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Vernetzung |

Zukunftswerkstatt: BMG zeichnet Blockchain-Projekte aus

Abseits von der mittlerweile geplatzten Bitcoin-Blase arbeiten Startups und etablierte Unternehmen in zahlreichen Branchen am produktiven Einsatz der Blockchain-Technologie. Auch das Bundesministerium für Gesundheit hat die Technologie auf dem Radar und hatte im November 2018 einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich Unternehmen, akademische Institutionen und Einzelpersonen beteiligen konnten.

 

Das Interesse am Wettbewerb war groß: Mit einer Anzahl von 142 eingereichten Skizzen wurde die vom Forschungsreferat des Gesundheitsministeriums erwartete Resonanz um ein Mehrfaches übertroffen. Ursprünglich sollten bei der Zukunftswerkstatt am 27.02.2019 die zehn besten Teams ihre Projektskizzen vorstellen; aufgrund der zahlreichen guten Einsendungen wurde diese Zahl auf 20 erhöht. Diese waren im Vorfeld von Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Forschung ausgewählt worden.

 

Von den 20 Finalisten prämierte nun auf der Zukunftswerkstatt im BMG eine fünfköpfige Jury die besten drei. In die Bewertung flossen vor allem methodische Qualität und Umsetzbarkeit der Projekte mit ein. Während naturgemäß alle Teams und Einzelteilnehmer, die zur Zukunftswerkstatt nominiert waren, große Expertise sowohl im technischen und IT-Bereich als auch im Gesundheitswesen mitbrachten, stachen doch einige im Teilnehmerfeld deutlich hervor. Pluspunkte sammelten vor allem solche Teams, die besonders schlüssig begründeten, warum ihr Projekt gerade eine Blockchain benötigte und nicht mit herkömmlichen digitalen Methoden umsetzbar sei. Wie die Jurymitglieder und auch Bundesgesundheitsminister Spahn in seiner abschließenden Rede  betonten: Sinn eines solchen Wettbewerbs sei es nicht, die Blockchain als Lösung auf alle möglichen Probleme anzuwenden und potenziell effizientere Lösungen dabei zu ignorieren. Vielmehr komme es darauf an, die Blockchain passgenau in exakt solchen Fällen anzuwenden, in denen sie ihre Vorteile optimal ausspielen könne – insbesondere in Szenarien, in denen eine zentrale Autorität oder ein Intermediär eingespart werden könne, wenn es gelinge, auf algorithmischem Wege Vertrauen zwischen Akteuren mit divergierenden Interessen zu schaffen.

 

Die Sieger des Wettbewerbs präsentierten dann auch Paradebeispiele für solche Anwendungen: Den ersten Platz (Preisgeld 15.000 EUR) belegte das Arzt-Beraterin-Team Dr. Christian Sigler und Irina Hardt mit ihrem eBtM, einer blockchainbasierten Lösung für die Verordnung von Betäubungsmitteln. Eine Digitalisierung des BtM-Verfahrens wird schon seit 2003 von der Bundesopiumstelle gefordert, ist bisher allerdings nicht umgesetzt worden. Der Betäubungsmittelverkehr ist nach Überzeugung der Preisträger ein Paradebeispiel für einen sinnvollen Einsatz der Blockchain-Technologie: Durch das hohe Suchtpotenzial der Substanzen müsse es vermieden werden, dass das System von der Vertrauenswürdigkeit einer einzigen Instanz abhänge; vielmehr müssten die Akteure sich gegenseitig kontrollieren können. Die redundante Speicherung von Transaktionen auf der Blockchain stelle sicher, dass keine Datensätze nachträglich  manipuliert werden könnten. Ein Smart Contract auf der Blockchain sei zudem wesentlich fälschungssicher als das bisherige Papierrezept. Schließlich sei es – beispielsweise mit einer an Hyperledger Fabric angelehnten Technologie – möglich, die Lösung so zu implementieren, dass sie effizient und skalierbar sei und nicht aus praktischen Gründen von Praxen und Apotheken abgelehnt werden müsse.

 

Mit dem zweiten Platz und 10.000 EUR prämiert wurde das Projekt dPaCoS – eine dezentralisierte Verwaltung von Einverständniserklärungen, präsentiert von den Informatikern Andreas Schütz und Tobias Fertig. Den dritten Platz (mit 5.000 EUR Preisgeld) schließlich belegte das Projekt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auf Basis der Blockchain und Smart Contracts, präsentiert von Stephanie Widmaier und Prof. Volker Nürnberg.

 

Diese Siegerehrung sei nicht das Ende der Blockchain-Technologie im BMG, so Jens Spahn und Abteilungsleiter für Digitalisierung Gottfried Ludewig in ihren Ansprachen. Der Wettbewerb habe vielmehr dem BMG geholfen, die vielfältigen Potenziale der Blockchain-Technologie im Gesundheitswesen zu sondieren. Nun gehe es an die Umsetzung: Hierzu werde es in den nächsten Monaten voraussichtlich weitere Ausschreibungen geben.

 

Text: Christina Czeschik