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Vernetzung |

Neue Liaison: KV-Connect verlobt sich mit Smartphone-Akten

© Miceking - Fotolia

Es geht einen Schritt voran: Ab Januar können Ärzte, die KV-Connect nutzen, Dokumente in die elektronische Gesundheitsakte TK-Safe der Techniker Krankenkasse einspielen. Für die Vivy-Akte ist Ähnliches geplant.

 

Während in Berlin die Veröffentlichung der Gematik-Spezifikation für die elektronische Patientenakte nach §291a kurz bevor steht, treiben die Krankenkassen ihre Aktenprojekte weiter voran und bereiten sie gleichzeitig auf eine Migration in Richtung Telematikinfrastruktur vor. Dazu gehört auch eine Anbindung ambulanter Ärzte.

 

Die Techniker Krankenkasse hat jetzt angekündigt, dass deren von IBM entwickelte Gesundheitsakte TK-Safe ab Januar über KV-Connect (indirekt) mit Praxis-IT-Systemen kommunizieren soll. Diese „KV-Connect Mobile“-Anbindung ist auch für die Vivy-Akte von DAK, IKK und Allianz geplant.

 

Auch andere App-Anbieter können KV-Connect Mobile nutzen

KV-Connect ist ein Kommunikationsstandard der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der in jedem Praxis-IT-System angelegt ist, den der Arzt aber aktivieren (und zumindest teilweise bezahlen) muss, um ihn nutzen zu können. Laut KBV ist KV-Connect bisher deutschlandweit bei rund 12000 Ärzten im Einsatz. KV-Connect ist nicht zu verwechseln mit dem derzeit noch deutlich weiter verbreiteten Kommunikationsstandard KV-SafeNet.

 

Auf Basis von KV-Connect hat die KV Telematik in den letzten Monaten eine Schnittstelle für die Kommunikation zwischen Praxis-IT-Systemen und Apps auf Mobilgeräten entwickelt. Mit der Anbindung von TK-Safe soll diese Schnittstelle jetzt erstmals für Krankenkassenakten zum Einsatz kommen. „TK und Vivy werden voraussichtlich die ersten Nutzer der neuen Schnittstelle sein. Wir hoffen aber, dass es neben der Aktenkommunikation weitere Anwendungsfälle von App-Anbietern für Ärzte geben wird“, betonte KV Telematik-Chef Florian Fuhrmann gegenüber E-HEALTH-COM.

 

Ein Clou an der Sache besteht darin, dass für den Dokumentenexport über die KV-Connect Mobile-Schnittstelle kein Update der Praxis-IT nötig ist. Dies sei bewusst so gestaltet worden, um es den Praxis-IT-Herstellern so einfach wie möglich zu machen, betonte Fuhrmann. Eine Implementierung in der Praxis-IT kann allerdings den Komfort der Nutzung erhöhen. So ist auf Ärzteseite eine Eingabe der Patienten-E-Mail-Adresse nötig, was unterschiedlich umgesetzt werden kann.

 

In Zukunft ist auch bidirektionale Kommunikation geplant

Der Funktionsumfang der KV-Connect Mobile-Verbindung mit der TK-Safe-Akte soll in mehreren Schritten erweitert werden. In einem ersten Schritt können Ärzte, die KV-Connect nutzen, Dokumente in Form des elektronischen Arztbriefs bzw. als Anhang an die TK-Safe-Akte schicken. Dies geschieht in den Praxis-IT-Systemen über das eArztbriefmodul via KV-Connect. In einem zweiten Schritt wird dann die Möglichkeit geschaffen, Bilddokumente und strukturierte Daten zu übertragen. In einigen Praxis-IT-Systemen funktioniere das auch von Beginn an, so Fuhrmann. Dabei werden strukturierte Daten über den eArztbrief und Bilder als Anhang übermittelt. Andere Systeme beherrschen dagegen bisher nur Pdf-Dokumente.

 

Schließlich soll in einer weiteren Ausbaustufe auch die Kommunikation in umgekehrter Richtung, vom Patienten/Versicherten zum Arzt, ohne Einschränkungen möglich werden. Ein Termin dafür steht noch nicht fest. Was von Beginn an funktionieren wird ist, dass ein Patient, der einen eArztbrief von seinem Arzt erhält, diesen ohne Veränderungen an einen anderen Arzt mit KV-Connect Anschluss weiterleitet.

 

Da es sich bei KV-Connect im Kern um einen sicheren E-Mail-Dienst handelt, ist von Patientenseite primär eine E-Mail-Adresse erforderlich, an die die Dokumente geschickt werden. Der App- oder Aktenanbieter richtet für den jeweiligen Versicherten eine E-Mail-Adresse ein, die dann als „Eingangstür“ in die Smartphone-Anwendung dient. Beim Arzt müsste diese E-Mail-Adresse dann nur noch eingegeben werden, oder – das ist die Empfehlung der KV-Telematik – die Akte zeig einen entsprechenden QR-Code, der die Mailadresse enthält und nur eingescannt werden muss.

 

Baas: Einfach nur Autobahn wechseln

Klar ist, dass diese Verknüpfung zwischen Ärzten und Akten auf Versichertenseite für den Moment noch genauso wenig mit jener Telematikinfrastruktur zu tun hat, an der die Selbstverwaltung in Gestalt der Gematik werkelt, wie die Handy-Akten der Krankenkassen mit den gesetzlich vorgesehenen elektronischen Patientenakten nach §291a SGB V. Seitens der Kassenärzte gibt es das Bekenntnis, die KV-Infrastruktur auf die Telematikinfrastuktur zu migrieren. Und auch bei den Gesundheitsakten der Krankenkassen ist eine Arzt Migrationspfad geplant.

 

Das wird weder schnell gehen noch unaufwändig sein. TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas sieht die Sache trotzdem relativ entspannt: „Wenn die Telematikinfrastruktur kommt, müssen die Daten nur von der einen Datenautobahn auf die andere wechseln. Die von uns entwickelten Datenschnittstellen sind dafür bereits vorbereitet. Damit haben wir einen zukunftssicheren Standard.“ Aus ärztlicher Sicht ist die neue KV-Connect-Anwendung unter anderem deswegen interessant, weil sie eine Option darstellt, das Faxgerät zu ersetzen. Dafür freilich muss sich KV-Connect noch ein wenig mehr ausbreiten.

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM