Health-IT

BMBF: „Realisierbarkeit von SNOMED CT wird geprüft“

12.10.17 · 

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Bekommt Deutschland seine SNOMED CT-Lizenz? Das Bundesforschungsministerium will sich noch nicht festlegen und verweist auf „gesamtstrategische Entscheidungen zur Digitalisierung.“

 

Bei der Jahrestagung der GMDS in Oldenburg wurde der Stand der Medizininformatik-Förderinitiative relativ kritisch diskutiert. Nicht nur von außerhalb der Konsortien, auch von führenden Mitgliedern einzelner Konsortien wurden Zweifel daran geäußert, ob es gelingen werde, die unterschiedlichen insbesondere semantischen Standards, die die geförderten Konsortien nutzen wollen, kompatibel zu machen. Zwar gebe es den Kerndatensatz. Wenn sich die Interoperabilität allerdings darauf beschränke, so der Tenor in Oldenburg, dann wäre das Ziel der dreistelligen Millionenförderung sicher nicht erreicht.

 

BMBF verweist in Sachen Interoperabilität auf das Steuerungsgremium

E-HEALTH-COM hat vor diesem Hintergrund beim Bundesforschungsministerium (BMBF) nachgefragt, inwiefern dort die Probleme mit der konsortialübergreifenden Interoperabilität im Allgemeinen und der in Deutschland nicht verfügbaren Terminologie SNOMED CT im Speziellen ein Thema seien. Das Ministerium verweist auf das Nationale Steuerungsgremium (NSG), das den Prozess der Realisierung einer konsortienübergreifenden Interoperabilität zu realisieren habe. Dies betreffe auch die semantische Interoperabilität. Ein erster Erfolg sei der in der Konzeptphase des Förderprogramms entwickelte Kerndatensatz.

 

„Darüber hinaus wurde ein gemeinsames Vorgehen verabschiedet, nach welchem die Standardisierung von Daten, Prozessen und interoperablen IT-Infrastrukturen betrieben werden sollen. Die Festlegungen sind als Selbstverpflichtungserklärung in Form eines Eckpunktepapiers verfasst, das die Mindestanforderungen, die zur Erreichung der Interoperabilität zu erfüllen sind, festhält. Eine gemeinsam erarbeitete Roadmap legt die Zeit- und Meilensteinplanung fest“, so das Ministerium weiter. Es verweist außerdem auf das geplante externe Audit der Konsortien, das neben der Funktionsfähigkeit der geförderten Lösungen auch deren Interoperabilität bewerten soll.

 

Nur dezent lässt man durchblicken, dass es irgendwann auch einen finanziellen Hebel geben könnte: „Für die Beurteilung des Erfolges der Lösungen und eine mögliche weitere Förderung ist die Erreichung der Interoperabilität ein zentrales Kriterium.“ Das Wörtchen „weitere“ wurde vom BMBF hier allerdings dick unterstrichen. Die aktuellen Fördermittel stehen also nicht nur Disposition.

 

„Intensiver Dialog“ in Sachen SNOMED CT

Was die SNOMED CT-Lizenz angeht, bleibt das Ministerium vage: „Bei den Festlegungen sollen, wo möglich, internationale Standards bzw. Ordnungssysteme zugrunde gelegt und gegebenenfalls auch eine gesamtheitliche Nomenklatur als Referenz genutzt werden“, heißt es in der Stellungnahme. „Wo möglich“ und „gegebenenfalls“ klingt jedenfalls nicht besonders streng. Immerhin: SNOMED CT sei als Referenzterminologie vom NSG inklusive nationaler Lizenz vorgeschlagen worden, so das BMBF. Auch die internationalen Experten hätten das im Rahmen der Konzept-Begutachtungen empfohlen.

 

Aktuell stehe man deswegen im „intensiven Dialog“ mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem (dem BMG unterstellten) Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) und prüfe die Realisierbarkeit einer SNOMED CT-Nutzung in Deutschland: „Die Entscheidung ist eingebettet in einen Abstimmungsprozess mit den involvierten Partnern und steht im Zusammenhang mit anderen gesamtstrategischen Entscheidungen zur Digitalisierung im Gesundheitsbereich“, so das Ministerium abschließend. Was diese Entscheidungen sind, wird nicht gesagt, aber zumindest das BMG macht kein Geheimnis mehr daraus, dass es an einem E-Health-Gesetz II mit Schwerpunkt elektronische Patientenakten arbeitet. Die Vermutung liegt zumindest nahe, dass es hier einen Zusammenhang geben könnte.

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM


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