Knapp ein Jahr nachdem sich der Agaplesion-Konzern mit der Gründung eines einrichtungsübergreifenden Zentralen Dienstes KI zu einem der KI-Vorreiter in der hiesigen Krankenhauswelt gemacht hat, gab es beim Meeting am Mountain der Digital Avantgarde in Rottach-Egern einen Zwischenbericht zu dem ehrgeizigen Unterfangen. Fabian Lechner, Leiter des Zentralen Dienstes, berichtete von hohem Interesse in den diversen Häusern und Abteilungen des Konzerns: „Wir müssen die Leute nicht mehr motivieren. Die ‚Pain‘ von Finanzierung und Personalmangel treibt sie uns zu.“
KI-Landschaft soll überschaubar bleiben
Der Zentrale Dienst ist so aufgestellt, dass gemeinsam mit den Kliniken und Abteilungen potenziell interessante Anwendungen ausgewählt und dann pilotiert werden: „Wir werden nichts einführen, was wir nicht am Laufen gesehen haben“, so Lechner. Verläuft der Pilot überzeugend, dann wird das Tool konzernweit angeboten. Der Zentrale Dienst setzt einen Rahmenvertrag auf, und die Krankenhäuser können sich entscheiden, ob sie aufspringen. Am Ende führt das zu mehr Einheitlichkeit: Wer innerhalb des Konzerns KI bei der Arztbriefschreibung nutzen will, muss dann das pilotierte Tool nehmen. Nur so sei gewährleistet, dass die Anwendungslandschaft nicht unkontrolliert wuchere, was nicht zuletzt den IT-Service überfordern würde, so Lechner.
Das Spektrum der derzeitig in unterschiedlichen Stadien der Evaluation und Pilotierung befindlichen Tools ist relativ breit. Und es hat eine gewisse Schlagseite: „Wir stürzen uns auf medizinische Prozesse“. Neben der Arztbriefgenerierung sind Tools für die Aufenthaltsprognose, für automatische Dokumentation, für die Befundung in der Radiologie und für die Optimierung der Notaufnahmeversorgung in der Pipeline. Auch ein Wissens-Tool für Ärztinnen und Ärzte soll kommen.
Diskussionen mit dem Betriebsrat
Bei der automatischen Dokumentation gibt es aktuell mehrere Pilotprojekte an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Stadien. myScribe wird in Rotenburg evaluiert, corti in Frankfurt, Dragon Copilot in Kassel und IDM in Bergedorf. Auf pflegerischer Seite wird die Spracherkennungs- und Dokumentationslösung von Voize in mehreren Häusern eingeführt, außerdem eine Sturz- und Dekubitusüberwachung.
Im Bereich supportive KI befinde sich derzeit der Microsoft Copilot im Rollout, berichtete Lechner. Der ist nicht ganz billig: 300 Lizenzen zu je 1300 Euro für 3 Jahre werden derzeit ausgerollt. Das Ganze wird begleitet durch umfassende Schulungen potenzieller Nutzerinnen und Nutzer. Wer seine Lizenz zwei Monate nicht nutzt, dem wird sie wieder entzogen, damit sie anderweitig vergeben werden kann. Diese Regelung sei eine Herausforderung gewesen, berichtete Lechner in Rottach-Egern. Es habe intensive Diskussionen mit dem Betriebsrat gegeben – denn der fürchtete Arbeitsüberwachung.
Akzeptanz bleibt herausfordernd
Auch die KI-Entwicklung will der Zentrale Dienst KI stemmen oder zumindest unterstützen. Im Rahmen eines „Agathon“ genannten Start-up-Wettbewerbs wurden zwei Challenges definiert, die von 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Universitäten bearbeitet wurden, mit maximal 26 Stunden Zeit. Einer der Gewinner war Prismedi, eine Echtzeit-Fallprüfung für die Notaufnahme. Mittlerweile wurde ein Unternehmen ausgegründet. Agaplesion übernimmt hier die Rolle des Datenlieferanten und stellt auch Räume und Infrastruktur zur Verfügung.
Bei allen positiven Wasserstandsmeldungen verschwieg Lechner die Schwierigkeiten nicht: „Wir haben ein bisschen Akzeptanzprobleme.“ Auch Schnittstellen zu KIS-Systemen seien ein Thema, außerdem unklare Zuständigkeiten. Bei Letzterem wurde jetzt insofern nachgesteuert, als das bisher beim Controlling angesiedelte Business Intelligence Team seit April stärker mit dem Zentralen Dienst KI vernetzt wird.
