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Neue PwC-Studie: Öffentliche Krankenhäuser bekommen ihre Finanzen nicht in den Griff

12.06.17 · 

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Trotz des vielbeschriebenen Kliniksterbens haben deutsche Krankenhäuser, insbesondere die öffentliche Krankenhäuser, ihre Prozesse noch nicht effizient genug organisiert, um dem Kostendruck in der Branche gegenzusteuern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Kennzahlen von über 100 deutschen Krankenhäusern durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

 

Demnach lagen in öffentlichen Kliniken die Ausgaben für Personal und Material 2015 bei durchschnittlich 95 Prozent des Umsatzes. Nicht nur die privaten, sondern auch die kirchlichen Krankenhäuser arbeiteten hier deutlich effizienter. Bei ihnen betrug der Aufwand für Personal und Material nur 88 bzw. 89 Prozent. Mit anderen Worten, von 1.000 Euro für die Behandlung von Patienten verblieben öffentlichen Häusern 50 Euro, um beispielsweise Instandhaltungen vorzunehmen. Bei nicht-öffentlichen Häusern waren dies im Schnitt mehr als 100 Euro. 

 

Große Abhängigkeit von externen Geldgebern Da die staatliche Investitionsfinanzierung schon lange nicht mehr den tatsächlichen Investitionsbedarf deckt, müssen die Krankenhäuser einen großen Anteil der notwendigen Investitionen selbst finanzieren. Dazu reichen die eigenen Mittel bei weitem nicht aus und die Abhängigkeit von außenstehenden Geldgebern ist groß. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass die öffentlichen Krankenhäuser rund 43 Prozent ihres Geschäfts mit Fremdkapital (Bank- oder Gesellschafterdarlehen) finanzierten. Zum Vergleich: Die privaten Kliniken kamen mit 32,6 Prozent, die kirchlichen mit 31,2 Prozent aus. Bei dieser hohen Abhängigkeit von finanziellen Mitteln ist es umso erstaunlicher, dass die Krankenhäuser das eigene Cash-Management bei anstehenden Managementaufgaben nicht an die Spitze ihrer Prioritätenliste stellen. Kennzahlen, die über diesen Missstand Auskunft geben, werden kaum analysiert oder seitens der Geschäftsführung nicht strategisch angegangen.

 

Krankenhäuser warten zu lange auf ihr Geld Damit spielt PwC-Experte Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma, unter anderem auf die „Days Sales Outstanding“ (DSO) an – also jene Kennziffer, die beschreibt, wie lange die Krankenhausverwaltungen benötigen, um ihre Forderungen gegenüber den Krankenkassen zu Geld zu machen. Während bei deutschen Unternehmen der durchschnittliche Wert aktuell bei rund 33 Tagen liegt, fällt die DSO im Krankenhausbereich mit rund 48 Tagen deutlich höher aus. Bei öffentlichen Krankenhäusern liegt diese Kennzahl sogar bei knapp 60 Tagen. „Auf den ersten Blick mag das undramatisch aussehen. Tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Kennzahl allerdings eine wesentliche Erklärung, warum viele öffentliche Krankenhäuser immer wieder in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und auf Darlehen von Banken oder vom Gesellschafter angewiesen sind“, sagt Burkhart.

 

Hochgerechnet auf die Grundgesamtheit der zugelassenen Allgemeinkrankenhäuser in Deutschland wiesen die Krankenhäuser Ende 2015 in ihren Bilanzen insgesamt Außenstände aus Zahlungsverzögerungen in Höhe von rund 5,3 Mrd. Euro aus. Betrachtet man das einzelne Krankenhaus, verzichtet dieses aufgrund eigener Defizite im Abrechnungsablauf auf eine jahresdurchschnittliche Liquidität von ca. 2,7 Mio. Euro. Damit geben die Krankenhäuser den Kassen ein zinsloses Darlehen, wobei sie sich zinstragend bei Banken oder Gesellschaftern refinanzieren.

 

Manuelle Prozesse verzögern die Rechnungsstellung Soweit die DSO bei Krankenhäusern über dem bundesdurchschnitt aller Unternehmen liegt, kann dies insoweit in einer späteren Zahlung durch die Krankenkassen begründet sein. Die unterschiedlichen Zeiträume bei verschiedenen Trägern zeigen aber ein hausgemachtes Problem. „Tatsächlich sind die dahinter stehenden Prozesse noch immer so manuell und langsam, dass die Rechnungen regelmäßig zu spät erstellt werden“, sagt Burkhart. Problematisch dabei ist, dass die erbrachten Umsätze zutreffenderweise bereits buchhalterisch erfasst sind, die Rechnungen aber mangels vielfältiger Umstände noch gar nicht erstellt sind und damit den Krankenkassen auch noch nicht vorliegen.

 

Das Fazit von PwC-Experte Burkhart lautet: „Unser Eindruck ist, dass häufig der zweite Schritt vor dem ersten gemacht wird. Überall wird gebaut oder renoviert und vielerorts schließen sich kommunale Träger zu größeren Verbünden zusammen. Dabei ist es zwar grundsätzlich sinnvoll, über größere Einheiten nachzudenken. Allerdings wird zu wenig Augenmerk darauf gelegt, die internen Abläufe in der Verwaltung zu optimieren und ein Kennzahlensystem in der Verwaltung zu implementieren.“

 

Die vollständige Studie finden Sie zum kostenlosen Download unter:

www.pwc.de/de/gesundheitswesen-und-pharma/krankenhausbenchmark-kennzahlen-170601.pdf


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