für eine Studie zu rekrutieren, sondern darum, sie mit einigen zentralen Einschlusskriterien als Kandidat:innen für ein Screening zu identifizieren: „Erkrankung, Erkrankungsstadium und molekulare Subgruppe reichen schon für ein Matching. Ob dann wirklich eingeschlossen wird, ist eine andere Frage.“