Haftungsrisiken bei Roboter-Einsatz

Prof. Dr. Dr. Christian Dierks

 

Welche Haftungsrisiken sind eigentlich beim Einsatz von Robotern in der Heilkunde zu beachten?


Auswahl und Einsatz unterliegen zunächst den gleichen Spielregeln wie bei der Anwendung anderer Medizinprodukte. Das Gerät muss dem Stand der Technik entsprechen und in der Anwendung zum Patienten, seiner Verdachtsdiagnose oder der gewählten Therapie passen. Sodann ist zu differenzieren, von welcher Form von Robotern wir hier überhaupt sprechen. Eine Operationsmechanik, die die Bewegungen des Operateurs untersetzt, ist kein Roboter im Sinne der Robotics, denn der interagiert mit der Umwelt, leitet daraus Entscheidungen ab und setzt diese auch um, elektronisch oder mechanisch. Entscheidung und Umsetzung werden ärztlicherseits nicht mehr gesteuert, sondern nur noch veranlasst. So wird die Kausalität im Behandlungsgeschehen unterbrochen.

 

Nach bisherigem Verständnis schlägt das Haftungsrisiko dann auf den Zeitpunkt der Entscheidung zum Einsatz eines Roboters zurück. Zusätzlich haftet der Hersteller für die initial bestehende Ausstattung. Der Anwender als Haftende rkommt bei Produkten mit maschinellem Lernen wieder ins Spiel, wenn er auf die LernprozesseEinfluss nimmt und so die Entscheidungsstrukturen mit prägt. Dies ist ähnlich wie bei der Haftung des Herstellers für Entscheidungen der Software bei selbstfahrenden Autos.

 

Meine Prognose: In ein paar Jahren werden die Haftpflichtversicherungen für von Menschen gelenkte Autos höher sein als die selbstfahrenden. Vergleichbare Effekte werden wir auch in der Medizintechnik sehen, wenn der Einsatz der Robotik zum Standard gehört. Dann haftet, wer den Roboter nicht einsetzt.