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Health-IT |

DVMD fordert stärkere Einbindung des medizinischen Informations-Managements in die Gesundheitspolitik

Verband bemängelt geringen Einsatz von Dokumentations- und Informationsmanagern in der Corona-Politik

Spätestens in der Covid-19-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig verlässliche, konsistent erhobene, präzise Daten im Gesundheitswesen sind und welchen Stellenwert der Digitalisierungsgrad bei Gesundheitsämtern, Pflegeeinrichtungen und Ärzten in puncto kurzfristiger Verfügbarkeit von epidemiologischen Daten hat. Verlässliche Daten sind eine Grundvoraussetzung für solide Entscheidungen der Politik. Der Fachverband für Dokumentation und Informationsmanagement in der Medizin e.V. (kurz: DVMD) weist daher erneut auf die Bedeutung des Einsatzes von Fachkräften hin, die auf die professionelle Erhebung und Auswertung von Daten spezialisiert sind. Der Verband warnt zudem, dass eine moderne, IT-basierte Ausstattung alleine nicht ausreiche, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben. Es bedürfe vor allem Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die im Umgang mit der IT und dem Datenmanagement geschult seien.

 

Obwohl es in Deutschland seit Jahrzehnten eine Reihe von Ausbildungen und Studiengängen für medizinische Informationsmanager gibt (https://dvmd.de/beruf-bildung), ist ihr Einsatz besonders im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), aber auch in der Medizinwirtschaft, noch unterrepräsentiert. Die Gründe dafür sind vielfältig: „Zum einen ist die breite fachliche Qualifikation dieses Berufsbildes noch nicht hinreichend bekannt“, erklärt Katharina Mai, Geschäftsführerin des DVMD. Der Verband fordert daher die Politik auf, gemeinsam mit den betreffenden Verbänden und Fachgesellschaften Transparenz in der Ausbildungs- und Studienlandschaft zu schaffen und eine zentrale Plattform zu entwickeln, die Unternehmen Orientierung bietet, um schnell und zielsicher verfügbares und qualifiziertes Fachpersonal zu finden.

 

Darüber hinaus macht der DVMD seit Jahren darauf aufmerksam, dass die sukzessive Abschaffung schulischer Ausbildungen im medizinischen Informationsmanagement kontraproduktiv zur derzeitigen Entwicklung ist. Zudem fordert der DVMD u. a. eine Ausbildungsvergütung wie in allen anderen Gesundheitsberufen sowie ein attraktives, leistungsgerechtes Gehalt (s. https://dvmd.de/wp-content/uploads/2019/03/Positionspapier_Ausbildung_medizinisches_Informationsmanagement_final.pdf).

 

Die aktuell bedeutendste Lücke sieht der DVMD jedoch in Zeiten der Corona-Pandemie in der geringen Beschäftigung von Fachkräften des medizinischen Informationsmanagements im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Neben dem Einsatz von veralteter IT stellen fehlende Informationsmanager:innen eine der größten Herausforderungen in der Datenaufbereitung dar. Die für die personelle Aufstockung erforderlichen Gelder hat der Bund bereits zur Verfügung gestellt. Der DVMD rät dringend, Fachpersonal aus dem Bereich medizinische Dokumentation bzw. Informationsmanagement in diese Personalaufstockung einzubeziehen und den Sachverstand des DVMD bei der Ausgestaltung und Einführung von Digitalisierungsprozessen im Gesundheitswesen zu nutzen.

 

Annett Müller, Vorsitzende des DVMD, fasst den Status im Gesundheitswesen wie folgt zusammen: „Wir wissen seit Langem, dass es für die Therapieforschung, die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten, aber auch für die Nachverfolgung von Infektionen Spezialisten mit einem breiten Wissen in Medizin, Dokumentation, Informatik und Statistik bedarf. Genau dieses Profil weisen Fachkräfte aus dem Bereich des medizinischen Informationsmanagements auf und stellen die Brücke zwischen der Patientenversorgung, Administration, Forschung und Informationstechnologie dar.“

 

Die vollständigen Handlungsempfehlungen des DVMD sind auf der Website des Verbands in einem Positionspapier zusammengefasst: https://dvmd.de/publikationen/positionspapiere-curricula/.

 

Quelle: DVMD