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Medizin |

Weniger Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte bei Crohn und Colitis

In einer großen, randomisierten Studie hat das Telemedizinprogramm myIBDcoach bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte reduziert. Wichtige Krankheitsparameter blieben dagegen unverändert.

Die Ergebnisse der Studie, an der 909 Patienten in den Niederlanden teilgenommen hatten, wurden jetzt hochrangig in der Fachzeitschrift Lancet publiziert. Das Telemedizinprogramm myIBDcoach beinhaltet eine kontinuierliche Überwachung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) hinsichtlich Krankheitsaktivität, Adhärenz und Lebensstil und enthält außerdem Edukations- und Coaching-Elemente.

Die Ergebnisse sind an sich recht erfreulich: Patienten in der Interventionsgruppe besuchten innerhalb von 12 Monaten im Schnitt 1,55 Mal eine CED-Spezialambulanz. Das war signifikant weniger als in der Kontrollgruppe, wo die Patienten den Arzt im Mittel 2,34 Mal aufsuchten. Auch bei den Krankenhauseinweisungen erreichte der Unterschied mit 0,05 versus 0,1 pro Patient und Jahr das statistische Signifikanzniveau. Das Ganze wurde bei hoher Patientenzufriedenheit erreicht: Die Qualität der medizinischen Versorgung in der Patientenbewertung unterschied sich nicht.

Als kleiner Wermutstropfen dürfte von vielen angesehen werden, dass es keine Unterschiede bei CED-typischen, erkrankungsbezogenen Endpunkten gab. Die Patienten in der Interventionsgruppe hatten nicht weniger Schübe, sie brauchten nicht weniger Kortison, sie kamen auch nicht seltener in die Notaufnahme und wurden nicht weniger operiert. Bleibt die Frage, ob die Versorgungsoptimierung mit weniger Arzt- und Klinikaufenthalten nicht ein Wert an sich ist, der eine Einführung eines solchen Programms rechtfertigen würde.

Studienzusammenfassung: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)31327-2/fulltext