Telemedizin

„Additive Maßnahme zu hochwertiger Versorgung“

© Felix Abraham

20.02.17 · 

Unsere Leser sind nach Lesen des Beitrags zu 0%

Die präklinische Notfallmedizin in Deutschland sollte unter Einbeziehung telemedizinischer Strukturen zukunftsfest gemacht werden. Das fordert die Arbeitsgemeinschaft der Notärzte.

In ihrer jetzt vorgelegten „Standortbestimmung 2016“ äußert sich die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands e.V. (BAND) ausführlich zu nötigen Strukturveränderungen in der präklinischen Notfallmedizin. Es geht dabei um Themen wie Qualifikation, Ausbildung und Qualitätsmanagement, aber auch um die Kommunikation an den Schnittstellen zwischen Einsatzwagen und Krankenhaus und zwischen Einsatzwagen und Leitstelle.

Besonders hervorgehoben wird die konsiliarische Unterstützung des Notarztes am Einsatzort. Entsprechende Infrastrukturen schafften prinzipiell auch die „Möglichkeit für ärztliche Anweisungen an nicht-ärztliches Personal nach telemedizinischer Situationsbewertung durch einen Arzt in der Leitstelle“. Trotzdem möchte die BAND nicht von einem „Telenotarzt“ sprechen, sondern lieber von einer telemedizinischen Unterstützung des Rettungsdienstes.

Ausschließliche Fernbehandlung wird abgelehnt

Ziel sei es nicht, durch Telekonsilsysteme Notärzte zu ersetzen, sondern vielmehr, die Angehörigen des Rettungsdienstes vom Rettungsassistenten über den neuen Notfallsanitäter bis zum Notarzt optimal zu unterstützen. Eine so verstandene Telemedizin ist für die BAND eine „additive Maßnahme zu einer qualitativ hochwertigen präklinischen Versorgung“ von Notfallpatienten. Besondere Bedeutung komme der Telemedizin dabei im Zusammenhang mit so genannten Tracer-Diagnosen zu, also extrem zeitkritischen Erkrankungen, bei denen in Therapie, Zeitmanagement und Auswahl des Zielkrankenhauses möglichst nichts schiefgehen darf.

Die BAND macht in ihrer Standortbestimmung ausdrücklich darauf aufmerksam, dass auch in der Notfallmedizin das Verbot einer ausschließlichen Fernbehandlung gelte. Das Argument, dass ein Notfallpatient ja durch einen Klinikarzt weiterbehandelt werde, rechtfertige nicht eine ausschließliche telenotärztliche Behandlung. Vor diesem Hintergrund sind die Einsatzgebiete der Telemedizin zumindest im deutschen Rettungswesen eher im Bereich der Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes und bei der Abstimmung mit der Zielklinik zu sehen.

Ergänzende Elemente in einem kooperativen Konzept

Insgesamt werden die rasante technische Entwicklung im Bereich Telekommunikation und Datenverarbeitung für den Rettungsdienst von großer logistischer Bedeutung sein, so die Autoren des Papiers. Letztlich gehe es darum, die personellen Ressourcen und auch Ressourcen wie beispielsweise die Hubschrauber flexibler und gezielter zu disponieren: „Notärzte und Notfallsanitäter werden sich ergänzende Elemente in einem kooperativen Konzept darstellen“, heißt es im schönsten Beamtendeutsch.

Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


Die etwas andere Befragung: Wie ist Ihr Gemütszustand, nachdem Sie diesen Beitrag gelesen haben?
Übermittlung Ihrer Stimme...

Leserkommentare

Keine Kommentare

Kommentar abgeben

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*




*