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Apotheker wollen die Rezept-App

Die Apotheker kommen aus der Deckung: Sie sollen als „Primus inter Pares“ die Spezifizierung des E-Rezepts koordinieren – und planen eine Rezept-Web-App.

Quelle: © twinsterphoto - Fotolia

Mit dem in Abstimmung befindlichen Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) will die Bundesregierung bekanntlich einige Hindernisse auf dem Weg zum E-Rezept aus dem Weg räumen. So soll die auf Apothekenebene ansetzende „Lex Dr. Ed“ verschwinden, die derzeit Telemedizinanbieter daran hindert, Rezepte auszustellen. Außerdem sollen KBV und GKV Spitzenverband innerhalb von sieben Monaten ab Inkrafttreten des GSAV im Bundesmantelvertrag Regelungen für elektronische Verordnungen treffen, und die gematik ist aufgefordert, bis zum 30. Juni den technischen Rahmen für ein E-Rezept auf der Telematikinfrastruktur zu beschreiben.

 

Gematik: Apotheker sind am Ruder

Die gematik zumindest hat schon einmal angefangen zu arbeiten: Die Gesellschafter haben beschlossen, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) die Einführung des E-Rezepts federführend koordinieren soll, als ein „Primus inter Pares“, wie es der DAV bezeichnet, unterstützt von KBV und GKV Spitzenverband. Dieses Projekt wird jetzt zügig anlaufen müssen, um die gesetzliche Frist zu halten.

 

Allerdings hat Jans Spahn seinen GSAV-Gesetzentwurf so formuliert, dass es nicht erforderlich sein wird, das E-Rezept von Anfang an komplett über die Telematikinfrastruktur abzuwickeln. Das wäre auch gar nicht möglich, denn bis alle Apotheken an der TI sind, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Dafür gibt es auch – anders als bei den Ärzten – (noch?) keine Gesetzesfristen. Vorgesehen zu sein scheint vielmehr eine Art sanften Gleitens in Richtung TI, in Abhängigkeit von deren Verfügbarkeit. Dies hat auch der Abteilungsleiter Digitalisierung im Bundesgesundheitsministerium, Gottfried Ludewig, im Interview mit der E-HEALTH-COM noch einmal unterstrichen.

 

DAV: Apotheker sollen Web-App anbieten

Wie sich die Apotheker die Digitalisierung des Verordnungsprozesses organisatorisch vorstellen, wurde dieser Tage beim DAV-Wirtschaftsforum in Berlin deutlich, wo DAV-Chef Fritz Becker die Pläne des Verbands genauer erläuterte. Das Schreckgespenst scheinen demnach kommerzielle Verordnungsplattformen zu sein, von denen sich die Apotheker nicht abhängig machen.

 

Um das zu verhindern, will der DAV jetzt doch – anders als früher immer wieder betont – eine eigene App in den Markt bringen, die es Patienten ermöglicht, E-Rezepte bundesweit einzulösen und auch Medikamente zu bestellen. Die DAV-App soll von den Apothekern an die Patienten gebracht werden und allen Apotheken wettbewerbsneutral zur Verfügung stehen. Technisch soll es eine „Web-App“ werden, sprich eine mobile Webseite, programmiert in HTML5. Die Finanzierung soll durch die Landesapothekerkammern erfolgen, und die App soll komplett werbefrei sein.

 

Gerda kommt schon.

Einzelne Landesapothekerkammern sind ohnehin schon auf dem Weg in Richtung E-Rezept. Noch in diesem Sommer soll in Baden-Württemberg „Gerda“ starten, ein Online-Rezeptspeicher, der von der NGDA – Netzgesellschaft Deutscher Apotheker entwickelt wird und der vor allem auf das baden-württembergische Telemedizinprojekt „docdirekt“ der KV Baden-Württemberg zielt. Über Schnittstellen sollen Ärzte – vorerst außerhalb der Telematikinfrastruktur – verschlüsselte Rezepte in „Gerda“ ablegen können. Der Patient kann das Rezept dann über eine App oder Desktop-Anwendung einlösen, wo er möchte, und er kann es auch elektronisch weiterleiten.

 

Erste Reaktionen auf die DAV-Initiative zum E-Rezept aus den Reihen der Apothekerschaft fallen positiv aus. Die Initiative proAvO, die sich die Stärkung der Vor-Ort-Apotheken auf die Fahnen geschrieben hat und an der unter anderem BD Rowa, GEHE, NOVENTI und Sanacorp sowie der Wort & Bild Verlag beteiligt sind, hält es für richtig, dass der DAV die Federführung übernimmt. Ziel müsse ein einheitlicher und offener, digitaler Standard für das E-Rezept sein, der nicht nur das Formular abdecke, sondern auch Warenwirtschaft und Themen wie Lieferfähigkeit umfasse. Um diesen Branchenstandard zu erreichen, müsse der DAV jetzt auf alle relevanten Markteilnehmer zugehen, am besten in Form eines Runden Tischs.