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Medizin |

Durchbruch für die Intensivversorgung

Der G-BA hat die intensivmedizinischen Zentren auf den Weg gebracht. Warum das revolutionär ist, erläutert Gernot Marx vom Universitätsklinikum Aachen.

Prof. Gernot Marx, Universitätsklinikum Aachen; Foto: © UK Aachen

In der COVID-Pandemie hat sich die Teleintensivmedizin bewährt, das haben alle mitbekommen. Schon vorher wurde sie in den beiden Innovationsfondsprojekten TELnet@NRW und ERIC evaluiert. Beide Projekte haben die Ergebnisse ihrer jeweiligen Studien hochrangig publiziert und den Innovationsausschuss damit überzeugt. Entsprechend entschied der G-BA am 19. Oktober 2023, dass es künftig Zentren für Intensivmedizin in Deutschland geben wird.

 

Kliniken, die die sehr umfangreichen und fordernden Kriterien des G-BA erfüllen, können den Zentrumszuschlag beantragen, wenn sie dafür die entsprechenden Zentrenaufgaben wahrnehmen. Was heißt das konkret? Es geht um die Übernahme einer Mentorenfunktion für andere Kliniken durch regelmäßige, fallunabhängige Qualitätszirkel, um das Angebot von Fort- und Weiterbildung für vernetzte Krankenhäuser und ganz wesentlich um die Beratung von intensivmedizinischen Kolleginnen und Kollegen in telemedizinischen Fallkonferenzen und Visiten.

 

Die Initiative für die intensivmedizinischen Zentren sei von der Intensivmedizin selbst ausgegangen, erläuterte Prof. Gernot Marx vom Universitätsklinikum Aachen im Gespräch mit E-HEALTH-COM. Nachdem die Netzwerke der Pandemie in die intensivmedizinischen digitalen Versorgungsnetzwerke (IDV) überführt wurden und diese letztlich den Herz- und Lungenzentren zugeschlagen wurden, sei eine Lücke entstanden, die jetzt gefüllt werden könne: „Intensivmedizin ist interdisziplinär und multiprofessionell, das kann nicht an Organzentren angedockt werden. Durch die Etablierung von Zentren für Intensivmedizin können wir in Deutschland interdisziplinäre Spitzenintensivmedizin flächendeckend anbieten und so eine hochqualitative Versorgung schwerkranker Patientinnen und Patienten dauerhaft sicherstellen. Das ist das Besondere.“

 

Von heute auf morgen wird die Etablierung der neuen intensivmedizinischen Zentren nicht passieren. Die Zentren müssen zunächst in die Landeskrankenhauspläne aufgenommen werden, was einige Monate dauern dürfte. Danach können sich Zentren dann bewerben und werden ausgewählt. Wie viele Zentren Deutschland benötigt, darauf wollte sich Marx nicht festlegen. In Nordrhein-Westfalen sind es derzeit zwei, Aachen und Münster, was eher knapp gerechnet sei. Klar sei aber auch, dass die Anforderungen an die Zentren hoch sind:

„Das werden nicht alle Kliniken erreichen können. Zum Beispiel muss ein ECMO-Team zur Verfügung stehen, das 24/7 in die Region fahren oder fliegen kann, um in anderen Kliniken Patientinnen und Patienten an die ECMO nehmen und dann verlegen zu können. Das ist schon anspruchsvoll. Eine echte 24/7-Telemedizin machen bisher auch die allerwenigsten. Es wird eine relativ hohe Zahl veno-venöser ECMOs gefordert – das ist auch nicht ganz ohne. Und man muss über 1.900 schwerkranke Patientinnen und Patienten dokumentiert haben. Das schaffen nur sehr große Maximalversorger. Aber so ist es ja letztlich auch gedacht.“

 

Weitere Informationen:

Das vollständige Interview mit Gernot Marx lesen sie in der E-HEALTH-COM 1/2024