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Kanzleramt: „Digitalisierung im Gesundheitswesen wird Hauptthema“

Wie lässt sich die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens besser koordinieren? Im Gespräch mit E-HEALTH-COM plädiert Kanzleramtsminister Helge Braun für neue Entscheidungsprozesse und für Modellprojekte mit SNOMED CT.

 

Mit der Ankündigung des ersten Entwurfs eines Digitalisierungsgesetzes für Mitte 2019 hat sich die deutsche Gesundheitspolitik unter Druck gesetzt. Allen ist klar, dass das ein großer Wurf werden muss, wenn sich Deutschland bei diesem wichtigen Zukunftsthema nicht noch weiter abhängen lassen will. Immerhin: Das Thema ist mittlerweile politisch ganz weit oben angekommen: „In einem der nächsten Digitalkabinette wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen das Hauptthema sein“, betonte Kanzleramtminister Dr. Helge Braun im Gespräch mit E-HEALTH-COM. „Medizin und Gesundheit sind sicherlich einer unserer großen inhaltlichen Schwerpunkte“, so der Minister und Arzt, der eine Zeitlang auch Staatssekretär im Bundesforschungsministerium war und dort Digitalisierungsprojekte wie das Notaufnahmeregister AKTIN vorangetrieben hat.

 

„Wir brauchen einen Prozess, den es so noch nicht gibt“

Braun hat sich gegenüber E-HEALTH-COM zu einer Reihe heikler Fragen geäußert, die sich in den nächsten Monaten stellen werden. Dass in den derzeitigen Gesprächen über elektronische Patientenakten Organisationen mit inhaltlichem Knowhow und sektorübergreifendem Standing nicht vorkämen, sei ein relevantes Problem: „Wir haben im Kanzleramt kürzlich mit dem Gesundheitsministerium, dem Forschungsministerium und mit Vertretern der Universitätsklinika zusammengesessen und uns Gedanken gemacht über die Frage: Wie muss das in Zukunft funktionieren? Ich glaube, dass wir bei der Frage, wie wir Daten strukturieren, einen ganz grundlegenden Prozess brauchen, den es so bis jetzt noch nicht gibt.“

 

Braun warnte freilich auch davor, den neuen Prozess so groß anzulegen, dass er schon allein in der Vorbereitung ein Jahrzehnt koste: „Es muss darum gehen, zunächst einen Nukleus zu finden und dann zu versuchen, Gesundheitsdaten generell so zu strukturieren, dass sich daraus für die Qualitätssicherung, für die Verbesserung der Versorgung und für die Forschung Informationen gewinnen lassen.“ Ob entgegen dem Letter of Intent von KBV und GKV Spitzenverband eine eigene Instanz geschaffen wird, die sich um semantische Standards im Gesundheitswesen kümmert, sei in der Bundesregierung bisher noch nicht abschließend entschieden. Braun wies allerdings darauf hin, dass im Gesundheitsministerium derzeit eine Abteilung aufgebaut werde, die sich gezielt um die Digitalisierung kümmert: „Da würde ich vermutlich so eine Funktion verortet sehen“, so der Minister.

 

SNOMED CT: „Modellhafte Erprobung denkbar“

Braun äußerte sich auch zu dem eng mit semantischen Standards zusammenhängenden Thema einer nationalen Lizenz für die Terminologie SNOMED CT. Das AKTIN-Projekt kämpft – wie auch die Medizininformatik-Initiative – derzeit mit dem Thema semantische Standards, weil es SNOMED CT in der breiten Versorgung – anders als in den Anfängen, als es noch ein Forschungsprojekt war – ohne diese Lizenz nicht nutzen darf. Länder wie Österreich und die Schweiz, die bei den übergreifenden elektronischen Patientenakten weiter sind als Deutschland, setzen konsequent auf SNOMED CT, angloamerikanische Länder ohnehin. Und auch die deutsche Medizininformatikinitiative will SNOMED CT nutzen, stößt damit bisher aber auf politisches Granit.

 

Der Kanzleramtsminister deutet jetzt zumindest an, dass die Rufe nicht ungehört bleiben: „BMG und BMBF beschäftigen sich sehr intensiv mit Terminologien wie SNOMED CT und sind sich über die Notwendigkeit einer semantischen Terminologie, die international auf breite Akzeptanz stößt, einig. Um den Einstieg in Terminologien wie SNOMED CT in Deutschland zu gestalten, ist es denkbar, diese modellhaft zu erproben.“

 

Das vollständige Interview mit Kanzleramtsminister Helge Braun lesen Sie in der E-HEALTH-COM 1/2019, die am 20. Februar 2019 erscheint.

 

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM