Die Bundesregierung plant mit dem im Koalitionsvertrag angekündigten Primärversorgungssystem eine grundlegende Reform der ambulanten Versorgung. Hausärzt:innen sollen künftig den Zugang zu Fachärzt:innen steuern – ergänzt durch eine digitale Ersteinschätzung und eine Termingarantie. Doch die hausärztliche Versorgung steht selbst unter Druck: Es fehlt an Nachwuchs und viele Patient:innen sind schon heute nicht mehr an eine Hausarztpraxis angebunden. Ohne die gleichberechtigte Einbindung digitaler Lösungen droht das Primärversorgungssystem zum Engpass zu werden.
Der SVDGV schlägt daher einen ergänzenden Versorgungspfad vor, der Patient:innen entlang ihres individuellen Behandlungsbedarfs begleitet und auf digitalen Lösungen aufbaut. Dieser beginnt mit einem niedrigschwelligen digitalen Zugang über interoperable, anbieter- und technologieoffene Plattformen und einer strukturierten Ersteinschätzung. Darauf folgt nach Möglichkeit eine telemedizinische Behandlung oder alternativ eine Vor-Ort-Versorgung, die konsequent durch digitale Anwendungen wie Videosprechstunden, DiGA und Telemonitoring unterstützt wird. Sowohl auf Grundlage einer strukturierten digitalen Ersteinschätzung als auch im Rahmen telemedizinischer und hausärztlicher Behandlungen ist eine digitale Weitervermittlung in die fachärztliche Versorgung vorgesehen. Diese ist als hybrides Modell aus persönlicher und digitaler Betreuung ausgestaltet.
„Das Primärversorgungssystem der Zukunft ist digital, interoperabel und patientenzentriert", erklärt Dr. Paul Hadrossek, Vorstandsvorsitzender des SVDGV. „Nur durch die gleichberechtigte Einbindung von privaten und öffentlichen Akteuren wird es möglich, eine flexible, effiziente und nachhaltige Gesundheitsversorgung zu schaffen, die den Bedürfnissen der Patient:innen gerecht wird und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlastet", so Hadrossek weiter.
Zum vollständigen Positionspapier „Primärversorgung digital denken – digital vor ambulant vor stationär":
Quelle: SVDGV
